Stiller Protest gegen türkische Regierung

Schweigend stehen Demonstanten auf dem Istanbuler Taksim-Platz: Selbst auf solche Aktionen reagiert die Polizei nervös. In der Nacht auf gestern kam es deswegen sogar zu Verhaftungen. Foto: Reuters
Schweigend stehen Demonstanten auf dem Istanbuler Taksim-Platz: Selbst auf solche Aktionen reagiert die Polizei nervös. In der Nacht auf gestern kam es deswegen sogar zu Verhaftungen. Foto: Reuters

Neue Form des Widerstands: Ein Mann fand viele Nachahmer.

Ankara. Die türkische Regierung setzt trotz einer leichten Entspannung bei der Protestwelle im Land weiter auf Repression. Nach den nun fast drei Wochen dauernden Demonstrationen nahmen Anti-Terror-Einheiten gestern zahlreiche Menschen fest, wie türkische Medien berichteten. Die Opposition setzt nun auch auf stillen Protest, bei dem Demonstranten an Brennpunkten stundenlang bewegungslos verharren. Die Aktion eines einzelnen Mannes in der Nacht fand sofort viele Nachahmer.

Verhaftungswelle gestartet

Die Berichte über den Protest des stehenden Mannes (türkisch: duran adam), der stundenlang auf dem Taksim-Platz stand und in Richtung eines Porträts des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk starrte, hatten sich über den Kurznachrichtendienst Twitter (Hashtag #duranadam) verbreitet.

Gestern am frühen Morgen begannen Anti-Terror-Einheiten damit, Wohnungen in Istanbul, Ankara und der nordwestlichen Provinz Kocaeli zu durchsuchen. Den – allein gestern offenbar mehr als 140 – Festgenommenen wird vorgeworfen, in die Proteste gegen die Regierung verwickelt und für Gewalt gegen Polizisten verantwortlich zu sein, hieß es in Medienberichten. Regierung und Behörden hatten in den vergangenen Tagen erklärt, es sei bekannt, wer die Demonstrationen mitorganisiert und unterstützt habe. Sie müssten mit Strafen rechnen.

Erdogan ruft „Sieg“ aus

Nach der gewaltsamen Auflösung der regierungskritischen Proteste hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unterdessen den „Sieg“ über die Demonstranten ausgerufen. „Unsere Demokratie hat erneut auf dem Prüfstand gestanden und sie hat gesiegt“, sagte er gestern Nachmittag vor Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP in Ankara.

Österreich protestiert

Die österreichische Regierungsspitze forderte gestern klare Worte der EU zur Lage in der Türkei. Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) zeigte sich „besorgt“, dass die Armee offenbar gegen die Bevölkerung eingesetzt werden könnte: „Die Armee einzusetzen gegen Demons­trationen ist aus meiner Sicht ein Schritt, den man so nicht akzeptieren kann. Das ist ja wie in einem Bürgerkrieg.“

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.