„Das ist keine Medizin“

Diese Steigerung betrifft vor allem Allgemeinmediziner.  APA

Diese Steigerung betrifft vor allem Allgemeinmediziner.  APA

Ärzte wehren sich dagegen, Alternativmedizin gesetzlich in ihrem Berufsbild zu verankern.

Wien Zuckerkügelchen, hochpotenzierte Flüssigkeiten, Hände auflegen. Unter den Begriff der Alternativmedizin fällt vieles. Dass sie dem einen oder anderen hilft, ist unbestritten.  Wissenschaftliche Belege zur tatsächlichen Wirkung fehlen allerdings. Allein bei homöopathischen Mitteln kamen Dutzende Studien zum Schluss, dass sie über den Placebo-Effekt hinaus keine nachweisliche Leistung erbringen.

Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) will die Ausübung der Alternativmedizin dennoch als Teil des Arztberufs definieren. Das Ärztegesetz soll künftig festhalten, dass die „Ausübung des ärztlichen Berufs jede auf medizinwissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit“ umfasst, „einschließlich komplementär- und alternativmedizinischer Heilverfahren“. Genau diese Formulierung sorgt nun für breite Kritik. Nicht nur in der Ärzteschaft herrscht helle Aufregung, auch in der Wirtschaftskammer, bei Patientenanwälten, Osteopathen, Hebammen und der Opposition.

Kritik an „Hokuspokus“

Der Vorarlberger Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) bezeichnet die Formulierung als „Gewurstel“. Er lehnt eine generelle Verlagerung der komplementär- und alternativmedizinischen Methoden von der einen zur anderen Berufsgruppe ab. Außerdem kritisiert Bernhard, dass es keine Diskussion über diesen Schritt gegeben habe. „Wir brauchen zumindest eine ordentliche Definition, welche Leistungen betroffen wären.“ Das Gesundheitsministerium will mit dem Gesetz allen Personen ohne ärztliche Ausbildung verbieten, Alternativmedizin auszuüben. So könne man unprofessionelle heilkundliche Angebote bis hin zur „Kurpfuscherei“ besser verhindern.

Osteopathen befürchten nun, nicht mehr praktizieren zu dürfen, das Hebammengremium fordert eine Klarstellung, dass gesetzlich geregelte Gesundheitsberufe von der Regel unberührt bleiben, die Wirtschaftskammer zittert um Kosmetiker, Fußpfleger oder Masseure, da zum Beispiel Hautanalysen und Massagen auch unter komplementäre Heilverfahren fielen. Die Patientenanwälte sind gegen die neue Gesetzespassage, da der „pseudomedizinische Hokuspokus“ künftig auch noch von Ärzten ausgeübt werde. Der Präsident der Vorarlberger Ärztekammer, Michael Jonas, kritisiert, dass der Begriff Alternativmedizin vor allem signalisiere, dass es eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten gebe. Es handle sich aber um Methoden, die tatsächlich nichts mit Medizin zu tun hätten und dem ärztlichen Selbstverständnis widersprächen.

Ärzte dürfen Ärzte anstellen

Positiv beurteilt Jonas, dass Turnusärzte künftig ab einem gewissen Ausbildungsgrad Notdienste fahren dürfen. Zudem wird die notärztliche Ausbildung weiterentwickelt. Statt 60 werden 80 Lehreinheiten von je 45 Minuten vorausgesetzt, ebenso wie die Teilnahme an mindestens 20 beaufsichtigten Einsätzen. Die Kosten beziffert das Gesundheitsressort mit zusätzlichen 1,63 Millionen Euro. Diese basieren auf einer Schätzung. Der Rechnungshof vermisst dabei aber nähere Angaben. 

Grundsätzlich befürwortet wird die Regelung, dass Ärzte künftig Ärzte anstellen dürfen. Landesrat Bernhard hält das Gesetz dazu allerdings für zu kompliziert. Dass in einer Ordination maximal ein zusätzlicher Arzt beschäftigt werden darf und in einer Gruppenpraxis maximal zwei, bezeichnet der Landesrat als zu restriktiv. Die Konkretisierungen beim ärztlichen Beistand für Sterbende beurteilt er positiv. Ressortchefin Hartinger-Klein stellt mit dem Gesetz klar, dass Todkranken zur Schmerzlinderung gewisse Medikamente verabreicht werden dürfen, auch wenn diese eine „unvermeidbare Lebensverkürzung“ zur Folge haben. Das Gesundheitsministerium weist aber explizit darauf hin, dass diese Regel keine Rechtsgrundlage für Sterbehilfe ist.

„Ich weiß nicht, warum ein Arzt maximal nur einen zusätzlichen Arzt anstellen dürfen soll.“

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