Zugunglück in Bayern fordert hohen Blutzoll

Großeinsatz für Einsatzkräfte am Unglücksort: Den Helfern bot sich ein Bild des Schreckens.
Großeinsatz für Einsatzkräfte am Unglücksort: Den Helfern bot sich ein Bild des Schreckens.

Fatales Zugunglück in Bayern: zehn Tote und 80 Verletzte. Menschliches Versagen wahrscheinliche Ursache.

Bad Aibling. Der Zusammenprall trifft die Fahrgäste am Dienstag im oberbayrischen Bad Aibling völlig unvermittelt, als in einer Kurve zwei Pendler-Züge ineinanderprallen. Die verheerende Bilanz: Mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte. Zum Glück sind Faschingsferien und die Schüler deshalb Zuhause statt im Zug.

Eingleisige Bahnstrecke

Zwei Nahverkehrszüge waren im morgendlichen Berufsverkehr auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal kollidiert. Außer den zehn Toten wurden 18 Menschen schwer und mindestens 63 Reisende leicht verletzt. Als die Züge am Morgen gegen 6.45 Uhr zusammenstießen und sich die Triebwagen ineinander verkeilten, entgleiste einer der Züge und mehrere Waggons kippten zur Seite. „Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen“, zeigte sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Bad Aibling tief betroffen.

Bergung extrem schwierig

Die Ursache für den Unfall auf der auch Mangfalltalbahn genannten Strecke stand nach ersten Ermittlungen am Dienstagabend so gut wie fest: menschliches Versagen. Die Strecke wird gewöhnlich mithilfe des „Punktförmigen Zugbeeinflussungssystems“ kontrolliert: „Ein System, das automatisch dafür sorgen soll, dass das Aufeinandertreffen von Zügen nicht stattfindet, indem Züge zwangsgebremst werden, wenn sie unberechtigt auf einer Strecke sind, Signale überfahren oder Ähnliches“, schilderte Dobrindt. Das System war erst in der Vorwoche ohne Auffälligkeiten im Rahmen einer Routineuntersuchung kontrolliert worden.

Großaufgebot mit 700 Helfern

Ein Großaufgebot von rund 700 Rettungskräften mit zahlreichen Hubschraubern kümmerte sich um die Verletzten. Hilfe kam selbst aus Österreich. Hubschrauber brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, wo sämtliche planmäßigen Operationen sofort abgesagt wurden, um Kapazitäten für die Versorgung der Opfer zu schaffen. Die Bevölkerung wurde zum Blutspenden aufgerufen.

Die Züge waren in einer langgezogenen Kurve auf dem vier Kilometer langen Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling-Kurpark in der Nähe des Klärwerks von Bad Aibling zusammengestoßen. Dort dürfen sie maximal 100 Stundenkilometer fahren. Weil die beiden Lokführer sich aufgrund der Kurve erst sehr spät sehen konnten, gehen die Fachleute davon aus, dass die Züge „mit sehr hoher Geschwindigkeit“ zusammenstießen. Ermittler versuchen nun, die genauen Umstände des Unglücks im Detail herauszufinden. Es soll auch Thema im Bundestag werden. „Es ist klar, dass alles getan wird, um das restlos aufzuklären“, betonte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Schwerverletzte Zuginsassen wurden per Heli erstversorgt.
Schwerverletzte Zuginsassen wurden per Heli erstversorgt.
Einsatzkräfte der Wasserwacht waren ebenso zur Stelle.
Einsatzkräfte der Wasserwacht waren ebenso zur Stelle.
Spitzenvertreter aus den Bereichen Bahn und Politik zeigten sich ebenso tief betroffen am Unglücksort.
Spitzenvertreter aus den Bereichen Bahn und Politik zeigten sich ebenso tief betroffen am Unglücksort.
Zwei Züge mit rund 150 Pendlern bohrten sich mit hoher Geschwindigkeit buchstäblich ineinander.
Zwei Züge mit rund 150 Pendlern bohrten sich mit hoher Geschwindigkeit buchstäblich ineinander.

Schwere Zugunfälle in Deutschland

August 2014: In Mannheim rammt ein Güterzug einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzen um, 35 Menschen werden verletzt. Der Lokführer des Güterzugs hatte ein Haltesignal übersehen.

September 2012: Ein Intercity entgleist beim Verlassen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Acht Menschen werden verletzt. Bereits im Juli jenen Jahres war an gleicher Stelle ein IC aus den Gleisen gesprungen. Ursache waren jeweils defekte Puffer an den Waggons.

April 2012: Eine Regionalbahn stößt bei Offenbach (Hessen) mit einem Baukran-Zug zusammen. Drei Menschen werden getötet, 13 verletzt.

Jänner 2012: Ein Regionalzug rast in Nordfriesland in eine Rinderherde und kippt um. Ein Fahrgast kommt ums Leben.

September 2011: Geröll stürzt bei heftigen Regenfällen aufs Gleis und lässt einen Intercity mit etwa 800 Menschen an Bord bei St. Goar im Rheintal entgleisen. 15 Menschen werden verletzt.

Jänner 2011: Zehn Menschen sterben, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstößt.

Oktober 2009: Bei einer Feier zum 125-jährigen Bestehen der historischen Lößnitzgrundbahn in Sachsen stoßen zwei der alten Züge zusammen. 52 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.

April 2008: Ein ICE rast südlich von Fulda (Hessen) in eine Schafherde und entgleist teilweise – 73 Verletzte.

Juni 2003: Bei Schrozberg in Baden-Württemberg stoßen zwei Regionalzüge zusammen. Sechs Menschen sterben.

Februar 2000: In einer Baustelle des Bahnhofs Brühl bei Köln entgleist der Nachtexpress von Amsterdam nach Basel an einer Weiche. Bilanz: Neun Tote, 149 Verletzte.

Juni 1998: Nach dem Bruch eines Radreifens prallen im niedersächsischen Eschede mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 gegen eine Straßenbrücke. 101 Menschen sterben.

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