„Saufen und rauchen gelernt“

von Johannes Huber
Die Wehrpflicht muss weg, sagt die SPÖ. Sollte sie dennoch bleiben, müsse über eine Wehrpflicht auch für Frauen geredet werden, so Ritsch. Foto: APA
Die Wehrpflicht muss weg, sagt die SPÖ. Sollte sie dennoch bleiben, müsse über eine Wehrpflicht auch für Frauen geredet werden, so Ritsch. Foto: APA

SPÖ verschärft Kampf gegen Wehrpflicht: Günther Kräuter ortet „sinnlosen“ Dienst.

Wien. Die SPÖ hat in der Wehrpflichtdebatte ihre liebe Not. Immer mehr prominente Genossen wollen nichts davon wissen, die Wehrpflicht aufzugeben und ein Berufs- bzw. Freiwilligenheer einzuführen. Dazu zählen Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky und die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (siehe Factbox). Burgstaller ist der Überzeugung, ein paar Monate Zivildienst oder Bundesheer tun „den jungen Männern sicher gut“.

Die Partei sieht sich vor diesem Hintergrund gefordert, die Auseinandersetzung um die Wehrpflicht zuzuspitzen: Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter tritt für einen Übergang zu einem Freiwilligenheer ein. Und zwar aus eigener Erfahrung, wie er im Gespräch mit den VN erläutert: „Nachdem ich acht sinnlose Monate im Präsenzdienst verbracht habe, weiß ich, dass das Bundesheer nicht das ist, was man jungen Leuten aufzwingen sollte.“ Nachsatz: „Ich habe dort nur saufen und rauchen gelernt. Beides habe ich mir später wieder abgewöhnt.“

Wehrpflicht auch für Frauen?

SPÖ-Vorarlberg-Chef Michael Ritsch unterstützt den Kurs der Bundespartei: „Berufsheer mit Freiwilligenmiliz ist die Variante, die mir gefällt. Gleichzeitig kann man einen freiwilligen Sozialdienst mit ordentlicher Bezahlung zum Zivildienst-Ersatz aufbauen. Es gibt viele Leute, die das machen würden.“

Auch Ritsch hat offenbar schlechte Erfahrungen mit der Wehrpflicht gemacht: „Ich habe eine Jagdkampfausbildung genossen und glaube nicht, etwas fürs Leben gelernt zu haben.“ Der Vorarlberger kontert die ÖVP-Linie, durch die Abschaffung der Wehrpflicht werde der Kata­strophenschutz gefährdet: „Das ist Unsinn“, sagt er: „Der Katastrophenschutz wird zu 95 Prozent von den Feuerwehren wahrgenommen. Dafür brauche ich kein Bundesheer.“

Sollte es bei der Volksabstimmung am 20. Jänner eine Mehrheit für die Wehrpflicht geben, will Ritsch darüber reden, sie auch für Frauen gelten zu lassen: „Wenn man eine Verpflichtung will, müsste sie für beide Geschlechter gelten. Darüber müsste man diskutieren. Man redet immer von Gleichberechtigung und dann gibt es etwas, was nur für Männer gilt.“

Abstimmungsbuch zur Info

Trotz aller Emotionen tritt SPÖ-Geschäftsführer Kräuter letztlich für eine Versachlichung der Debatte ein: Nach eidgenössischem Vorbild solle vor der Volksbefragung allen Bürgern eine Broschüre in die Hand gedrückt werden, in der alle Argumente für und gegen die Wehrpflicht und ein Berufsheer aufgelistet sind. In der Schweiz nennt man das „Abstimmungsbuch“.

Ich habe eine Jagdkampfausbildung genossen und glaube nicht, etwas fürs Leben gelernt zu haben. Wahrscheinlich hätte mir ein Freiwilliges Soziales Jahr wesentlich mehr gebracht.  
 SPÖ-Landeschef Michael Ritsch
Ich habe eine Jagdkampfausbildung genossen und glaube nicht, etwas fürs Leben gelernt zu haben. Wahrscheinlich hätte mir ein Freiwilliges Soziales Jahr wesentlich mehr gebracht. SPÖ-Landeschef Michael Ritsch
Ein paar Monate Zivildienst oder Bundesheer tun den jungen Männern sicher gut. Bevor die Wehrpflicht abgeschafft wird, müssen andere Fragen wie etwa der Zivildienst­ersatz geklärt sein.  
 Salzburgs LH Gabi Burgstaller
Ein paar Monate Zivildienst oder Bundesheer tun den jungen Männern sicher gut. Bevor die Wehrpflicht abgeschafft wird, müssen andere Fragen wie etwa der Zivildienst­ersatz geklärt sein. Salzburgs LH Gabi Burgstaller
Nachdem ich acht sinnlose Monate im Präsenzdienst verbracht habe, weiß ich, dass man das niemandem aufzwingen sollte. Ich habe nur saufen und rauchen gelernt. Beides habe ich mir wieder abgewöhnt.  
 SPÖ-Manager Günther Kräuter
Nachdem ich acht sinnlose Monate im Präsenzdienst verbracht habe, weiß ich, dass man das niemandem aufzwingen sollte. Ich habe nur saufen und rauchen gelernt. Beides habe ich mir wieder abgewöhnt. SPÖ-Manager Günther Kräuter
Zu Beginn der Debatte hatte ich durchaus Sympathien für ein Berufsheer, weil die Wehrpflicht zumindest Reformbedarf hat. Inzwischen teile ich aber die Bedenken der Hilfsorganisationen.  
 Bürgermeister Heinz Schaden
Zu Beginn der Debatte hatte ich durchaus Sympathien für ein Berufsheer, weil die Wehrpflicht zumindest Reformbedarf hat. Inzwischen teile ich aber die Bedenken der Hilfsorganisationen. Bürgermeister Heinz Schaden
Was hindert Österreich, für eine Verteidigungspolitik 
auf europäischer 
Basis einzutreten? 
Bevor es ein solches Konzept 
nicht gibt, rate ich von der 
vorschnellen Abschaf ung 
der Wehrpl icht ab.
 Ex-Kanzler Franz Vranitzky
Was hindert Österreich, für eine Verteidigungspolitik auf europäischer Basis einzutreten? Bevor es ein solches Konzept nicht gibt, rate ich von der vorschnellen Abschaf ung der Wehrpl icht ab. Ex-Kanzler Franz Vranitzky

Eine Verpflichtung müsste für beide Geschlechter gelten.

Michael Ritsch
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