Das Rätsel um den 33-Tage-Papst

Der 33-Tage-Papst Johannes Paul I. (l.) mit seinem Nachfolger, dem späteren Kirchenoberhaupt Johannes Paul II. Foto: Reuters
Der 33-Tage-Papst Johannes Paul I. (l.) mit seinem Nachfolger, dem späteren Kirchenoberhaupt Johannes Paul II. Foto: Reuters

Tod von Johannes Paul I. bleibt mysteriös. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden.

Rom. Vor 100 Jahren kam Albino Luciani in ärmlichen Verhältnissen in Norditalien zur Welt. Dass er 1978 zum Papst gewählt wurde, galt als Überraschung. Doch er starb nach nur 33 Tagen im Amt. Offiziell an Herzversagen, doch bis heute kursiert der Verdacht, dass es Mord war.

Der Papst, der lächelte

Jahrhundertelang war der Vatikan eine machtvolle Institution. Päpste standen für Prunk und Pracht. Schon das II. Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren begann, brach diese verkrusteten Strukturen auf. Der freundliche Albino Luciani mit der schlichten Brille schien für genau diese erneuerte Kirche zu stehen: Bescheidenheit statt Pomp. Güte statt Strenge. Transparenz statt Machtfülle. Albino Luciani war der Papst, der lächelte.

Wohin hätte sich die katholische Kirche entwickelt, wenn er nicht schon wenige Wochen nach der Wahl gestorben wäre? Luciani hat den Willen zu mutigen Veränderungen angedeutet. Ehrlichkeit und eine gute Tasse Kaffee – diese beiden Dinge seien im Vatikan am schwersten zu bekommen, soll er einem Vertrauten gesagt haben. Er hatte nichts mit Machtkämpfen im Kurien-Apparat am Hut. In der Ansprache beim Angelusgebet kurz nach der Wahl sagte er, dass er versuchen wolle, der Kirche zu dienen. „Ich hoffe, Sie helfen mir mit Ihrem Gebet.“ Mit solch bescheidenen Worten eroberte er die Herzen der Menschen. Der Tod kam dann am 28. September 1978 in der Nacht. Eine Nonne soll ihn gefunden haben, Papiere lagen noch ausgebreitet vor ihm. Offiziell heißt es: Herzinfarkt. Die Last des Amtes.

Verschwörungstheorien

Vielfach hieß es aber auch, dass der Papst umgebracht worden sei, weil er die Kurie reformieren wollte, weil er aufräumen wollte mit den dunklen Geschäften der Vatikanbank. Auch von umfassenden Reformplänen war die Rede. Beweise für ein Verbrechen fehlen bis heute.

Menschen, die an einen Mord glauben, weisen aber darauf hin, dass es keine Obduktion gegeben hatte und einige Gegenstände aus dem Umfeld des Papstes verschwunden waren. Nach seinem Tod wählten die Kardinäle erstmals seit Jahrhunderten einen Nicht-Italiener zum Kirchenoberhaupt: Karol Wojtyla aus Polen blieb deutlich länger auf dem Stuhl Petri – mehr als 26 Jahre lang.

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