Das Spiel ist noch nicht vorbei

„Spiel aus“ („Game Over“) schleudert Trump seinen Gegnern in einer als Fotomontage gestalteten Twitter-Botschaft entgegen.  AFp

„Spiel aus“ („Game Over“) schleudert Trump seinen Gegnern in einer als Fotomontage gestalteten Twitter-Botschaft entgegen.  AFp

Trump wollte Robert Muellers Untersuchung zur Russland-Affäre vereiteln.

WASHINTTON „Oh mein Gott. Das ist furchtbar. Das ist das Ende meiner Präsidentschaft. I‘m fucked (sinngemäß: „Ich bin am Arsch“). Das ist das Schlimmste, das mir je passiert ist.“ Das sagte US-Präsident Donald Trump am 17. Mai 2017, als er erfahren hatte, dass FBI-Sonderermittler Robert Mueller die Russland-Kontakte seiner Wahlkampfhelfer prüfen wird. Diese und andere vulgäre Aussagen von Trump zitiert Mueller in seinem gestern veröffentlichten Bericht zur Russland-Affäre.

Aus dem mehr als 400-seitigen und in Teilen geschwärzten Dokument geht hervor, dass Trump die Russland-Ermittlungen zu Beginn als ernste Bedrohung seiner Präsidentschaft sah. Mueller und sein Team listen diverse Versuche des Republikaners auf, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. Behinderung der Justiz werfen sie ihm aber nicht explizit vor. Trumps Einflussversuche seien meist daran gescheitert, dass Mitarbeiter seinen Anweisungen nicht folgten. Mueller stieß zudem auf „zahlreiche“ Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands in den Monaten vor und nach der Wahl. Darunter waren Geschäftskontakte, politische Treffen und eine Begegnung, bei der man kompromittierendes Material über Hillary Clinton bekommen sollte. Aber die Beweise reichten nicht für den Nachweis einer Straftat aus.

„Kompletter Schwachsinn“

US-Präsident Donald Trump sieht sich zwar von allen Vorwürfen freigesprochen, äußerte aber dann doch scharfe Kritik. In dem „verrückten Mueller-Bericht“ würden zum Teil Aussagen über ihn getroffen, die „fabriziert und total falsch“ seien, twitterte Trump am Freitag. Manche Aussagen seien „kompletter Schwachsinn“ („total bullshit“) und hätten nur zum Ziel, die andere Person gut aussehen zu lassen oder ihn selbst schlecht. Trump bezeichnete die gesamte Untersuchung erneut als illegalen Schwindel, der nie hätte passieren dürfen. Er hatte die Ermittlungen immer wieder als „Hexenjagd“ bezeichnet.

Für Demokraten und Republikaner könnte das weitere Verfahren politisch heikel sein. Trumps republikanische Kollegen wollen Muellers Untersuchung hinter sich lassen. Die Demokraten indes sagen, dass Muellers Erkenntnisse weit ernster seien als zunächst von US-Justizminister William Barr in einer vierseitigen Zusammenfassung nahegelegt. Sie zögern aber, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einzuleiten. Die Entscheidung über weiteres Vorgehen liegt nun beim Kongress.

Russland reagiert gelassen

moskau Vonseiten der russischen Regierung wird weiterhin jede Form einer möglichen Einmischung in den US-Wahlkampf von 2016 zurückgewiesen. „Wie jeher akzeptieren wir derartige Anschuldigungen nicht“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in Moskau. Muellers Bericht behaupte, dass Moskau sich eingemischt habe. Dafür habe der Ermittler aber keine Beweise vorgelegt. Treffen zwischen russischen und amerikanischen Geschäftsleuten überhaupt als Versuche zu erwähnen, sei schlicht „absurd. Niemand hat hier irgendjemandem geschadet“, sagte Peskow. Es sei nun mal Teil ihrer Arbeit, solche Kontakte zu pflegen. Russland tue dies auch mit anderen Ländern in dieser Form. „Geschäftsleute arbeiten nun mal so.“ Mueller legt indes dar, dass Personen mit Verbindungen zur russischen Regierung sich schon 2015 für Trump als Kandidaten der Republikaner interessiert hätten. 

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.