VN-serie. 200 Jahre Fahrrad (5/8)

Der plötzliche Siegeszug des Pedelecs

Bosch-Mittelmotor und 1000-Wh-Batterie: Es war ein langer Weg bis zu heutigen Hightech-Pedelecs wie dem Delite von Riese & Müller.

Bosch-Mittelmotor und 1000-Wh-Batterie: Es war ein langer Weg bis zu heutigen Hightech-Pedelecs wie dem Delite von Riese & Müller.

Eigentlich sind E-Bikes ein alter Hut. Getüftelt wird bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Fahrrad. Ein großer Motor für die jüngere Erfolgsgeschichte des Fahrrads ist der Pedelec-Boom. Seit über 10 Jahren beglücken die E-Bikes die Fahrradindustrie mit gewaltigen Umsatzzuwächsen. Tatsächlich ist das Elektrofahrrad ein alter Hut, der vor allem von einer jüngeren technischen Entwicklung mächtig profitierten konnte.

Gefühlt sind Elektrofahrräder ein junges Phänomen. Tatsächlich wurde – das moderne Fahrrad war erst wenige Jahrzehnte alt – bereits Ende des 19. Jahrhunderts an elektrisch getriebenen Rädern getüftelt. Mit der großflächigen Verbreitung elektrischer Energie ab etwa 1880 nahm die Elektrifizierung in allen Bereichen Fahrt auf. Ende der 1880er-Jahre gab es erste industriell gefertigte Akkus, die auch den Bau von Elektrowagen erlaubten. Dieses neue Prinzip wurde auch auf das Fahrrad übertragen. Das erste Patent für ein Elektrofahrrad, das allerdings ohne Pedalantrieb war, wurde von Ogden Bolton jr. 1895 in den USA angemeldet.

Zur Serienproduktion reichte es allerdings nicht. Erst in den 1930er-Jahren wurden erste Versuche unternommen, E-Fahrräder in größerer Zahl zu bauen. So produzierte die Philips-Tochter EMI ab 1932 das Simplex Elektrofahrrad in Kleinserie. Im Prinzip war dieses den heutigen E-Bikes schon recht ähnlich, allerdings fiel die Batterie vergleichsweise mächtig aus, außerdem fehlte noch eine ausgeklügelte Leistungselektronik.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sich Fahrräder mit Hilfsmotoren in größerer Zahl. Angetrieben wurden diese allerdings von Miniaturverbrennern. Recht erfolgreich war ab 1949 unter anderem das aus britischer Produktion stammende Cyclemaster. Doch der Boom der motorisierten Fahrräder ebbte in den 1950er-Jahren schon wieder ab.

In den frühen 1970er-Jahren gab es dann wieder neue Ansätze, elektrifizierte Fahrräder zu bauen. In Japan stellte etwa Panasonic einen Prototypen vor, der heutigen Pedelecs schon recht ähnlich war. Als Antwort auf die Ölkrise brachte dann die Sindelfinger Firma Solo das Elektromofa Electra 720, welches zumindest in kleiner Stückzahl sogar auf die Straße kam.

Ein wichtiger Schritt zum modernen E-Bike war 1982 die Patentanmeldung für das Pedelec-Prinzip durch Egon Gelhard. Seine Idee: Die Motorunterstützung abhängig von der Tretleistung zu machen. Erstmalig eingesetzt wurde dieses Prinzip allerdings erst 1990 von der Schweizer Firma Velocity.

2001 wurde dann mit dem Sparta Ion der Prototyp eines erstmalig als Pedelec bezeichneten E-Fahrrads vorgestellt. Hier war der Akku versteckt, der Motor in der Hinterradnabe. Zwei Jahre später kam das Ion in den Markt. Parallel eroberte in dieser Zeit die besonders leistungsfähige Lithium-Technik die Akku-Welt. Ab etwa 2005 verhalf dieser junge Batterie-Typ auch den Pedelecs und E-Bikes zum Durchbruch. Seither kamen in sehr kurzer Zeit eine Vielzahl neuer E-Bike-Typen mit zunehmend verfeinerter Technik auf den Markt. Vor allem die geschmeidiger arbeitenden Antriebe und immer größere Reichweiten, beispielsweise von Bosch, leisteten bei Kunden große Überzeugungsarbeit. Zunächst erfreute sich der eingebaute Rückenwind vor allem bei älteren Menschen zunehmender Beliebtheit, doch schnell eroberte das Pedelec-Prinzip immer neue Segmente und immer größere Kundenkreise.

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