VN-Interview. Stefan Finzgar (31), Künstler aus Gisingen

„Meine Kunst stirbt nicht an einem Covid-Virus“

Stefan Finzgar nützt die Zeit, die einem in der Pandemie geschenkt wird.

Stefan Finzgar nützt die Zeit, die einem in der Pandemie geschenkt wird.

Gisinger Künstler Stefan Finzgar über seine Zeit im Lockdown.

Interview Im Gespräch mit der VN-Heimat erzählt der Feldkircher Künstler Stefan Finzgar (31), wie sein Schaffen in Covid-Zeiten zwar eingeschränkt ist, gleichzeitig aber auch florieren kann.

Wir sitzen hier in eurem „Studio CLE“ in Meiningen – wie oft trifft man Sie hier an?

FINZGAR In diesen besonderen Zeiten fast täglich. Einer, wohl gesagt, der wenigen Vorteile der Covid-Krise ist: man bekommt Zeit geschenkt. Zeit für sich selbst, Zeit für Wichtiges, welches sonst durch unzählige Termine und Verpflichtungen im Alltag oftmals zu kurz kommt. Ich glaube, gerade in so einem großzügigen Atelier, das ich zum Glück habe, kann ich diese Zeit sehr gut, sinnvoll und kreativ in großartige Arbeiten umsetzen.

Mehr Zeit für das Kunstschaffen, dennoch wurde es durch Lockdown und Vorschriften still in der Kunst-und Kulturszene, wie sehen Sie die Situation?

FINZGAR Ohne Kunst und Kultur wird’s still – heißt eine Initiative. Und ja klar, es ist still – beängstigend still. Die Kunst kann hier erarbeitet werden – aber diese kann nun nicht an den Menschen gebracht werden. Auch wir mussten unsere Veranstaltungsreihe „art lounge“ heuer mehrmalig verschieben und auch absagen. Weitere Kunstprojekte entfielen. Was schmerzhaft und vor allem auch finanziell schwierig ist. Da muss jedoch erwähnt werden, dass ich nicht hundert Prozent von meiner Kunst leben muss. Da trifft es viele Kunst- und Kulturschaffende weitaus härter.

Was hat die Kunst und Kultur Ihrer Meinung nach für einen Wert in der heutigen Gesellschaft?

FINZGAR Einen enormen. Einen unverzichtbaren Wert, gerade in derzeitigen Situationen. Menschen mit Kunst und Kultur zu konfrontieren, ist eine wichtige Aufgabe. Wir sehen auch gerade jetzt, wie wichtig Kunst im öffentlichen Raum ist. Wenn Museen geschlossen sind, Ausstellungen nicht möglich – so gibt es sie dennoch, zwar viel zu wenig, aber es gibt sie – die Kunst im öffentlichen Raum. Es entsteht die Konfrontation mit Kunst für Menschen, die sie gezielt betrachten, oder jene, welche sie nur im Augenwinkel streifen. So konnte ich auch bei unserer Installation „leben|lachen|sterben“ in der Feldkircher Innenstadt schöne Momente mit Menschen und der Kunst beobachten. Ich finde dies gesellschaftlich sehr relevant.

Wie sehen Sie die Zukunft, wie soll und kann es weitergehen?

FINZGAR Wenn sich ein Künstler keine rosige Zukunft ausmalen kann – wer dann? Nein, natürlich wird es eine Zukunft geben, auch in unserem Bereich und auch, wenn diese eventuell etwas verändert werden muss. Wir zählen darauf, dass wir nächstes Jahr wieder Ausstellungen umsetzen können und uns so auch finanziell etwas auffangen können. Meine Kunst stirbt nicht an einem Covid-Virus, sie wird eventuell etwas verstaubt – macht aber nichts. Wir sind zuversichtlich, 2021 bei einem Art-Lounge-Event wieder Gäste im Atelier zu empfangen.

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