Kommentar

Arnulf Häfele

Undankbar

Soviel steht fest. Die Gewerkschaft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Wenn ein ehemaliger ÖGB-Präsident bei der Wahl des Staatsoberhauptes in Vorarlberg nur 4 Prozent und in Österreich ganze 11 Prozent erreicht, müssten bei den roten Gewerkschaftern die Alarmglocken schrillen. Das tun sie aber nicht. Die Funktionäre greifen zu einer anderen Taktik. Sie buhlen im Land und im Bund um die Gunst der Freiheitlichen. Ein Alptraum. Rote Gewerkschaftsfunktionäre, die im Kampf um die Rechte der Arbeiter eher links stehen sollten, versuchen ihre persönliche Position mit FPÖ-Hilfe abzustützen. Das kann nicht gut gehen.

Man kann sich kaum mehr erinnern. Die roten Gewerkschafter waren einmal der starke Arm der Sozialdemokratie. Aus dieser Zeit stammt das ungeschriebene Gesetz, dass die SPÖ-Fraktion des Gewerkschaftsbundes bei einer roten Regierungsbeteiligung jeweils den Sozialminister stellen darf. Nicht jedem behagte das. Bruno Kreisky musste im Jahre 1976 den ÖGB-Referenten Gerhard Weißenberg als Minister für soziale Verwaltung akzeptieren. Bei der Vorstellung seiner Regierungsmannschaft tat Kreisky so, als ob er nicht einmal den Namen richtig kenne. Sozialminister werde ein gewisser „Weißenberger oder wie der haßt“. Damit war Weißenberg zwar in der Regierung, aber politisch schon gestorben.

Der vielgescholtene Alfred Gusenbauer hat als SPÖ-Chef im Jahre 2006 durchgeboxt, dass zukünftig weder der ÖGB-Chef noch ein Vorsitzender einer Teilgewerkschaft für den Nationalrat kandidieren darf. Er sah in dieser Reform eine Stärkung des Gewerkschaftsbundes und der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter. Der ÖGB könne dadurch seine Überparteilichkeit stärker wahrnehmen. Es sei „höchste Zeit für unmissverständliche Konsequenzen“. Gusenbauer hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Er wurde von den Gewerkschaftern wegen dieses Tritts in den Hintern kalt abserviert.

Werner Faymann hat als Gusenbauer-Nachfolger eine totale Kehrtwendung gemacht. Er hat den roten Gewerkschaftern das Goderl gekratzt. Der Gusenbauer-Beschluss wurde wieder zurückgenommen. Die Gewerkschafter sitzen wieder im Nationalrat, statt in den Betrieben. Zur höheren Ehre des Gewerkschaftsbundes hat Faymann auch den früheren ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer als Hofburg-Kandidat aus dem Hut gezaubert. Er hatte wohl die Hoffnung, dass die Gewerkschafter für ihren Rudi laufen werden. Aber sie haben sich als ziemlich fußmarod erwiesen.

Das undankbare Volk der roten Gewerkschaftsfunktionäre hat ihrem Förderer Faymann als erstes den Dolch in den Rücken gestoßen. „Werner, bitte lass los“, hat Josef Muchitsch, der Vorsitzende der Bau-Holz-Gewerkschaft und Parteifreund Faymanns, in einem offenen Brief gefordert. Jener Muchitsch, der sich als Nationalratsabgeordneter dafür rechtfertigen musste, dass er eine Sozialbau-Wohnung für 289 Euro monatlich bezogen hatte. Seine Ausreden seien noch billiger als seine Wohnungsmiete, hielt ihm eine Neos-Abgeordnete entgegen. Er hatte das Ansehen der Sozialdemokratie auch nicht gerade gefördert. Aber schuld sind bei den roten Gewerkschaftern immer die anderen.

arnulf.haefele@vorarlbergernachrichten.at
Arnulf Häfele ist Historiker und Jurist.
Er war langjähriges Mitglied des Vorarlberger Landtags.

Die Gewerkschaft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.