Stunde der Wahrheit für das neue Ski-Material

Für Elisabeth Görgl hat die Material-Revolution wenig Auswirkung: „Der Zuschauer wird die Änderungen nicht bemerken.“ Foto: gepa
Für Elisabeth Görgl hat die Material-Revolution wenig Auswirkung: „Der Zuschauer wird die Änderungen nicht bemerken.“ Foto: gepa

Premiere der längeren, schmäleren Ski beim Weltcup-Auftakt in Sölden.

ski alpin. Der Aufschrei war gewaltig, als der Internationale Skiverband (FIS) im Juli 2011 seine Materialmaßnahmen zur Bekämpfung der Verletzungsflut im Alpin-Weltcup präsentierte. Von einem Rückfall in die Zeiten eines Hansi Hinterseer, dem Ruinieren des Sports oder einer völlig ahnungslosen FIS war vielerorts im Weltcup-Zirkus die Rede gewesen. Der Sturm hat sich vor der Rennpremiere mit dem neuen Material am 27. und 28. Oktober in Sölden – vorerst – gelegt. Allerdings scheinen durch den deutlich größeren Aufwand an Muskelkraft neue Verletzungsgefahren zu lauern.

Die Hackordnung bleibt

Die Ski länger und schmäler, die Kurvenradien größer, die Zahl der Verletzten geringer – so lautet kurz zusammengefasst die neue Sicherheitsformel der FIS, die nach jahrelangen Tests, Beobachtungen und wissenschaftlichen Analysen erstellt wurde. Rundum begeistert ist zwar nach wie vor kaum jemand. Aber selbst die härtesten Kritiker wie Ted Ligety hielten sich nach den Versuchen mit Rundumschlägen nobel zurück.

Nun folgt in Sölden die Stunde der Wahrheit. Und zwar gleich mit dem Riesentorlauf und somit jener Disziplin, die von den Veränderungen am stärksten betroffen ist. Mit Neugier und Ungewissheit warten die Athleten, Trainer und Skifirmen auf die ersten Erkenntnisse unter Wettkampfbedingungen. Kaum jemand glaubt, dass das neue Material die Hackordnung wild durcheinanderwürfeln wird. „Die üblichen Verdächtigen werden weiterhin vorne sein“, vermutete Andreas Puelacher, der Cheftrainer der ÖSV-Riesentorlauf-Männer. „Es wird sicher Opfer und Gewinner geben. Das werden aber eher Ausnahmen sein“, lautet die Prognose von Sigi Voglreiter, Rennleiter der Skifirma Fischer. Head-Rennchef Rainer Salzgeber sieht zumindest zu Beginn einen klaren Vorteil für die Routiniers. „Für die Jungen wird es richtig schwer“, sagte Salzgeber.

Die Befürchtungen, dass ab Sölden das Ende des Carvens und der Schritt zurück in die 1970er-Jahre eingeläutet wird, haben sich ein wenig gelegt. „Die Zuschauer werden keine Veränderungen merken“, war sich Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl sicher. Anders dürfte die Sache aussehen, wenn es wärmer und damit weicher wird. „Bei Bedingungen wie beim vergangenen Weltcup-Finale in Schladming wird es meiner Meinung nach nicht mehr zum Anschauen sein“, merkte Gesamt-Weltcup-Gewinner Marcel Hirscher an.

Ausgepumpte Athleten

Voglreiter glaubt, dass der „geschulte Zuschauer“ sehr wohl deutliche Unterschiede bemerken wird: „Es schaut nicht mehr so ‚easy‘ aus.“ Der Oberösterreicher sprach damit auch gleich die neuen Gefahren an. „Man braucht jetzt deutlich mehr Muskelkraft“, berichtete auch „Mr. Riesentorlauf“ Ligety (Weltmeister 2011, dreifacher Disziplinen-Weltcupsieger). „Wir müssen mehr Energie und Kraft als zuvor aufwenden“, pflichtete Routinier Ivica Kostelic bei.

Salzgeber nannte das mögliche Problem beim Namen, nämlich schwere Stürze völlig ausgepumpter Athleten: „Die Erschöpfung wird klar ersichtlich sein. Die logische Konsequenz wäre, dass jetzt dadurch Stürze und Verletzungen anstehen könnten.“

Wir müssen mehr Energie und Kraft als zuvor aufwenden.

ivica kostelic
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