Kommentar

Peter W. Schroeder

Kein Grund zum Jubeln

Geschehen noch Zeichen und Wunder? Amerikanische Medien bejubeln den amerikanischen Präsidenten als „Friedensstifter in Korea“. Sogar vom „verdienstvollen Anwärter auf den Friedensnobelpreis“ ist die Rede. Von einem Präsidenten immerhin, der mit tumben Androhungen eines „nuklearen Plattmachens“ Nordkoreas als Reaktion auf die nuklearen Basteleien des Westentaschen-Diktators Kim Jong-Un eine simmernde Krise erst so richtig anheizte und der damit die Möglichkeit eines Dritten Weltkrieges herbeibrabbelte. Und eines Präsidenten, der für seine „Friedensbemühungen“ von einer deutschen Bundeskanzlerin belobigt wurde. Die erhoffte Gegenleistung in Form einer Beendigung der US-Handelsschikanen gegenüber den EU-Staaten blieb freilich aus.

So schön sich die vom nord- und vom südkoreanischen Präsidenten vereinbarte „Panmunjom-Erklärung“ über die angestrebte Beendigung des Kriegszustandes zwischen beiden Staaten und die Schaffung eines atomwaffenfreien Koreas auch liest, zu Jubel und Lobpreisungen besteht herzlich wenig Anlass.

Denn mit einer ziemlich gleichlautenden Vereinbarung beglückten Kim Jong-Il, der Vater des amtierenden Nordkorea-Führers, und der damalige Südkorea-Präsident Roh Moo-Hyun die Welt schon einmal vor genau elf Jahren. Bekanntlich ist daraus nichts geworden.

Und der Realisierung der jetzigen Vereinbarung, beispielsweise beim geplanten Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump mit seinem nordkoreanischen Gegenpart liegen nicht Stolpersteine, sondern gigantische Brocken im Weg: So verlangt Trump, dass die gesamte nukleare Technologie Nordkoreas „im Ausland entsorgt“ wird. Womit er augenscheinlich die USA meint, was Nordkorea ablehnt und gleichzeitig einen Abzug des US-Militärs aus Südkorea verlangt. Worauf sich Südkorea und der gegenwärtige US-Präsident nicht einlassen wollen. Um die Sache noch komplizierter zu machen, fordert Washington ein Ende der engen Bindungen Nordkoreas zur Volksrepublik China. Was Peking bereits belustigt als „illusorisch“ bezeichnete.

Das ist die Realität der gegenwärtigen Lage. Natürlich ist miteinander Reden immer besser als Schießen und Bomben. Aber konzeptions- und planloses bombastisches Reden und Reklamieren wie auf Seiten Trumps ist nicht förderlich und zielführend. Das gilt bis zum Beweis des Gegenteils für die amerikanische Sicherheitspolitik im Allgemeinen, die Korea-Politik im Besonderen und auch die Handelspolitik. Auf einen verantwortungsvoll und seriös handelnden und mit Preisen zu überschüttenden US-Präsidenten müssen die Freunde, Partner und Widersacher der Vereinigten Staaten wohl noch etwas warten.

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

„So schön sich die ‚Panmunjom-Erklärung‘ auch liest, zu Jubel und Lobpreisungen besteht herzlich wenig Anlass.“

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