3150 Euro Pension bei der Sozialversicherung

von Johannes Huber

Rechnungshof drängt auf raschere Umsetzung von Reformen. Hundstorfer reagiert.

Wien. (VN-joh) Seit Jahrzehnten sorgen Pensionsprivilegien für Aufregung, gestrichen sind sie aber noch nicht. Der Rechnungshof stößt sich in einem Bericht an den Verhältnissen in der Sozialversicherung. Dort werde die Pensionsharmonisierung zu zögerlich umgesetzt. Womit bis 2050 ein Einsparungspotenzial von insgesamt 1,4 Milliarden Euro ungenützt sei.

Die durchschnittliche Pension eines ehemaligen Mitarbeiters der Sozialversicherung beträgt 3150 Euro brutto pro Monat. Zum Vergleich: Versicherte, also die Kunden der Anstalt, müssen sich mit durchschnittlich gerade einmal 987 Euro begnügen.

Problematisch ist laut Rechnungshof auch, dass Mitarbeiter der Sozialversicherung noch auf Jahre hinaus besser gestellt sind als vergleichbare Beamte. So könne ein 1970 geborener
Versicherungsbediensteter

mit einer um rund 1200 Euro höheren Pension rechnen als ein Bundesbeamter mit derselben Qualifikation und einem ähnlichen Karriereverlauf. Ausschlaggebend dafür sind Dienstgeberleistungen, die die Sozialversicherung extra gewährt.

„Wir haben viele Punkte der Rechnungshofkritik schon erfüllt“, teilt ein Sprecher des Hauptverbandes mit: Das privilegierte Pensionssystem wurde demnach 1996 abgeschafft. Allerdings werden noch all jene Mitarbeiter davon profitieren, die schon vor diesem Jahr an Bord waren.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) sieht dennoch weiteren Handlungsspielraum: Im Zuge der ohnehin noch heuer geplanten Reform der Invaliditätspension soll der Pensionssicherungsbeitrag, den ehemalige Sozialversicherungsmitarbeiter zahlen müssen, auf bis zu sechs Prozent erhöht werden. Das ist etwas, aber aus Sicht des Rechnungshofes noch nicht genug; er meint, zehn Prozent wären möglich.

Zwei von drei sind „Hackler“

Pikant: Zwei von drei Bediensteten der Sozialversicherung gehen als „Hackler“ vorzeitig in Pension. Das Pensionsalter wird damit auf 59,9 (Männer) bzw. 55,7 Jahre (Frauen) gedrückt.

Senioren gegen „ultimative“ Reform

Der Seniorenrat wehrt sich gegen den vor wenigen Wochen präsentierten „Expertenaufruf“ zu einer „ultimativen“ Pensionsreform. „Wir lehnen dieses Programm nachhaltig ab“, so Präsident Andreas Khol (ÖVP) gestern auf einer Pressekonferenz. Sein SPÖ-Gegenüber Karl Blecha sieht in dem Vorschlag, dass jeder nur noch so viel Pension bekommen soll, wie er durch Beiträge gedeckt hat, eine „Kampagne“ neoliberaler Gruppen.

Der Seniorenrat fordert andere Reformmaßnahmen: „Wir verlangen eine altersgerechte Arbeitswelt.“ Auch ein Bonus-/Malussystem, um Menschen zu einem späteren Pensionsantritt zu animieren, schlägt der Rat vor.

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