Lausbube als WM-Dominator

Sebastian Vettel (r.) zieht vor der ersten Kurve in Yeongam an Red-Bull-Teamkollege Mark Webber vorbei: „Die Basis für diesen Sieg war der gute Start.“ Foto: apa
Sebastian Vettel (r.) zieht vor der ersten Kurve in Yeongam an Red-Bull-Teamkollege Mark Webber vorbei: „Die Basis für diesen Sieg war der gute Start.“ Foto: apa

Sebastion Vettel knöpft mit Sieg in Yeongam Fernando Alonso die Führung ab.

formel 1. Nach 55 einsamen Runden an der Spitze hatte der neue WM-Dominator Sebastian Vettel noch genügend Kraft für einen kleinen Streich. Zunächst nahm sich der schnellste Lausbube der Welt nach der Siegerehrung für seinen überragenden Triumph in Südkorea Adrian Newey vor, doch der geniale Konstrukteur der Red-Bull-Boliden schützte sich mit einer Skibrille vor der Champagner-Dusche des neuen WM-Spitzenreiters. Vettel reagierte blitzschnell, leerte seine Magnumflasche stattdessen über dem Kopf von Johnny Herbert aus – und freute sich wie ein kleines Kind über seinen Jux. Fast mehr als über seinen dritten Sieg in Serie, mit dem er erstmals seit dem 27. Mai wieder die Führung im Kampf um den Titel von Fernando Alonso übernommen hat.

„Ein fantastisches Rennen“

Ex-Formel-1-Pilot Herbert war zunächst sichtlich irritiert, fasste sich aber schnell wieder und kam seiner Arbeit nach – dem Triumphator von Yeongam und neuen WM-Top-Favoriten die erste Frage zu stellen. „Ich bin sehr erleichtert. Es war ein fantastisches Rennen für uns, es hätte nicht besser laufen können“, sagte Vettel, immer noch mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Und weil Vettel genauso Lausbube wie Profi ist, wollte er trotz der sechs Punkte Vorsprung auf Alonso von einer Vorentscheidung im Titelrennen nichts wissen: „In der WM kann es immer rauf und runter gehen. Wenn wir am Ende die meisten Punkte haben, wird man uns das schon sagen – da müssen wir nicht viel rechnen.“

Ferrari braucht Fortschritte

44 Punkte lag Vettel zwischenzeitlich schon hinter Ferrari-Pilot Alonso zurück. Doch nach drei Siegen in Folge hat der Titelverteidiger nun plötzlich sechs Zähler Vorsprung auf den in Sükorea drittplatzierten Spanier, der sich auch Vettels Teamkollegen Mark Webber geschlagen geben musste. Alonso wirkte angesichts der Dominanz des großen Rivalen konsterniert: „Red Bull ist im Moment sehr schwer zu schlagen. Wir müssen noch einen Schritt nach vorne machen.“ Zuvor war Vettel auf dem 5,615 km langen Kurs in einer anderen Liga unterwegs. Der 25-Jährige setzte sich am Start gegen Webber durch und übernahm, von Platz zwei gestartet, noch vor der ersten Kurve die Führung. Von da an konnte Vettel an der Spitze in Ruhe seine Runden drehen und die technische Überlegenheit des Red Bull ausspielen. Am Ende steuerte er einem völlig ungefährdeten Erfolg entgegen. Es war bereits der 25. Sieg seiner Karriere. Damit zog er nach Triumphen mit den ehemaligen Größen Niki Lauda und Jim Clark gleich. „Yoohooooo, yes. Danke Jungs für die fantastische Arbeit“, brüllte Vettel nach der Zieldurchfahrt via Boxenfunk seinen Mechanikern zu und sprang seiner Crew in die Arme.

Zwar machte der Deutsche einen wichtigen Schritt in Richtung des dritten Titels in Serie, große Jubelarien verbat sich Vettel. „Wir können uns ein paar Drinks gönnen, bevor es nach Hause geht“, sagte er, „aber Ferrari war heute sehr stark. Wir dürfen uns nicht ausruhen und müssen weiter hart arbeiten. Es gibt keine Garantien.“ Eine große Party werde es nicht geben, das Tanzen will er lieber dem „Meister“ überlassen. Gemeint war Südkoreas Rap-Star „Psy“, der mit seinem Song „Gangnam Style“ zum Youtube-Helden avancierte und in Yeongam ein Konzert gab.

Den Fokus behalten

Doch vielleicht wird Vettel ja eine ähnlich eigenartige Choreografie präsentieren wie „Psy“, wenn er sich den Traum vom Titel erfüllt hat. Jedenfalls hat er jetzt beste Chancen, jüngster Dreifach-Champion der Geschichte zu werden – zudem konnten nur Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher jemals drei Titel in Serie gewinnen. „Hoffentlich können wir dieses Momentum in den nächsten Rennen aufrechterhalten“, sagte Vettel, „wir bleiben fokussiert.“

Red-Bull-Technikchef Adrian Newey schützt sich mit einer Skibrille vor dem Champagner-Angriff von Sebastian Vettel. Foto: apa
Red-Bull-Technikchef Adrian Newey schützt sich mit einer Skibrille vor dem Champagner-Angriff von Sebastian Vettel. Foto: apa

Die Mechaniker schlafen nachts nur drei Stunden, da wäre ich am nächsten Tag komplett neben der Spur.

sebastian vettel

Formel 1

Startaufstellung GP von Südkorea

1. Reihe

1. Webber (Gbr) Red Bull 1:37,242

2. Vettel (Ger) Red Bull 1:37,316

2. Reihe

3. Hamilton (Gbr) McLaren 1:37,469

4. Alonso (Esp) Ferrari 1:37,534

3. Reihe

5. Räikkönen (Fin) Lotus 1:37,625

6. Massa (Bra) Ferrari 1:37,884

4. Reihe

7. Grosjean (Fra) Lotus 1:37,934

8. Hülkenberg (Ger) Force India 1:38,266

5. Reihe

9. Rosberg (Ger) Mercedes 1:38,361

10. Schumacher (Ger) Mercedes 1:38,513

6. Reihe

11. Button (Gbr) McLaren 1:38,441

12. Perez (Mex) Sauber 1:38,460

7. Reihe

13. Kobayashi (Jpn) Sauber 1:38,594

14. Di Resta (Gbr) Force India 1:38,643

8. Reihe

15. Maldonado (Ven) Williams 1:38,725

16. Vergne (Fra) Toro Rosso 1:39,340

9. Reihe

17. Senna (Bra) Williams 1:39,443

18. Petrow (Rus) Caterham 1:40,207

10. Reihe

19. Kovalainen (Fin) Caterham 140,333

20. Glock (Ger) 1:41,371

11. Reihe

21. Ricciardo (Aus) Toro Rosso 1:39,084

22. De la Rosa (Esp) HRT 1:42,881

12. Reihe

23. Karthikeyan (Ind) HRT ohne Zeit

24. Pic (Fra) Marussia 1:41,317

Formel 1. Weltmeisterschaft 2012 im Überblick

GP von Südkorea in Yeongam

Sebastian VettelDeutschland

Red Bull

1:36:28,651/191,939 km/h

Mark Webber

Australien

Red Bull

+8,231

Fernando AlonsoSpanien

Ferrari

+13,944

Felipe MassaBrasilien

Ferrari

+20,168

Kimi Räikkönen

Finnland

Lotus

+36,739

  6. Nico Hülkenberg +45,301 Deutschland/Force India

  7. Romain Grosjean +54,812Frankreich/Lotus

  8. Jean-Eric Vergne +1:09,589Frankreich/Toro Rosso

  9. Daniel Ricciardo +1:11,787Australien/Toro Rosso

10. Lewis Hamilton +1:19,692Großbritannien/McLaren

WM-Stand Punkte

 1. Sebastian Vettel 215Deutschland/Red Bull

 2. Fernando Alonso 209 Spanien/Ferrari

 3. Kimi Räikkönen 167Finnland/Lotus

 4. Lewis Hamilton 153Großbritannien/McLaren

 5. Mark Webber 152Australien/Red Bull

 6. Jenson Button 131Großbritannien/McLaren

 7. Nico Rosberg 93Deutschland/Mercedes

 8. Romain Grosjean 88Frankreich/Lotus

9. Felipe Massa 81Brasilien/Ferrari

10. Sergio Pérez 66Mexiko/Sauber

Konstrukteurs-WM Punkte

 1. Red Bull 367

2. Ferrari 290

 3. McLaren 284

 4. Lotus 255

 5. Mercedes 136

 6. Sauber 116

 7. Force India 89

 8. Williams 58

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