Franziskus spricht zwei Päpste heilig

Volksfeststimmung in Rom: T-Shirt mit den – ab Sonntag – heiligen Päpsten Johannes Paul II. (l.) und Johannes XXIII. FotoS: Reuters
Volksfeststimmung in Rom: T-Shirt mit den – ab Sonntag – heiligen Päpsten Johannes Paul II. (l.) und Johannes XXIII. FotoS: Reuters

Zu Ehren von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. werden Hunderttausende erwartet.

Rom. Franziskus erhebt am Sonntag zwei Päpste, die sehr unterschiedlich waren, in den Heiligenstand, und zwar gleichzeitig. Der Pole Johannes Paul II. ist noch in den Herzen von Millionen Gläubigen präsent, der Italiener Johannes XXIII. wird als „Konzilspapst“ verehrt.

Johannes Paul II. war der Papst aus dem Osten, jenseits des „Eisernen Vorhangs“. Schon allein das machte die Wahl des Krakauer Erzbischofs Karol Wojtyla zum Oberhaupt der katholischen Kirche 1978 zur Sensation. Der erste Nicht-Italiener auf dem Petersthron seit mehr als 450 Jahren war ganz anders – geprägt von der Erfahrung mit zwei Diktaturen, der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg und dem Stalinismus, in dem für Kirche und Religion kein Platz sein sollte.

„Santo subito“ (Heiligsprechung sofort), hatten Gläubige nach seinem Tod 2005 verlangt. Nach einem bemerkenswert raschen Verfahren wird er nun ein Heiliger.

Auch Benedikt XVI. eingeladen

Rom steht damit am „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ direkt nach Ostern vor der Heiligsprechung mit der größten Resonanz in der Geschichte der katholischen Kirche. Werden es „nur“ Hunderttausende sein oder aber Millionen, die auf dem Petersplatz oder vor einem der Großbildschirme in der Ewigen Stadt die feierlich von Jorge Mario Bergoglio vollzogene Zeremonie verfolgen?

Immerhin wird der Pole Karol Wojtyla nicht allein in diesen Stand gehoben. Franziskus hat entschieden, gleichzeitig auch Johannes XXIII. heiligzusprechen, der wegen seiner Demut und Volksnähe gern „der gute Papst“ genannt wird. Sie waren sehr unterschiedlich, aber bei beiden hat die katholische Kirche gute Gründe, sie zu Heiligen zu erheben.

Vielleicht gesellt sich auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. dazu; eingeladen ist er. Dann könnten zwei Päpste zwei ihrer Vorgänger feiern.

Johannes Paul II. trug seinen Teil dazu bei, dass der kommunistische Osten in sich zusammenfiel. Er besuchte als „eiliger Vater“ auf Reisen die Gläubigen in aller Welt und nahm die Gebrechlichkeit des Menschen in einem langen Leiden auf sich. Johannes XXIII. brachte seiner Kirche vor fünf Jahrzehnten unerwartet viel frische Luft, verordnete ihr mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–65) und seinen Reformen einen großen Schritt in die Jetztzeit. Daran könnte Franziskus anknüpfen.

Mit 26 Jahren und fünf Monaten war das Pontifikat des „Medienpapstes“ Wojtyla eines der längsten in der Kirchengeschichte. Seine Offenheit und die Reiselust (er besuchte 127 Länder), das Attentat von 1981 auf ihn und die tiefe Marienverehrung prägten sein Image.

Während die weltweite Verehrung des charismatischen Polen riesig war, galt der Norditaliener Angelo Giuseppe Roncalli zunächst nur als Übergangspapst. Der Mann aus der Provinz Bergamo ging dann allerdings als der Pontifex in die Geschichte ein, der die Kirche mit dem Konzil aus der Starre holte, die Einheit der Christen und das Zusammengehen mit anderen Religionen förderte.

Dass Franziskus ihn so überraschend ohne das sonst notwendige zweite Wunder zum „vorbildlichen Christen“ erhebt, ist auch eine Ehrenbezeugung für den geschätzten Vorgänger. Bei Wojtyla gab es dieses Wunder – die Heilung einer Frau Floribeth aus Costa Rica, die ihn in Gebeten um Hilfe angerufen hatte.

Versöhnung beabsichtigt?

Doch der heilige Johannes Paul II. ist nicht unumstritten. Er hatte sich für einen streng konservativen Kurs den Deutschen Joseph Ratzinger als Präfekten der Glaubenskongregation nach Rom geholt. Franziskus wolle mit den Heiligsprechungen zwei sehr unterschiedliche Flügel der Kirche miteinander versöhnen, meint die Laienorganisation „Wir sind Kirche“. Denn der Pole sei verantwortlich für einen „Rückfall in zentralistische und autoritative Strukturen“.

Franziskus will mit Johannes XXIII. wohl ein Zeichen setzen.
Franziskus will mit Johannes XXIII. wohl ein Zeichen setzen.

Stichwort

Heiligsprechung

Selige und Heilige werden in der katholischen Kirche als Vorbilder christlichen Lebens verehrt. Die Seligsprechung erlaubt die offizielle Verehrung eines Verstorbenen in einer bestimmten Region, die Heiligsprechung dehnt diese Verehrung auf die gesamte Weltkirche aus. Die letzte Entscheidung liegt beim Papst. Wunder spielen im Verfahren dazu eine zentrale Rolle.

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