Die Unterschiede bleiben groß

Wer eine Pension von bis zu 1115 Euro brutto pro Monat erhält, kann mit einem Plus von 2,6 Prozent rechnen. APA

Wer eine Pension von bis zu 1115 Euro brutto pro Monat erhält, kann mit einem Plus von 2,6 Prozent rechnen. APA

Antrittspension der Beamten im Vorjahr fast drei Mal so hoch wie im ASVG-Bereich.

wien. (VN-ram) Eine rasche Angleichung des Pensionssystems der Beamten an jenes der ASVG-Versicherten lässt auf sich warten. Wie eine Beantwortung einer parlamentarischen Neos-Anfrage durch das Finanzressort aufzeigt, betrug die durchschnittliche Antrittspension der Beamten im Vorjahr 3341,89 Euro. „Das ist fast drei Mal so viel wie bei den ASVG-Versicherten“, kritisiert Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker und verweist auf jüngste Zahlen aus dem Sozialressort: Die durchschnittliche Pensionshöhe (ohne Zulagen und Zuschüsse) bei den Neuzuerkennungen in der gesetzlichen Pensionsversicherung lag demnach bei 1291 Euro.

Rückgang um drei Prozent

Aus der Anfragebeantwortung durch das Finanzministerium lässt sich herauslesen, dass die Höhe der Beamtenpensionen bei den Neuzugängen kontinuierlich gesunken ist. Lagen diese 2010 noch durchschnittlich bei 3601,25 Euro, waren sie im vergangenen Jahr nur mehr bei 3341,89 Euro. Somit reduzierte sich die Antrittspension bei den Staatsdienern um rund drei Prozent jährlich. Im ASVG-Bereich gehen die Antrittspensionen aber aufgrund der Pensionsreformen mit knapp fünf Prozent noch schneller zurück. Die höchsten Landeslehrerpensionen gibt es in Vorarlberg (3293,97 Euro), die niedrigsten im Burgenland (2160,17 Euro). Bei der Post ging man 2016 mit durchschnittlich 2675,45 Euro in Pension, bei den ÖBB mit 2611 Euro.

„Es braucht ein gemeinsames Pensionssystem ohne Sonderrechte“, fordert Loacker. Der Nationalratsabgeordnete drängt auch darauf, dass das Pensionskonto für Beamte „sofort“ eingeführt wird, wie das bei ASVG-Versicherten längst der Fall ist. Nach derzeitiger Rechtslage erfolgt die Umstellung erst 2028, in den Ländern gelten teils längere Übergangsfristen für die Beamten.

Teilzeit hat Auswirkungen

Vorarlbergs Arbeiterkammer-Direktor Rainer Keckeis meint, dass sich die Unterschiede nach wie vor zu einem großen Teil aus dem Erwerbsleben ergeben. Bei den Beamten werde beispielsweise weniger Teilzeit gearbeitet, auch sei der Akademikeranteil höher, womit höhere Erwerbseinkommen verbunden sind. „Eine länger andauernde Teilzeit-Beschäftigung holt einen bei der Pension gnadenlos ein“, sagt Keckeis und verweist auf die Pensionsreform 2003/04. „Die Grundphilosophie der lebenslangen Durchrechnung besteht darin, dass der durchschnittliche Lebensstandard im Alter erhalten bleibt, was ja grundsätzlich positiv ist. Da aber vor allem Frauen oft mehrere Jahre Teilzeit arbeiten, hat das für sie große Auswirkungen.“ Auch Pensionsexperte Bernd Marin führt „sachlich erklärbare“ Gründe wie etwa den höheren Bildungsstand und dadurch bessere Einkommen und höhere Einzahlungen durch die Beamte als Gründe für den Unterschied an. Darüber hinaus gibt es aber laut Marin auch eine „nicht unbedingt so nachvollziehbare“ Ursache: So gewähre der Staat bei Beamtenpensionen nach der alten Ruhestandsregelung nach wie vor einen doppelt so hohen Zuschussbedarf wie im Privatbereich. Obwohl der Experte festhält, dass es auch in anderen Ländern große Unterschiede im Pensionssystem gebe und Österreich noch keine Sonderrolle spiele, betont er: „Die Angleichung muss schneller gehen.“

Von einer raschen Harmonisierung sind wir weit entfernt.

Gerald Loacker
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