Raum nach oben


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VN-Redakteur Michael Gasser über eine Premiere, die die Bedeutung Chinas für die Autoindustrie zeigt.

Keine 40.000 Menschen haben Anfang der 80er-Jahre im Fischerort Shenzhen gelebt. Heute gilt die Stadt als Silicon Valley Chinas. Start-ups schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Bevölkerung explodiert. 13 Millionen Menschen wohnen, wo auch der Digitalkonzern Huawei seinen Sitz hat. Und die Kurve kennt nur eine Richtung: weiter steil nach oben. Shenzhen boomt und ist für internationale Autokonzerne ein wahres Eldorado. Weil der Wohlstand immer mehr Menschen erreicht, schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe. Jeder zweite Chinese kauft überhaupt erstmals ein Auto. Mit 30 Millionen Fahrzeugen pro Jahr rechnet Audi-Vorstandschef Rupert Stadler (55) und sieht große Potenziale für Premiumhersteller. Das Segment könnte von derzeit zehn Prozent Marktanteil gut und gerne auch auf 40 und mehr anwachsen, glaubt er. Prognosen wie diese lassen bei den Automanagern Goldgräberstimmung aufkommen. Bis 2022 wollen alleine die Ingolstädter ihre Verkäufe auf dem schon jetzt wichtigsten Einzelmarkt verdoppeln.

Für ein möglichst großes Stück am erhofften Wachstumskuchen muss das Angebot stimmen. Audi rollt umfangreich neue Modelle aus, darunter zehn SUV-Varianten alleine in den nächsten vier Jahren. Gemeinsam mit chinesischen Hightech-Unternehmen wird intensiv in Vernetzung und autonomes Fahren investiert. Wer bei diesen Themen nicht Schritt halten kann, steht auf verlorenem Posten, ist Audi-Chef Stadler überzeugt. In China sind mit durchschnittlich 30 bis 35 Jahren die jüngsten Kunden der Marke – während sie in Europa in den Fünfzigern sind. Man habe es mit einer Technologiegeneration zu tun, die einen anderen Weg verlange. „Die Hälfte der chinesischen Kunden wechseln die Marke, wenn das digitale Angebot nicht passt“, so Stadler, der seine Marke im Wandel vom Autobauer zum Premium-Digitalunternehmen sieht.

Q8-Weltpremiere in Shenzhen

Vorbote des Umbruchs ist der Audi Q8, der – und auch das ist neu – erstmals in der chinesischen Boomtown Shenzhen gezeigt wurde. Pompös, laut und mit viel „Bling-Bling“ feierte der Neuzugang Weltpremiere – Feuerwerk inklusive. Das bisschen „Raum nach oben“, das die Produktpalette noch offen ließ, ist mit der neuen SUV-Speerspitze der Marke besetzt. Gleichzeitig soll mit dem Crossover-Coupé der Premiumbegriff neu definiert werden.

Designchef Marc Lichte (49) hat Audi mit dem Q8 ein neues Selbstbewusstsein verpasst. Die neue Front mit dem achteckigen Kühlergrill wird gemeinsames Erkennungsmerkmal aller zukünftigen SUV-Modelle sein. Beim Q8 als Kombination aus Luxus-Coupé und großem SUV ist die Ausprägung besonders expressiv ausgefallen. Damit habe man auch ein Stück weit den Vorstellungen der chinesischen Kunden entsprochen, streicht Lichte im Gespräch mit den VN die Bedeutung des chinesischen Marktes auch beim Design hervor. Markanter Hingucker ist ein Lichtband zwischen den Rückleuchten am Heck.

Fünf Meter ist der Q8 lang, zwei Meter breit und 1,7 Meter hoch. Mit der coupéhaften Dachlinie wirkt er deutlich flacher als das Schwestermodell Q7. Weil das Dach vorne um knapp sieben Zentimeter niedriger ist und sich auf diesem Niveau weit nach hinten zieht, gibt es im Innenraum praktisch keinerlei Einschränkungen in Sachen Kopffreiheit – auch nicht im Fond. Das Platzangebot ist großzügig, die Möblierung exklusiv. Drei große Displays des Bediensystems und des Virtual Cockpits sind praktisch unsichtbar in schwarzen Flächen integriert. So wirken die 12,3 Zoll, 10,1 und 8,6-Zoll großen Screens richtig edel.

Der Q8 ist digital aufgerüstet, wie noch kein Audi zuvor. Sämtliche verfügbaren Assistenz-, Telematik- und Connectivity-Funktionen sind an Bord. Die dafür notwendige Hardware besteht aus fünf Radar – zwölf Ultraschallsensoren, sechs Kameras und einem Laserscanner. „Wir wollen das Leben für unsere Kunden einfacher und sicherer machen“, sagt Audi-Chef Stadler.

Nach Europa kommt der Q8 zum Marktstart mit einem effizienten 286 PS starken V6-Diesel und Mildhybrid-Technologie. Weitere Motorisierungen für das geländetaugliche Luxusgefährt werden nachgereicht – darunter auch ein Plug-in-Hybrid. Die Elektrifizierung der Antriebe ist unumgänglich, weil auch hier der chinesische Markt als treibende Kraft gilt. 2025 soll jeder dritte verkaufte Audi elektrifiziert sein, kündigte Stadler in Shenzhen an. In der ersten Stadt der Welt, in der alle öffentlichen Busse elektrisch fahren, kam die Botschaft bestens an.

Fakten und Daten

Motor/Antrieb Zum Marktstart: 3-Liter-V6-Diesel mit 286 PS Leistung, 600 Nm Drehmoment und Mildhybrid-Technologie (48 Volt Bordnetz)

Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 6,3 Sek; Spitze 245 km/h

Marktstart Juli
Preis offen

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