Laufskálarétt: Pferd sein auf Island

Laufskálarétt nennt sich der alljährliche Pferdeabtrieb im isländischen Herbst.

reise. (srt/Mona Contzen) Auf Island gehört der Pferdeabtrieb im Herbst zu den Höhepunkten des Jahres. Hier lässt sich die wilde Natur des Landes auf vier Beinen erleben – dieses Jahr vom 29. September bis 3. Oktober.

Lange kann es nicht mehr dauern. Der Wind pfeift eiskalt über die Lavalandschaften, auf den Bergkuppen glitzert der erste Schnee, am Nachthimmel wabern schon die magischen, giftgrünen Nordlichter. Auf Island hält langsam der Winter Einzug und der ist im „Land aus Eis“ noch immer eine Frage des Überlebens. Meterhoch kann sich der Schnee im Norden türmen und sämtliche Nahrung unter einer frostigen Decke begraben. Wer in dieser rauen Natur lebt, stellt sich ihr entgegen – mit kratzigen Wollpullovern, vollen Bärten und dunklen Liedern. Oder mit einem dichten Fell und langer Mähne. Längst schon ist das Islandpferd zum Symbol für die wilde Insel im hohen Norden zwischen Grönland und Norwegen geworden. Ein Symbol der Stärke, der Widerstandskraft und der Schönheit. Ein Symbol für Freiheit und Naturverbundenheit. Im Sommer streifen die Tiere wie Wildpferde in großen Herden durch das unbewohnte Hochland, im Winter ist es Zeit heimzukehren. Kleine, weiße Wollknäuel kündigen die Ankunft der Pferde an. Eine Gruppe Schafe bringt sich in der Ferne hektisch auf dem Hang in Sicherheit. Dann stürmt die erste schwarze Silhouette über den Kamm. Der Tross aus Füchsen, Rappen, Braunen und Schimmeln schneidet wie eine nicht enden wollende Ameisenstraße durch das gelbbraune, herbstliche Gras. Rund 500 Islandpferde sind beim diesjährigen Laufskálarétt in Hjaltadalur, dem größten Pferdeabtrieb des Landes, dabei. Etwa 60 bis 70 Reiter und Kletterer haben sich in einer langen Reihe in den frühen Morgenstunden aufgemacht, um die Tiere aus den verzweigten Seitentälern zusammenzutreiben. Hlin, die eigentlich Christiane heißt, wartet in einer dicken, roten Daunenjacke auf ihre sechs Pferde. Seit 20 Jahren lebt die Saarländerin jetzt schon auf der Insel, die nur rund 330.000 Einwohner hat, dafür aber 460.000 Schafe, unzählige Vulkane und mit dem Vatnajökull Europas größtem Gletscher. Die Liebe hat sie hergeführt – die Liebe zu den Islandpferden. „Im Hochland, da können sie einfach Pferd sein, und das merkt man ihnen an“, erklärt die 40-Jährige ihre Faszination. „Islandpferde sind so natürlich und unerschrocken – eben noch so viel Pferd.“

Am isländischen Trollgebirge geht plötzlich alles ganz schnell. Die Pferde schießen in halsbrecherischem Tempo den Hang hinunter. Das Donnern der Hufe lässt die Luft vibrieren. Mähnen wehen, Nüstern blähen sich, feuchte Rücken dicht an dicht. Gerade noch haben die Reiter

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