Kommentar

Gerold Riedmann

Er wäre gern König Donald

Seit drei Wochen ist Donald J. Trump Präsident der USA – und er hat mehr Porzellan zerschlagen, als einige seiner Vorgänger während einer ganzen Amtszeit. Dass Trump einem Amtsenthebungsverfahren zum Opfer fällt oder zu einem vorzeitigen Rücktritt gezwungen wird, wie das bei Richard Nixon einmalig in der Geschichte der Fall war, ist pures Wunschdenken linker Kreise.

Trump ist US-Präsident. Obwohl man konstatieren muss, dass er nicht realisiert haben könnte, es tatsächlich zu sein (oder zu wissen, was das Amt eigentlich bedeutet).

Zunächst ist es völlig jenseitig, als US-Präsident jene Kaufhauskette öffentlich anzuprangern, die die Schuhkollektion seiner Tochter Ivanka ausgemustert hat. Und als man dachte, es könne nicht tiefer gehen, begann seine Kommunikationsstrategin Kellyanne Conway in TV-Interviews Werbung für Ivanka Trumps Kollektion zu machen. Conway hat die Aufgabe, Trumps fahrige Aktionen der Öffentlichkeit zu verkaufen. Dabei hat sie neue, tiefe Standards gesetzt: So ist sie die Erfinderin der „alternativen Fakten“, mit denen man in der politischen Kommunikation offenbar Lügen zur puren Wahrheit brauen kann.

Doch der Wochenabschluss machte Trump so wütend, dass er seine 140-Zeichen-Botschaften über Twitter nur mehr in Großbuchstaben absetzte, als würde er sie aus einem Fenster des Weißen Hauses brüllen.

Die Abfuhr vor einem kalifornischen Gericht hatte sich aus seinem Blickwinkel ja auch gewaschen: Die Illegalität des präsidentiellen Einreiseverbots, das von einem Bundesrichter ausgehebelt wurde, sahen die Richter als erwiesen an. Die Richter haben dem US-Präsidenten, der die Vereinigten Staaten wie eine Familiendynastie anführen möchte, die bislang empfindlichste Niederlage seiner kurzen Amtszeit zugefügt. Auch wenn irgendwann ein Gericht seinen Einreisestopp gegen Bürger einiger muslimischer Länder billigen mag, der Präsident wurde nachhaltig beschädigt.

Beruhigend ist es zu lernen, dass der Rechtsstaat stärker ist, als es die Position einzelner handelnder Personen sein mag, so exponiert sie auch seien.

Donald Trump ist US-Präsident, nicht König von Amerika. Auch wenn er es gerne wäre.

gerold.riedmann@vn.at, Twitter: @geroldriedmann, Tel. 05572/501-320

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.

Trump benutzte nur mehr Großbuchstaben, als würde er aus einem Fenster des Weißen Hauses brüllen.

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