Kommentar

Gerold Riedmann

Wir passenauf uns auf

Wer im heißen australischen Busch unterwegs ist, spürt die Fürsorge unmittelbar deutlich. Wenn sich zwei in dieser Einöde begegnen – und sei es auf einer einsamen ewig-geraden Straße, weil man kurz für ein Foto sein Auto geparkt hat – dann bleibt der jeweils andere stehen und fragt, ob erstens alles okay sei und ob man zweitens noch genug Wasser habe. Die Verabschiedung mit einem warmherzigen „Take care, mate!” ist Standard. Pass auf Dich auf, mein Freund.

Es ist absehbar, dass wir die kommenden Wochen lange nicht vergessen werden. Passen wir aufeinander auf. Es ist die Zeit, den gesellschaftlichen Zusammenhalt neu zu definieren – auch wenn wir uns nicht persönlich treffen.

Wenn jetzt das öffentliche Leben heruntergefahren wird, wenn wir alle zum Leben, zum Arbeiten und zum Schlafen zuhause bleiben, dann ist es wichtig, dass wir eng verbunden bleiben, auch wenn wir getrennt sind. Dass es uns nicht egal ist, was nebenan passiert. Dass wir unsere eigenen Ansprüche zurücknehmen, um als Gesellschaft gemeinsam etwas Größeres zu erreichen: nämlich diese Seuche, die über uns kam, zu überwinden.

Das wird Wochen dauern. Und wenn man in die fremden Gesichter blickt, die auf dem Weg zur Arbeit an einem vorbei huschen, dann sieht man nicht immer Zuversicht. Die meisten sind perplex, wenn man sie anlächelt. Auch das ist ansteckend. Ein Mann lächelt dankbar zurück. “Das werden wir jetzt auch noch gemeinsam schaffen”, sagt er mir im Vorbeigehen.

Take care, mate!

Gerold Riedmann

gerold.riedmann@vn.at

05572 501-320

Twitter: @gerold_rie

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.

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