Steigender Antisemitismus in Ungarn

Kongressteilnehmer vor Synagoge in Budapest. Foto: DAPD
Kongressteilnehmer vor Synagoge in Budapest. Foto: DAPD

Jüdischer Weltkongress setzt Zeichen gegen Entwicklungen: Rechte demonstrieren.

Budapest. Um ein Zeichen gegen den in Ungarn zunehmenden Antisemitismus zu setzen, sind mehr als 600 Delegierte des Jüdischen Weltkongresses (WJC) am Wochenende zu ihrem dreitägigen Plenum in Budapest zusammengekommen. Noch vor Beginn der Tagung hatten am Samstag mehrere Hundert Anhänger der rechtsextremen Partei Jobbik („Die Besseren“) im Zentrum von Budapest gegen das WJC-Plenum in der ungarischen Hauptstadt demonstriert.

„Mit unserer Veranstaltung wollen wir den rund 100.000 jüdischen Ungarn den Rücken stärken, ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind“, erklärte der stellvertretende WJC-Generalsekretär Maram Stern der Nachrichtenagentur dpa. Der Jüdische Weltkongress ist der Dachverband der jüdischen Gemeinden und Organisationen außerhalb Israels.

Seit dem Amtsantritt des ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orbán 2010 nimmt die Zahl judenfeindlicher Vorfälle in Ungarn deutlich zu. Nach Untersuchungen des Soziologen Andras Kovacs sind 34 Prozent der Ungarn der Ansicht, das politische und wirtschaftliche Geschehen werde von einem „geheimen jüdischen Zusammenwirken“ bestimmt.

Auch bei der Jobbik-Kundgebung am Samstag dominierten antisemitische Parolen. Parteichef Gabor Vona wetterte gegen die Abhaltung des WJC-Plenums in Budapest: „Wir Ungarn sind keine Antisemiten, wir sind nur etwas Besonderes, weil wir die einzigen in Europa sind, die Israel nicht die Füße lecken.“ Der Jobbik-Abgeordnete Marton Gyöngyösi behauptete, dass in Ungarn „bereits Kindergartenkinder im Geiste des Zionismus erzogen“ würden. Und: „Der Genozid, den Israel an der palästinensischen Urbevölkerung begeht, ist schlimmer als das, was sich die Nationalsozialisten in ihren kühnsten Träumen ausgemalt haben.“ Gyöngyösi hatte 2012 im Parlament verlangt, dass die Juden in Ungarn auf Listen erfasst werden sollen. Orbán hatte sich damals von den Äußerungen Gyöngyösis distanziert.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.