„Die Revolution fängt erst an“

Auf den Aufstand folgt die Trauer: Allein in der Vorwoche wurden mehr als 70 Todesopfer gezählt. Viele Demonstranten wurden von Scharfschützen regelrecht hingerichtet. Foto: Reuters
Auf den Aufstand folgt die Trauer: Allein in der Vorwoche wurden mehr als 70 Todesopfer gezählt. Viele Demonstranten wurden von Scharfschützen regelrecht hingerichtet. Foto: Reuters

Lage in der Ukraine bleibt instabil: Janukowitsch wegen „Massenmords“ gesucht.

Kiew. Noch immer stehen die Barrikaden rund um den Maidan, den Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Tausende sind bei Sonnenschein im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt unterwegs. Einerseits herrscht Erleichterung, dass die oft als autokratisch empfundene Herrschaft des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch beendet ist. Andererseits ist die Trauer über die mehr als 70 Opfer der blutigen Straßenkämpfe noch immer groß.

Kompromissloses Vorgehen

Nach der Flucht Janukowitschs und der Rückkehr der Volksikone Julia Timoschenko aus der Haft hat die Revolution ihre wichtigsten Ziele erreicht. Aber viele stört das kompromisslose Vorgehen der bisherigen Opposition: Nach Janukowitsch lassen die neuen Machthaber wegen „Massenmordes“ fahnden. Übergangspräsident Alexander Turtschinow peitscht im Eiltempo neue Gesetze durch die Oberste Rada. Unmut löst auch aus, dass das Parlament ein umstrittenes Gesetz abschafft, das Russisch in vielen Regionen zur zweiten Amtssprache macht. Der russischsprachige Osten und Süden fürchtet nun eine Unterdrückung durch die antirussisch gestimmten Sieger des Machtkampfs. Denn eine wichtige Rolle sollen künftig auch die Vertreter des Protestlagers auf dem Maidan spielen. Vor allem die radikale Gruppe Rechter Sektor, die an den Barrikadenkämpfen an vorderster Front beteiligt war, weiß um ihren Einfluss und droht: „Die Revolution fängt erst an.“

Eine Einbindung dieser Kräfte könnte allerdings nicht nur den Osten und Süden vor den Kopf stoßen: „Falls sich Leute, die in schwarzen Masken und mit Kalaschnikow-Sturmgewehren durch Kiew schlendern, als Regierung bezeichnen, so wird die Arbeit mit einem solchen Kabinett sehr schwierig sein“, sagte etwa der russische Regierungschef Dmitri Medwedew.

Kurz will Finanzhilfe für Kiew

Außenminister Sebastian Kurz warnte gestern davor, die Lage in der Ukraine zu unterschätzen. Das Land steht kurz vor dem Bankrott und benötigt 25,5 Milliarden Euro an Finanzhilfen. Die Übergangsregierung appellierte bereits an die EU, die USA und den Internationalen Währungsfonds, der Ukraine Kredite zu gewähren. Für Kurz wäre es ein richtiges Signal, ein solches Wirtschaftspaket für die Ukraine auf die Beine stelle.

Ausgebrannte Gewerkschaftszentrale auf dem zentralen Maidan von Kiew: Blumen für die Opfer des Aufstandes. Foto: Reuters
Ausgebrannte Gewerkschaftszentrale auf dem zentralen Maidan von Kiew: Blumen für die Opfer des Aufstandes. Foto: Reuters
Julia Timoschenko mit Vertretern der USA und der EU (r.). Foto: RTS
Julia Timoschenko mit Vertretern der USA und der EU (r.). Foto: RTS
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