Kommentar

Julia Ortner

Fundraising ist kein Ponyhof

Die spanische Hofreitschule in Wien bekommt eine neue Chefin, und alle sind sehr aufgeregt – Politbesetzung? – natürlich auch Wolfgang Fellner. Er empfängt Sonja Klima, „die Charity-Lady im Land“ (bitte stellen Sie sich hier Großbuchstaben und Rufzeichen vor) in seinem Fellner-Fernsehen: „Dafür lieben wir dich, Millionen für die Krebskinder gesammelt, eine super Initiative!“ Neue Präsidentin des „Nationalheiligtums“ und „alle freuen sich darüber!“ Naja. Frau Klima lächelt und lässt sich abwechselnd mit „Charity-Lady“ und Ex-„Kanzler-Gattin“ anreden. Sicher lieb gemeint.

Sonja Klima, Vereins-Präsidentin der „Ronald McDonald Kinderhilfe“, Besitzerin eines Gestüts, früher Lehrerin und Ex-Frau des einstigen SPÖ-Kanzlers Viktor Klima, soll Chefin der Hofreitschule werden – und plötzlich mutieren viele zu großen Pferdekennern. So eine intensive öffentliche Debatte würde man sich auch bei anderen Postenbesetzungen im Einflussbereich der Politik wünschen, aber was ist schon die Nationalbank.

Klima wurde im Auswahlverfahren Zweitgereihte hinter einem hausinternen Kandidaten, bekam dennoch den Zuschlag; der fachliche Beirat trat nach ihrer Bestellung durch den Aufsichtsrat zurück; Ex-ÖVP-Minister Martin Bartenstein legte wiederum nach der Entscheidung sein Aufsichtsratsmandat zurück; die zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger ist mit der „guten Entscheidung“ zufrieden.

Da scheint es nicht so abwegig, dass Klima wohl Unterstützung von politischer Seite hatte, sie pflegte auch bisher gute Kontakte zu Kanzler Sebastian Kurz oder Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Doch abseits der Frage um ihre Reitkunst-Kenntnisse – Klima soll laut „Presse“ einen langjährigen Oberbereiter der Hofreitschule als Fach-Experten an ihre Seite holen – zeigt sich hier wieder, wie despektierlich Qualifikation bei Frauen manchmal gewertet wird.

Fundraising, also Geld und Sponsoren für Großprojekte einsammeln, ist kein Hobby, sondern ein fordernder Job für Leute mit Marketingkenntnissen, Verkaufstalent, weltgewandtem Auftreten – also jener Job, den Klima künftig als Gesicht der Hofreitschule machen soll. Männer, die tüchtig Geld reinholen, sind erfolgreiche Fundraiser; Frau Klima ist die nette „Charity-Lady“.

Die Kunst des Netzwerkens, Kontakte zu Politik, Wirtschaft und einflussreichen Menschen aufzubauen: Wenn Männer in den richtigen Zirkeln und bei den richtigen Veranstaltungen eine Nähe zum Kanzler oder einflussreichen CEOs pflegen, gilt das als geschickt; wenn Frau Klima sich mit dem Kanzler fotografieren lässt, schleimt sich eine „Rote“ an die türkis-blaue Regierung an. „Charity-Lady“ und Ex-„Kanzler-Gattin“ nicht zu vergessen.

Julia Ortner

julia.ortner@vn.at

Julia Ortner ist Journalistin mit ­Vorarlberger Wurzeln und lebt in Wien. Podcast: @ganzoffengesagt

„Männer, die tüchtig Geld reinholen, sind erfolgreiche Fundraiser; Frau Klima ist die nette ,Charity-Lady‘.“

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.