Hochkarätige Freunde und zahlreiche Verehrer

Foto aus dem Jahr 2009: Gabriele Henkel und Modedesigner und Fotograf Karl Lagerfeld bei einer Ausstellung in Düsseldorf.  Foto: AP

Foto aus dem Jahr 2009: Gabriele Henkel und Modedesigner und Fotograf Karl Lagerfeld bei einer Ausstellung in Düsseldorf.  Foto: AP

Die „Grande Dame“ der Düsseldorfer Kunstszene, Gabriele Henkel, hat ihre Memoiren geschrieben.

Düsseldorf. Henry Kissinger, Hildegard Knef, Gunter Sachs, Joseph Beuys, Robert Wilson, Andy Warhol – wer in den letzten 50 Jahren zur Kunst- und Gesellschaftsprominenz gehörte, der war und ist bis heute ein Freund von Gabriele Henkel. Die 85-jährige „Grande Dame“ der Düsseldorfer Kunstszene, bekannt für ihre blonde Mähne und die dunkle Sonnenbrille, hat ihre Memoiren „Die Zeit ist ein Augenblick“ veröffentlicht.

Den Leser entführt die Witwe des 1999 verstorbenen Firmenpatriarchen Konrad Henkel („Persil“, „Pril“) in eine vergangene Welt des Wirtschaftswunder-Jetsets. Wer wichtig war, der wurde zu Henkels legendären Abendgesellschaften eingeladen. Berühmt sind ihre kunstvollen Tischdekorationen. Bei einem Abend für den US-Künstler und Ferrari-Fan Frank Stella ließ sie eine Carrera-Bahn über den Esstisch rasen. Bankiers wie Jürgen Ponto und Alfred Herrhausen gehörten ebenso zu den Gästen wie Hans-Dietrich Genscher und Theodor Adorno.

Die Männer lagen Gabriele Henkel zu Füßen, mit ihren Verehrern reiste sie nach Venedig, Rom oder auf die Bahamas. Doch Henkel, geborene Hünermann, Tochter eines Düsseldorfer Medizinprofessors, bleibt in ihrer Autobiografie – ganz Dame – immer im Ungefähren. „Voller Erotik“ und Zärtlichkeit sei ihre „Lebensliebe“ zu Bühnenbildner Pit Fischer gewesen, Ehemann der Schauspielerin Nicole Heesters. Der Dramatiker Eugène Ionesco wollte in Henkels Armen sterben.

Über allen Flirts stand für Henkel die Liebe zu ihrem Mann. „Meine Bindung zu Konrad war stärker als Eskapaden und Versuchungen.“ Die wenigen „wirklich wichtigen Männer“ in ihrem Leben habe sie Konrad „diskret“ vorgestellt. „Er hat sie akzeptiert, das genügte.“

Aus ihrem Alter macht Henkel immer ein Geheimnis. Im Munzinger Archiv ist der 9. Dezember 1931 als Geburtsdatum angegeben. Nach einer entbehrungsvollen Kriegskindheit ohne Schulbildung wird sie als 16-Jährige als Au-pair nach London geschickt. Doch sie will Journalistin werden, schafft es zum Londoner „Observer“. In der Adenauerrepublik wird sie als Frau und „Newsweek“-Korrespondentin das jüngste Mitglied der Bundespressekonferenz in Bonn. Mit dem Aufbau der Henkel-Kunstsammlung taucht sie in die amerikanische Kunstszene ein, während ihr Mann das Unternehmen zum Weltkonzern aufbaut. Gabriele Henkel wird in den Internationalen Beirat des Museums of Modern Art berufen.

Erst am Ende gestattet sich Henkel einige offene Worte über die Einsamkeit im Alter. „Die meisten Menschen, die mir nahe standen, sind inzwischen verstorben, schreibt sie. „Ich bin oft einsam.“

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.