„Der gute Papst“ ohne Wunder

Johannes Paul II. (l.) heilte nach der Seligsprechung eine todkranke Frau. Johannes XXIII. (r.) wird kein zweites Wunder nachgesagt. Foto: RTS
Johannes Paul II. (l.) heilte nach der Seligsprechung eine todkranke Frau. Johannes XXIII. (r.) wird kein zweites Wunder nachgesagt. Foto: RTS

Am Sonntag wird Johannes XXIII. heiliggesprochen. In der Kirche galt er als Revolutionär.

Rom. Am 11. Oktober 1962, dem ersten Abend des Zweiten Vatikanischen Konzils, trat Johannes XXIII. vor Tausende Gläubige. Dass ein Papst vor einer großen Menge auf dem Petersplatz spricht, war damals noch revolutionär. Niemals hatte er vorformulierte geschliffene Ansprachen verlesen, sondern wie der Hirte zu seinen Schafen gesprochen. Unter seinen Anhängern war Johannes XXIII. als „der gute Papst“ bekannt. Am kommenden Sonntag wird er gemeinsam mit Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Der gegenwärtige Pontifex Franziskus wird heute oft mit ihm verglichen.

Erforderliches Wunder fehlt

Das erforderliche zweite Wunder, das für die Heiligsprechung notwendig ist, hat Johannes XXIII. jedoch nicht vollbracht. Die Verehrung des Papstes sei weltweit bereits so weit verbreitet, dass es eine Ausnahme geben könne, erklärt etwa die italienische Tageszeitung Avvenire den möglichen Hintergrund für die Heiligsprechung. Auch hätten die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils sofort nach dem Tod des Papstes gefordert, Johannes heiligzusprechen. Franziskus habe daher von seinem „Dispensrecht“ Gebrauch gemacht.

Ein Wunder, das für die Seligsprechung anerkannt wurde, vollbrachte Johannes XXIII. aber: Laut Kathpress handelt es sich dabei um eine medizinisch nicht erklärbare Heilung einer italienischen Ordensschwester von einem Magendurchbruch.

Konzilspapst und Reformierer

Bürgerlich hieß der Papst Angelo Giuseppe Roncalli. Er wurde 1881 in Norditalien geboren und 1958 zum Papst gewählt. Keine drei Monate später kündigte Johannes das Zweite Vatikanische Konzil an: die erste derartige Versammlung hoher katholischer Würdenträger seit über einem Jahrhundert. Das Ende des Konzils erlebte er aber nicht. Am 3. Juni 1963 starb er an Magenkrebs. Johannes XXIII. gilt dennoch als Architekt jener Prozesse, die die Kirche neu definieren sollten. Auf dem Konzil wurde etwa beschlossen, Messen nicht mehr nur in Latein abzuhalten und Laien stärker ins Gemeindeleben einzubinden.

„Er war ein Mann, der Frieden ausstrahlen konnte“, sagte auch Papst Franziskus im vergangenen Juni, als der 50. Todestag von Johannes XXIII. begangen wurde.

Er war ein Mann, der Frieden ausstrahlen konnte.

Papst Franziskus
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