Sechs Fragen – Sechs Antworten. Elektronische Gesundheitsakte (ELGA)

Eine Akte für jeden Patienten

von Johannes Huber

SPÖ und ÖVP wollen Elektronische Gesundheitsakte bis 2017 einführen.

Wien. (VN-joh) ELGA kommt: Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und ÖVP-Bereichssprecher Erwin Rasinger kündigten gestern die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) an. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Was ist die Elektronische Gesundheitsakte?

Für jeden Patienten soll eine elektronische Akte angelegt werden, in der von niedergelassenen Ärzten, Spitälern, Apotheken etc. Entlassungsbriefe, Röntgenbilder, Laborbefunde und Medikamenten-Verschreibungen erfasst werden.

Muss man ELGA zulassen?

Ärzte sind grundsätzlich verpflichtet, Befunde zu speichern. Zur Datenverwendung sind sie nicht gezwungen; sollten sie aufgrund der Nicht-Verwendung eines Datums einen Fehler machen, können sie allerdings zur Verantwortung gezogen werden (Haftungsfrage). Patienten können ELGA wiederum verweigern: Sie können verbieten, dass ein bestimmter Befund gespeichert wird.

Wer hat Zugriff?

Ärzte können nach Aufnahme eines Patienten jeweils 28 Tage lang auf die betreffende Akte zugreifen. Apotheken dürfen sich ausschließlich die Medikamenten-Verschreibungen anschauen. Abgesehen davon soll jeder E-Card-Besitzer die Möglichkeit haben, seine persönliche Akte übers Internet abzurufen.

Wie sicher ist ELGA?

Das Gesundheitsministerium betont, bei der Datensicherheit würden höchste Standards erfüllt. So sollen neben dem betreffenden Patienten eben nur die Personen einen Datenzugriff haben, die diesen behandeln bzw. versorgen. Arbeitgeber, Behörden und andere Gruppen sollen keinen Zugriff haben. Die Ärztekammer ist dennoch skeptisch (siehe nebenstehenden Artikel).

Was bringt ELGA?

ELGA soll sicherstellen, dass niedergelassene Ärzte und Spitäler besser vernetzt sind und so z. B. nicht unnötige Mehrfachbehandlungen durchführen. Das soll zu Einsparungen von 129 Millionen Euro jährlich führen.

Wann kommt ELGA?

ELGA soll ab Ende 2013, Anfang 2014 schrittweise eingeführt werden. Zunächst soll es von Patienten genützt werden können. 2017 soll der Vollbetrieb starten.

Elektronische Gesundheitsakte soll Ärzten und dem Pflegepersonal die Arbeit erleichtern. Standesvertreter zweifeln jedoch daran. Foto: APA
Elektronische Gesundheitsakte soll Ärzten und dem Pflegepersonal die Arbeit erleichtern. Standesvertreter zweifeln jedoch daran. Foto: APA

Ärztekammer sieht noch Verbesserungsbedarf

(VN-joh) Ärztevertreter haben sich lange gegen die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) gesträubt. Noch sehen sie nicht alle Vorbehalte ausgeräumt, werden aber mitmachen: „Wenn es im Gesetz steht, können wir nicht anders“, sagt der Präsident der Vorarlberger Ärztekammer, Michael Jonas.

Der Ministerrat wird heute eine Regierungsvorlage für ELGA verabschieden; endgültig beschlossen werden soll sie dann noch heuer auf parlamentarischer Ebene.

Die Ärztekammer ortet noch Verbesserungsbedarf. So sieht Jonas nicht „den höchsten technischen Standard“ gegeben: Das System sei unnötig kompliziert und werde den Ärzten daher die Arbeit erschweren. Jonas vermisst etwa eine adäquate Suchfunktion in der Elektronischen Gesundheitsakte. Zweifel hat der Vorarlberger auch, was den Datenschutz betrifft: Höchste Standards seien zwar zugesagt worden: „Das steht aber nicht in der Gesetzesvorlage.“ Und schließlich fehlt laut Jonas ein Optimierungsdruck, wie er in der Schweiz gegeben sei: Weil Ärzte die Elektronische Gesundheitsakte dort verwenden könnten, aber nicht müssten, seien die Betreiber gezwungen, das bestmögliche System anzubieten, um sie dafür zu gewinnen.

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