VN-Interview. Katja Riemann (54), Schauspielerin und Sängerin

„Film ist Licht. In jeder Form“

Katja Riemann über ihren neuen Film, aktuelle Projekte und die Schauspielerei.

Berlin Sklaven gefällig? Aber ja, doch! Mit dem Film „Herrliche Zeiten“ stellt Oskar Roehler originelle Fragen nach Sein und Schein, Freiheit, Moral und Menschenrechte auf hinterlistige Art auf den Prüfstand. Katja Riemann verkörpert die weibliche Hauptrolle.

 

Sie haben vor Kurzem gesagt: „Film ist keine Aufgabe, für die es eine richtige oder falsche Antwort gibt.“ Ja, was ist dann Film für Sie?

Riemann Film ist Licht. In jeder Form.

 

In „Herrliche Zeiten“ verkörpern Sie die Gartenarchitektin Evi. Ihr Film-Mann gibt auf der Suche nach einer neuen Haushälterin ein scherzhaft gemeintes Inserat mit der Überschrift „Sklavin gesucht“ auf. Was war Ihre erste Reaktion, als Sie dieses Angebot bekamen?

RIEMANN Ich dachte, dass ich das unbedingt spielen muss. Und hoffte von da an, dass wir diesen Film finanziert und realisiert bekommen.

Die Rolle ist ziemlich weit weg von Ihnen?

RIEMANN Eben. Es ist eine große Herausforderung, etwas zu spielen, was man vorher noch nicht gespielt hat. Ganz im Sinne dessen, dass ich mein Publikum nicht langweilen möchte. Wo doch Schauspieler von allem Anfang an meist missverständlich betrachtet werden. Der Rote Teppich ist in Wirklichkeit nur fünf Prozent unserer Arbeit. Der Rest ist oft: Im Wald stehen, im Regen stehen und frieren.

 

„Herrliche Zeiten“ ist eine Satire. Ein Genre, in dem die Gefahr besteht, die Charaktere als Karikaturen anzulegen?

RIEMANN Satire hin oder her. Wir haben nicht versucht, etwas zu karikieren. Wir haben nur die Charaktere „vergrößert“, sie aber trotzdem dreidimensional gespielt, so gut wir es vermochten. Wollten wir doch interessante Menschen darstellen und nicht irgendwelche Comic-Figuren.

 

Wie hat Ihnen die Zusammenarbeit mit Regisseur Oskar Roehler gefallen?

RIEMANN Ich schätze seine Person, seine Geistesschärfe und – trotz gegenteiliger Nachrichten – seine ganz große Liebe zu den Schauspielern.

 

Findet man im Film auch Anspielungen auf das Arm-Reich-Gefälle?

RIEMANN Ja, auch. Und ich nehme es privat natürlich wahr. Nur müsste dieses Gefälle nicht sein.

 

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?

RIEMANN Wem nützt es, ob ich optimistisch oder pessimistisch bin? Ich weiß nicht, ob der „korrekte Pessimismus“, der in Deutschland gelebt wird, irgendwohin führt. Verändern können wir ja doch nur, was veränderbar ist. Ich glaube jedenfalls, es nützt nichts, wenn wir uns alle pessimistisch hinsetzen und sagen: „Da kann man eh nichts machen.“ In Wirklichkeit können wir sehr wohl was machen.

 

Was ist in nächster Zeit von Ihnen zu erwarten?

RIEMANN Ein bisschen Pause vielleicht. Ich habe letztes Jahr sehr viel gearbeitet, habe vier Filme gedreht. Für die Deutsche Grammophon habe ich, mit den Jussen-Brüdern und Musikern des Concertgebouw-Orchesters Rotterdam, eine CD aufgenommen. Den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens, in der Textfassung von Roger Willemsen. Die gibt es bereits im Handel, und das war eine besonders schöne Arbeit. LH

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.