vor 100 Jahren. Zeitungen vom 5. Juli 1914

„Die Sache wird immer hübscher!“

von Johannes Huber
„Vorarlberger Volksblatt“ vom 
5. Juli 1914. Foto: ÖNB/ANNO
„Vorarlberger Volksblatt“ vom 5. Juli 1914. Foto: ÖNB/ANNO

Arbeiter in Bregenz geloben dem Kaiser Treue: Setzen auf Befehl „Gut und Blut“ ein.

Wien. (VN-joh) Genau eine Woche nach dem Attentat von Sarajevo sind die Trauerfeiern für das Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und Sophie in vollem Gang. Die Beisetzung findet in Artstetten (NÖ) statt. Das „Vorarlberger Volksblatt“ bedauert, dass „zur Absage des deutschen Kaisers auch noch die des Prinzen Heinrich kommt“. Allerdings: „Eine politische Verstimmung zwischen Wien und Berlin ist wohl ausgeschlossen.“

Immer skurriler werden die Verschwörungstheorien: Demnach gibt es einen Masterplan vom Attentat bis zum Krieg gegen Österreich-Ungarn. Unter dem Titel „Merkwürdige ,Zufälle‘“ schreibt das Volksblatt: „Eine medizinische Kapazität in München wurde vor einigen Tagen in einem Hotel von einem Fremden, der unter gräflichem Namen abgestiegen war, konsultiert. Der Arzt riet dem Patienten wiederholt dringend, in Gastein eine Kur zu gebrauchen. Nach mehrfacher Ablehnung äußerte der Fremde schließlich: „Das kann ich nicht. Ich bin der König von Montenegro. Es gibt Krieg! Ich kann nicht nach Österreich gehen.“ Zugetragen habe sich das wohlgemerkt vor dem Attentat. Soll heißen: „Die Nachricht lässt sich nicht anders auffassen, als dass selbst König Nikolaus von Montenegro vom Anschlag gewusst hat.“ Nachsatz: „Die Sache wird immer hübscher!“, so das Volksblatt.

In einem Bericht über „die Monatsversammlung des katholischen Arbeitervereins“ in Bregenz-Vorkloster werden die Teilnehmer bereits auf das Äußerste eingeschworen: Die Anwesenden hätten gelobt, „dem ergrauten Jubelkaiser und dem Hause Habsburg im Frieden stets ergeben und treu zu sein und auf Allerhöchsten Befehl auch zu ernster Stunde Gut und Blut einzusetzen und an die Grenze zu ziehen.“

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