Wolkenkratzer statt Windmühlen

Hollands Hafenmetropole Rotterdam zeigt sich stylish und voller Ideen.

reise. (srt/Robert B. Fishman) Wo einst Seeleute in Hafenspelunken ihre Heuer versoffen, wachsen heute Wolkenkratzer in den Himmel. Europas größter Hafen zieht immer weiter die Neue Maas hinunter Richtung Meer. Auf den frei gewordenen Grundstücken toben sich berühmte Architekten und kreative Unternehmensgründer aus. Sie verwandeln ausrangierte Windräder in Spielplätze oder Rotterdamer Eigenheiten in Kunstwerke.

„Groos“ sagten sie in Holland früher für Stolz. Eine Handvoll Künstler und Designer haben das Wort wiederentdeckt. Jetzt heißt ihr Laden so. Dort verkaufen sie gemeinsam ihre Werke: Sofakissen, die eine der Künstlerinnen mit alten Leuten strickt, damit diese sich nicht so alleine fühlen, oder notizbuchkleine Kräutergärten fürs Fenstersims. Socken gibt es, Designerstühle und aus Hartpappe gefertigte Landschaftsteile für Lego- und Duplosteine – einzige Gemeinsamkeit: „Made in Rotterdam“. „Das Schöne an dieser Stadt ist, dass sie nicht so holländisch ist“, scherzt Simone. Menschen aus 170 Nationen wohnen in der zweitgrößten Stadt der Niederlande. Architektin Simone berät in ihrem Blog „Nach Holland“ Deutsche, die in die Niederlande übersiedeln wollen. Vor 16 Jahren zog sie wegen des Jobs nach Rotterdam. Das raue, hässliche Entlein der Niederlande fing gerade an, sich schön zu machen. Man brauchte Fachleute, die an den kühnen Träumen von Hollands ewig Zweiter mitbauen wollten: einer Drahtseil-Brücke über die Neue Maas zu Füßen des höchsten Wohnturms landesweit, der 44 Etagen hohen „vertikalen Stadt“ De Rotterdam von Rem Koolhaas und anderen Luftschlössern. Dann kam die Krise. Seit 2007 warten die Pläne auf Geldgeber, zum Beispiel für Katendrecht. Der Weg dorthin führt über die 1996 erbaute Erasmusbrücke nach Kop van Zuid. „Schwanenhals“ nennen sie das geschwungene Bauwerk wegen der eleganten Form. Im Abendlicht scheint die Brücke an ihren Stahlseilen zu schweben. Drüben verschwimmen die glatten Fassaden der Hochhäuser in den tief hängenden Wolken. Eine Fußgängerbrücke verbindet das futuristische Kop van Zuid mit Katendrecht. Sie mündet auf einem ehemaligen Hafenkai, an dem Rotterdamer Kreative verlassenen Fabrikhallen neues Leben einhauchen. Aus einer der Hallen scheinen bunte Lichter. Drinnen sieht es aus

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