Erdogans Schaukelpolitik

Handshake zwischen Erdogan und Putin Anfang Mai.  Foto: AFP

Handshake zwischen Erdogan und Putin Anfang Mai.  Foto: AFP

Türkischer Präsident zwischen Sotschi und Washington.

Wien. (Gstrein) Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist hektisch rund um die Welt unterwegs. Seit seiner Ermächtigung als totalitärer Staatschef hat er Indien, Russland, Kuwait und zuletzt China besucht. Sein Hauptanliegen dabei war die Sicherung bilateraler Handelsabkommen auf der Basis von Warenaustausch oder Zahlung in türkischen Liras. Harte Devisen sind in der Türkei schon längst knapp, akut verschärft durch die Verhaftung der meisten Währungshändler an Istanbuls Börse. Zwischendurch fand Erdogan noch Zeit, als nun nicht mehr überparteiliches Staatsoberhaupt wieder seiner politislamischen Partei AKP beizutreten. Ihre Führung will er am 21. Mai ganz an sich reißen. 

Reise zu Donald Trump

Zuvor wird Erdogan jedoch am Dienstag bei Donald Trump im Weißen Haus vorstellig. Ganz im Geist seiner jüngsten Schaukelpolitik zwischen Ost und West. Zuvor hatte er sich Anfang Mai – zum wiederholten Mal – mit Wladimir Putin in Sotschi getroffen. Jetzt schaukelt er nach Washington mit einer befrachteten Wunschliste. Die reicht von der Einstellung der amerikanischen Waffenhilfe für die syrischen Kurden bis zur Auslieferung von Fethullah Gülen aus dessen US-Exil. Erdogans einstiger Cheftheologe beim Re-Islamisieren der Türkei gilt heute am Bosporus als Staatsfeind Nr. 1.

Der türkische Machthaber bringt zu Trump aber kaum Druckmittel oder lockende Angebote als Gegenleistungen mit. Mit leeren Händen tritt er vor den wenig diplomatischen US-Präsidenten. Die von Ankara aus Moskau erbetenen S-400-Raketen sind noch viel zu sehr ein Luftgeschäft, als dass die Türken einen Verzicht auf sie den Amis verhökern könnten. Als Alternative zur Niederwerfung der IS-Terrormiliz durch die US-kurdische Allianz bietet Erdogan seinen eigenen Einmarsch in Raqqa an. Die USA wollen den Türken aber nicht den ganzen Nordosten Syriens überlassen. Was Gülen betrifft, hat sich Erdogan mit Festnahme des amerikanischen Pfarrers Andrew Burson in Izmir eine Austausch-Geisel genommen. Die dürfte bei den Amerikanern aber zu wenig ins Gewicht fallen.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.