Lance Armstrong reißt alle mit

Das orange Rabobank-Team verschwindet aus dem Radzirkus. Foto: ap
Das orange Rabobank-Team verschwindet aus dem Radzirkus. Foto: ap

Radsport-Weltverband verkündet Urteil am Montag – Rabobank gibt Profisport auf.

rad. Der einstige Big Boss im Peloton reißt die gesamte Branche mit in den Abwärtsstrudel. Wegen der schockierenden Dopingenthüllungen der vergangenen Tage um Lance Armstrong zieht sich der altgediente Sponsor Rabobank zum Jahresende aus dem Radsport zurück. Wie das Team am Freitag mitteilte, werden allerdings die Verpflichtungen weiter erfüllt. Ein neuer Namensgeber der Mannschaft wird gesucht, die ansonsten ohne Sponsorenbeflockung starten soll. Aus deutscher Sicht sind Profi Paul Martens und der gerade ins Management gewechselte Grischa Niermann betroffen.

Geständniswelle

Am Montag will der Rad-Weltverband UCI in Genf verkünden, ob er das Strafmaß der US-Anti-Doping-Behörde USADA gegen Armstrong – lebenslange Sperre und Aberkennung seiner sieben Siege bei der Tour de France – übernimmt. Derweil hält die Geständniswelle weiter an: Ex-Profi Stephen Hodge trat von seinem Amt als Vizepräsident des australischen Verbandes zwei Tage nach der Demission des Sportdirektors Matt White zurück und gestand Dopingmissbrauch.

Der Rabobank-Rückzug rief unterschiedliche Reaktionen hervor. „Uns tut das Herz weh, aber wir sind nicht mehr überzeugt, dass der Profiradsport zu einem sauberen und fairen Sport werden kann“, sagte Bert Bruggink von der Rabobank. „Ihr wart Teil des Problems. Wie kann man sich erdreisten, sich jetzt von euren jungen, sauberen Fahrern abzuwenden, die Teil der Lösung sind“, twitterte Garmin-Profi und Buchautor David Millar erbost. Er hatte sich nach seiner Verurteilung 2004 zu einem ernstzunehmenden Anti-Doping-Aktivisten gewandelt. Die Nachwuchs-Abteilung, in der auch Erik Zabels Sohn Rick fährt, wird unter die Regie des niederländischen Verbandes gestellt.

2008 musste Telekom eine hohe Ausstiegssumme zahlen, weil das deutsche Unternehmen vertraglich noch länger an das Radteam gebunden war, aber nach der Doping-Affäre Fuentes unbedingt raus wollte. Eine ähnliche Lösung ist jetzt auch bei Rabobank denkbar; die Niederländer waren 17 Jahre im Profiradsport aktiv.

Der in der Affäre Armstrong selbst stark in die Schusslinie geratene Weltverband unterstrich in einer Reaktion auf den Rabobank-Rückzug, alles zu tun „im Kampf gegen Doping“. Man wolle für „komplette Transparenz bei Verletzungen der Anti-Doping-Bestimmungen“ sorgen. Die UCI kann bis heute nicht schlüssig erklären, weshalb 2001 nach dem angeblich vertuschten Dopingtest bei der Tour de Suisse 125.000 Dollar von Armstrong an den Verband geflossen waren.

Exkollege zeigt Verständnis

Der französische Ex-Profi Christophe Bassons nahm Armstrong in Schutz. „Auf eine Art ist er ein Opfer“, sagte er der „L’Équipe“. Bassons war größten Anfeindungen des Texaners ausgesetzt, weil er in einem Prozess gegen den Armstrong-Arzt Michele Ferrari ausgesagt hatte. 1999 war der zweitklassige Profi von Armstrong persönlich an einem Ausreißversuch bei der Tour gehindert worden. Danach stieg er aus dem Rennen aus.

Auf eine Art ist Lance Armstrong ein Opfer.

Exprofi Christophe Bassons
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.