VN-Interview. BZÖ-Bundesobmann Josef Bucher (47)

„Stronach bot 500.000 Euro“

von Johannes Huber
BZÖ-Chef Bucher lässt offen, ob die Partei bei den Landtagswahlen in Vorarlberg antritt. Zunächst sei eine Nationalratswahl zu schlagen. Foto: APA
BZÖ-Chef Bucher lässt offen, ob die Partei bei den Landtagswahlen in Vorarlberg antritt. Zunächst sei eine Nationalratswahl zu schlagen. Foto: APA

Parteichef Bucher verliert Abgeordnete an Austro-Kanadier und will diesen nun klagen.

Wien. Das BZÖ hat ein Pro­blem: Frank Stronach wirbt einen Abgeordneten nach dem anderen ab. Parteichef Josef Bucher befürchtet, dass nächste Woche ein weiterer folgen wird – und startet eine Gegenoffensive: Stronach soll wegen versuchter Bestechung angezeigt werden.

Sie und die BZÖ-Abgeordneten Huber und Spadiut werfen Stronach und dessen Mitstreiter Robert Lugar vor, Sie kaufen zu wollen. Gibt es Beweise?

Bucher: Ja, es gibt eidesstattliche Erklärungen von uns: In meinem Fall wollte Stronach 500.000 Euro überweisen lassen. Im Fall von Wolfgang Spadiut ist vom Herrn Lugar versucht worden, ihn mit Geld ins Stronach-Lager zu locken; konkret mit 15.000 Euro monatlich, falls der Einzug in den Nationalrat nicht gelingt. Huber wurde eine Million für eine persönliche Kampagne geboten.

Stronach hat bereits erklärt, dass er nicht Sie, sondern die Partei unterstützen wollte.

Bucher: Er hat mich am 14. Februar zu einem Gespräch eingeladen und mir dabei gesagt, dass ich der kommende Politiker in Österreich bin und er mich unterstützen möchte. Seiner Mitarbeiterin hat er gesagt, sie solle 500.000 Euro überweisen. Worauf ich erklärt habe, dass ich kein Geld brauche.

Christoph Hagen, der auch vom BZÖ zu Stronach wechselte, weist den Vorwurf, Geld genommen zu haben, zurück.

Bucher: Ich muss das anzweifeln, nachdem mir ja Aussagen von anderen Mandataren vorliegen, die diese Angebote abgelehnt haben.

Versuchen Sie Stronach anzupatzen? Glauben Sie, mit einer Klage durchzukommen?

Bucher: Das entscheidet die Justiz, nicht ich. Mir geht es darum, die Öffentlichkeit zu warnen: Wenn ein Mann, der glaubt, er kann sich ein System kaufen, an die Macht kommt, dann ist die Demokratie ernsthaft gefährdet.

Warum ist es Stronach bisher vor allem gelungen, ehemalige BZÖ-Abgeordnete zu holen?

Bucher: In jeder Partei gibt es Unzufriedene, die glauben, keine Zukunft mehr zu haben. Ja, dem Herrn Hagen habe ich tatsächlich einmal gesagt, dass er sich anstrengen muss, weil er in Vorarlberg keine politische Arbeit macht.

Stronach will nächste Woche einen fünften Ex-BZÖ-Abgeordneten präsentieren.

Bucher: Wenn jetzt noch einer dem Ruf des Milliardärs folgt, dann muss er das auf seine eigene Kappe nehmen. Wir bleiben ehrlich und unbestechlich.

Hagen hatte auch bis zuletzt ausgeschlossen, zu Stronach zu wechseln.

Bucher: Ich kann mich nur wiederholen: Die, die bleiben, sind die Ehrlichen und Unbestechlichen.

Sie können nicht ausschließen, dass der eine oder andere noch wechselt?

Bucher: Dass der eine wechselt, kann ich nicht ausschließen.

Wer?

Bucher: Das weiß ich nicht. Aber dass es einen weiteren Wechsel geben wird, steht ja schon lange im Drehbuch der Stronach-Seite.

Wird der BZÖ-Abgeordnete Stefan Markowitz wechseln?

Bucher: Das müssen Sie ihn fragen. Ich kann das nicht beantworten.

Wie soll es nach dem Hagen-Abgang in Vorarlberg mit dem BZÖ weitergehen?

Bucher: Wir haben einen Interimsobmann mit Manfred Dorn. Er wird die Partei neu aufbauen. Von Hagen ist ja sehr viel vernichtet worden.

Wird das BZÖ bei der Landtagswahl 2014 antreten?

Bucher: Das kann ich heute noch nicht entscheiden. Wir haben jetzt einmal große Herausforderungen in Kärnten (Landtagswahl 2013), werden dann die Nationalratswahlen schlagen und die weiteren Entscheidungen treffen.

Soll Dorn auf einem vorderen Platz der Bundesliste in die Nationalratswahl ziehen?

Bucher: Das würde ich auf alle Fälle unterstützen: Ich habe ihn immer nur positiv vernommen.

Die wichtigere Frage ist allerdings, welche Perspektive das BZÖ hat: Stronach und die FPÖ vertreten ähnliche Positionen.

Bucher: Ich gehe davon aus, dass der Herr Stronach bis zur Nationalratswahl die Lust an der Politik verloren hat und in seine Heimat Kanada zurückgekehrt ist. Dann bleibt das BZÖ als einzige politische Kraft, die seit Jahren vor den Auswirkungen der Euro-Krise warnt, eine steuerliche Entlastung mittlerer und kleiner Einkommensbezieher fordert und gegen den Kammerzwang auftritt; das tut die FPÖ ja nicht mehr.

Wie viel Prozent geben Sie dem BZÖ bei der Nationalratswahl?

Bucher: Wir wollen im Nationalrat bleiben. Das wird uns auch gelingen.

Von Hagen ist in Vorarlberg ja sehr viel vernichtet worden.

Josef Bucher

Team Stronach kontert mit Gegenklage

(VN-joh) Der Partei­gründer Frank Stronach ist zurzeit in Übersee. Seine Vertreter in Österreich reagieren jedoch auf die BZÖ-Vorwürfe: „Wir lassen uns das nicht bieten“, erklärte der designierte Klubobmann der geplanten Nationalratsfraktion, Robert Lugar, gestern den VN: Sobald die eidesstattlichen Erklärungen mit den Anschuldigungen der BZÖ-Vertreter vorlägen, „werden wir dagegen klagen. Und zwar gegen Rufschädigung und weiß Gott noch allem.“

Das Team Stronach habe nie einem Abgeordneten Geld geboten. Auch dem Vorarlberger Christoph Hagen nicht, der zuletzt wechselte: „Er ist aus freien Stücken zu uns gekommen.“

BZÖ-Chef Josef Bucher und seine Mitstreiter werfen auch Lugar selbst vor, versucht zu haben, Mandatare mit Geld zu einem Wechsel zu motivieren: „Das ist falsch“, so Lugar im VN-Gespräch.

Dem BZÖ-Abgeordneten Gerhard Huber habe man keine Million Euro in Aussicht gestellt. Im Gegenteil: Huber habe gefragt, ob man bereit sei, seine Liste in Tirol zu unterstützen. Das habe man abgelehnt.

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