Kommentar

Gerold Riedmann

Die Verwalter

Es braucht die Verwalter an manchen Orten, keine Frage. Sie verwalten Häuser, Vermögen, auch Insolvenzen. Allesamt haben sie gemein: Sie verwalten das ihnen Anvertraute, sie haben es nicht aufgebaut, respektive verursacht.

 

Menschen, die den Kurs ändern, wenn altbekannte Mittel nicht mehr greifen, sind definitiv keine Verwalter. In der Politik sind das Persönlichkeiten, die in unsicheren Zeiten Entscheidungen treffen, die sich nicht bis zum nächsten Urnengang auszahlen. Die braucht es an markanten Wendepunkten der Zeitgeschichte dringend. Jetzt also. Ein Zeitenwechsel ist mit Verwaltern nicht machbar.

 

So gibt es große Politiker – und solche, die im tagespolitischen Streit ersticken. Wir haben im Österreich der vergangenen Jahre mehr leidliche Erfahrungen mit der letztgenannten Kaste gemacht.

 

Seit Bundeskanzler Werner Faymann am 1. Mai Pfiffe, Buhrufe und Rücktrittsforderungen entgegengeschallt sind, ist die Krise weder als „hergeschrieben“ abzutun noch wegzudiskutieren. Besonders dankbar für die Misere in der Österreichischen Sozialdemokratie, über die genug gesagt wurde, ist derzeit vor allem die ÖVP. Die Konzentration auf Werner Faymann lässt den Konservativen eine Verschnaufpause – zusätzlich scheint im Lager der Volkspartei der Befund, wer der strahlende Nachfolger für den Neuaufbau ist, einfacher als bei der SPÖ zu sein: Mit Sebastian Kurz hat man einen unbefleckten, aufsteigenden Star im Politbetrieb. Bei der SPÖ träumt man zunächst noch von Superstar-Kandidaten wie Christian Kern oder Gerhard Zeiler, um sich schlussendlich wieder mit Faymann selbst oder seinen Vertrauten zufrieden zu geben.

 

Lachender Dritter dieser Selbstzerfleischung, das wurde an dieser Stelle schon oft geschrieben, ist das dritte Lager – die FPÖ. Eines ist in diesem Zusammenhang wichtig: Es ist nicht ein Rechtsruck, der aktuell durch Österreich geht. Die Mehrheit der Bürger dieses Landes wollen nur mit allen Mitteln das Trauerspiel von Schwarz-Rot beenden. Und allzu viele Alternativen gibt es halt nicht. Die Menschen haben weniger in der Tasche. Wir alle haben begriffen, dass es nachfolgende Generationen gegebenenfalls nicht mehr so gut haben werden wie wir. Das ist das erste Mal seit 1945, dass wir uns das eingestehen müssen.

 

Zugegebenermaßen hat das heute in den VN veröffentlichte Interview mit dem Industriellen Wolfgang Eder, das wir diese Woche in Linz geführt haben, Spuren hinterlassen. Der Langzeit-Vorsitzende der voestalpine lässt klar durchblicken, wie sehr seiner Meinung nach die Bürger von der Politik unterschätzt werden, wie sehr eben verwaltet wird. Dass das vorherrschende System zu Ende geht.

Dabei haben Wirtschaftskapitäne leichter reden: Ein Unternehmen kann seinen Standort verändern. Österreich kann das nicht.

gerold.riedmann@vorarlbergernachrichten.at, Twitter: @geroldriedmann, Tel. 05572/501-320

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.

Ein Unternehmen kann seinen Standort verändern. Österreich kann das nicht.

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