Kommentar

Gerold Riedmann

Hindernis­parcours

Seine Bewegung „En Marche!“ existierte vor 13 Monaten noch gar nicht.

Er will überfällige Reformen am verkorksten Arbeitsmarkt angehen.

Er will für einen politischen Neuanfang mit dem ungeliebten Berlin stehen.

Nicht nur Frankreich über alles stellen, sondern für Europa arbeiten.

Alles keine Gründe, eine Wahl in Frankreich zu gewinnen – und dennoch zieht Emmanuel Macron in den Elyseepalast ein. Er wird als durchaus schwächerer Präsident starten, als es das Wahlergebnis vermuten lässt.

65,8 % stehen nicht hinter ihm, es sind 65,8 %, die eben nicht Marine Le Pen wollten.

Im politischen Paris regiert in den kommenden Tagen nicht Liberté, Égalité, Fraternité – sondern Nervosité. Denn Macron hat angekündigt, das politische Führungspersonal vollständig auszuwechseln. Auch das ist ein riskantes Unterfangen bei der dünnen Personaldecke seiner jungen Wahlkampfbewegung.

Macron muss als selbsternannter Anti-Establishment-Präsident (und früherer Rothschild-Banker) das Unmögliche schaffen: schmerzhafte, aber längst überfällige Reformen am Arbeitsmarkt; das Zusammenwachsen der sozialen Brüche; das Sicherheitsgefühl nicht nur mit Maschinengewehren und omnipräsenten Soldaten wiederherstellen.

Um ein entsprechendes Pouvoir zu haben, braucht Macron die Mehrheit in der Nationalversammlung. Gewählt wird Mitte Juni. Erreicht „En Marche!“ keine Mehrheit, müsste Emmanuel Macron auch Politiker anderer Lager in die Regierung berufen, so wie zuletzt 1997 der konservative Staatspräsident Jaques Chirac den Sozialisten Lionel Jospin als Premierminister ernannte.

Es beginnt eine Präsidentschaft, die in Wahrheit ein Hindernisparcours werden wird.

gerold.riedmann@vn.at,
Twitter: @geroldriedmann, Tel. 05572/501-320

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