Imam als mutmaßlicher Kopf der Islamistenzelle

In der Basilika Sagrada Familia wurde der Opfer des Terrors mit einer Trauerfeier gedacht. Weihbischof Taltavull sprach von Tagen von „Tränen und Menschlichkeit.“  Foto: AFP

In der Basilika Sagrada Familia wurde der Opfer des Terrors mit einer Trauerfeier gedacht. Weihbischof Taltavull sprach von Tagen von „Tränen und Menschlichkeit.“  Foto: AFP

Nach den Terroranschlägen in Katalonien sucht die Polizei nach den Drahtziehern. Größeres Attentat geplant.

barcelona. (VN) Noch immer fahndet die Polizei nach den Schlüsselfiguren des Terrors in Spanien. Sie seien sehr nah an einer Person dran, „die mit beiden Attentaten in Verbindung steht“, erklärten die Ermittler am Sonntag. Welche konkrete Rolle diese Person gespielt haben könnte, blieb offen. Gesucht wird jedenfalls vor allem nach jenem Mann, der einen Lastwagen in eine Menschenmenge auf der beliebten Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona gesteuert hatte. Medienberichten zufolge gilt der 22-jährige Marokkaner Younes Abouyaaqoub als Hauptverdächtiger. Auch ein Imam rückt ins Visier der Ermittler.

Am Sonntag wurde der Terroropfer mit einer Trauerfeier in der Basilika Sagrada Familia gedacht. An der Messe in dem weltberühmten, von Antoni Gaudí entworfenen Gotteshaus nahmen auch das spanische Königspaar Felipe VI. und Letizia, Regierungschef Mariano Rajoy und der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa teil. Der Erzbischof von Barcelona, Juan José Omella, verlas eine Botschaft von Papst Franziskus, in der das Kirchenoberhaupt Angehörigen und Verletzten sein Beileid aussprach. Weihbischof Sebastià Taltavull sagte: „Es waren Tage von Tränen und Menschlichkeit.“

Vermisster Bub unter Opfern

Bei dem Anschlag am Donnerstag in Barcelona waren 13 Menschen getötet worden. Wie am Wochenende bekannt wurde, ist unter den Toten auch ein zunächst vermisster australischer Bub. Die katalanischen Notfalldienste teilten mit, sie hätten den Siebenjährigen identifiziert. Die Mutter wurde bei dem Anschlag schwer verletzt und von ihrem Sohn getrennt.

In der Nacht auf Freitag kam eine Frau in der südlich gelegenen Küstenstadt Cambrils ums Leben. Dort konnte die Polizei einen weiteren Anschlag offenkundig verhindern. Die Frau wurde von den Verdächtigen auf der Flucht überfahren. Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden Verbrechen von einem Netzwerk aus zwölf Verdächtigen verübt wurden. Fünf Personen wurden in Cambrils von der Polizei erschossen, vier festgenommen. Die Identität von drei weiteren ist geklärt. Nach ihnen werde gefahndet, sagte Polizeichef Josep Lluis Trapero. Zwei seien aber „mit größter Wahrscheinlichkeit tot“.

In den Trümmern des Hauses in Alcanar, wo sich bereits am Mittwoch eine Explosion ereignet hatte, hatte die Polizei nämlich die sterblichen Überreste von mindestens zwei Personen entdeckt. Die Terrorzelle hortete dort 120 Gasflaschen. Die Explosion hatte die ursprünglichen Pläne der Gruppe durchkreuzt, die offenbar ein weit größeres Attentat als jenes auf den Ramblas plante.

Sagrada Familia als Ziel

Die Zeitung „El Espanol“ schreibt unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass die Sagrada Familia das eigentliche erste Ziel der Zelle war. Die Polizei äußerte sich diesbezüglich zunächst nicht. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte die Angriffe für sich reklamiert. 

Die Ermittler suchen nun vor allem den mutmaßlichen Terrorlenker Abouyaaqoub. Trapero konnte allerdings nicht bestätigen, dass er das Fahrzeug tatsächlich gesteuert hat. Seine Mutter appellierte an ihren Sohn, sich zu stellen. Außerdem konzentrieren sich die Ermittler auf einen Imam, bei dem es sich um den Kopf der Zelle handeln soll. Abdelbaki Es Satty predigte bis Juni in der Moschee in Ripoli, rund 100 Kilometer von Barcelona entfernt. Er verbüßte zuvor eine vierjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels und soll auch Kontakte zu den Verantwortlichen der Zuganschläge 2004 in Madrid gehabt haben, meldete die Zeitung „El País“. Ob der Imam noch am Leben ist, blieb allerdings unklar.

Eine Spur des Terrors führt zudem in die Schweiz. Wie die Bundespolizei des Landes mitteilte, sei mindestens einer der Verdächtigen Ende 2016 in Zürich gewesen.

Am Sonntag erklärte jedenfalls der katalanische Innenministers Joaquim Forn, dass die Zelle durch „die Festnahmen und die Tötung von Personen bei verschiedenen Aktionen“ neutralisiert worden sei. König Felipe VI. und seine Frau Letizia legten am Samstag am Anschlagsort in Barcelona Blumen nieder. „Wir haben keine Angst und werden niemals Angst haben“, sagte der spanische Monarch.

Rund 200 Muslime marschierten unter dem Motto „Wir sind Muslime, keine Terroristen“ über die Ramblas.

Wir haben keine Angst und werden niemals Angst haben.

König Felipe VI.
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