Angst vor Präsident Romney

von Peter W. Schroeder
Der US-Präsident ist nur der erste unter gleichen Bürgern: Barack Obama (2. v. l.) gab in diesem Sinne in einem Wahllokal in Chicago vorab seine Stimme ab. Der reguläre Wahltag ist erst am 6. November. Foto: Reuters
Der US-Präsident ist nur der erste unter gleichen Bürgern: Barack Obama (2. v. l.) gab in diesem Sinne in einem Wahllokal in Chicago vorab seine Stimme ab. Der reguläre Wahltag ist erst am 6. November. Foto: Reuters

US-Wahl: Europa befürchtet Weltwirtschaftskrise im Falle eines Machtwechsels.

Washington. In wenigen Tagen wird feststehen, wer die nächsten vier Jahre US-Präsident sein wird. Die Regierungen in Europa holen deshalb Geheimgutachten aus den Schubladen. In denen wird orakelt: „Was würde ein Präsident Mitt Romney für uns bedeuten?“ Trotz aller Geheimniskrämerei kann ein nahezu einhelliges Urteil vermutet werden: „Nicht allzu viel Gutes.“

Die europäischen Regierungen haben dem konservativen Kandidaten dabei nicht einmal seine permanente Europa-Schelte übel genommen. Und auch nicht seine Wahlkampfwarnungen vor dem „euro-sozialistischen Irrweg“ Barack Obamas, der die USA ins Elend stürzen werde. In den europäischen Hauptstädten wurde auch eher amüsiert registriert, wie Romney bei seiner Europa-Reise wie ein Elefant durch den politischen Porzellanladen des „alten Kontinents“ taperte und dabei einiges an Geschirr zerschlug. Die „Hoffentlich nicht Romney“-Einschätzung stützt sich ausschließlich auf die im Wahlkampf verkündeten politischen Pläne des Kandidaten, die er dazu auch noch häufig im Tagesrhythmus wechselte. Ein EU-Botschafter in Washington beklagte sich: „Romney weiß wohl selbst nicht so genau, was er will.“

EU-Regierungen befürchten, dass ein Präsident Romney eine isolationistische Außen- und Wirtschaftspolitik betreiben, in der Sicherheitspolitik einen Konfrontationskurs steuern und wirtschaftspolitisch eine „Gesundschrumpfung“ durchsetzen wolle, die letztlich zu einer Weltwirtschaftskrise führen könnte.

Die Belege für die Befürchtungen lieferte Romney während des Wahlkampfs frei Haus: Für ihn ist Russland, Jahrzehnte nach dem Ende es Kalten Krieges, weiterhin der „geopolitische Widersacher Nummer eins“. Zur Verhinderung des iranischen Nuklearprogramms hat er deutlich weniger Skrupel als Obama, die Atombastelstuben zu bombardieren oder von den Israelis bombardieren zu lassen.

Die größten Sorgen bereiten den Europäern die wirtschaftspolitischen Pläne des republikanischen Kandidaten. Die EU-Regierungen stimmen nahezu einhellig dem harschen Urteil der amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und Joseph Stiglitz zu, dass Romneys Sparpläne zu einer „weltweiten Depression“ mit Massenarbeitslosigkeit, Not und Elend führen würden.

Romney hat laut Umfragen gute Chancen, zu gewinnen. Foto: RTS
Romney hat laut Umfragen gute Chancen, zu gewinnen. Foto: RTS

Bei Obama liegen die Nerven blank

Schlechte Nachrichten für Barack Obama: Die Zustimmung der weißen Bevölkerungsmehrheit für den ersten schwarzen US-Präsidenten ist dramatisch gesunken. Einer Umfrage zufolge liegt Obama derzeit bei weißen Wählern um 21 Prozentpunkte hinter seinem Herausforderer Mitt Romney. 79 Prozent der Amerikaner sind Weiße.

Das extrem knappe Rennen lässt offenbar bei Obama die Nerven blank liegen: Er bedachte seinen Gegner mit einem Schimpfwort. Zumindest indirekt bezeichnete er Romney in einem Interview als „Dummschwätzer“ („bullshitter“).

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.