„Ich verbringe viel Zeit mit wirklichen Affen“

Andy Serkis über Motion-Capture und wie er sich auf seine Rolle als Caesar in „Planet der Affen“ vorbereitet hat.

Berlin. (lh) Die Saga geht weiter. Die Geschichte vom Niedergang der Menschheit und vom Aufstieg der Affen wird in „Planet der Affen: Survival“ zu einer Mischung aus Kriegsfilm und bildgewaltigem Schnee-Western. Andy Serkis, der britische Motion-Capture-Schauspieler, mimt wieder den Anführer Caesar.

Sie sind sozusagen der Motion-Capture-Großmeister. Erklären Sie bitte diesen Begriff.

Serkis: Motion Capture erfasst Bewegungen von Mensch und Tier und überträgt und mischt sie am Computer in ein „lesbares“ Format. Diese Technik hat sich sensationell weiterentwickelt und mir möglich gemacht, dass ich nicht nur den Gollum in „Herr der Ringe“, sondern auch einen Riesenaffen in „King Kong“ und eine Comic-Figur in Steven Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ spielen durfte. Aber meine Lieblingsfigur ist der menschlich gewordene Primat in der „Planet der Affen“-Trilogie.

Wie kam es, dass Sie zum Spezialisten für solche Charaktere wurden?

Serkis: Es begann bei Peter Jackson in „Herr der Ringe“ und der Figur des kleinen Gollum. Mich holte man ursprünglich nur für seine Stimme. „Warum?“, fragte ich. „Weil es ja unmöglich ist, dass das ein Schauspieler hinkriegen kann“, antwortete er. Am Set versuchte ich alles Mögliche, um mich in diese unglaubliche Figur hineinzuversetzen. Peter beobachtete das, und auf einmal rief er: „Stop! Wir ändern das Konzept! Wir kopieren jede einzelne Bewegung von Andy, und die Animatoren sollen das am Computer nachbilden!“ So geschah es, und damit brach offensichtlich ein neues Film-Zeitalter an.

Wie bereiten Sie sich auf eine Aufgabe wie den Affenanführer Caesar vor?

Serkis: Ich verbringe viel Zeit mit wirklichen Affen. Man kann zu ihnen ein recht gutes Verhältnis aufbauen. Sie sehen anders aus, trotzdem sind sie uns so ähnlich. Mittlerweile ist mir auch klar: Die Käfige im Zoo sind für die Affen entsetzliche Gefängnisse.
Mit Caesar vollzieht sich in „Survival“ ein Wandel?

Serkis: Anfangs versuchen er und seine Artgenossen, sich dem Konflikt mit den Menschen zu entziehen, indem sie an einem versteckten Ort Unterschlupf finden. Als es so scheint, als könnten die Affen endlich wieder ein friedlicheres Leben führen, kommt es zu verheerenden Ereignissen. Auf einmal kann sich Caesar gegen all den Zorn, der in ihm schlummert, nicht mehr wehren. In ihm erwacht der Hass. Er will Rache an den Menschen nehmen. Das ist natürlich eine riesige Veränderung, denn früher war er ja ein Friedensbringer, ein Anhänger der friedlichen Koexistenz mit den Menschen.

Caesars dunkle Seite ist auch durch die dunkle Atmosphäre der Bilder geprägt?

Serkis: Wir haben im kanadischen Winter gedreht. Es war saukalt. Das passte also gut zur Stimmung, die im Drehbuch vorgegeben war.

Und ist „Planet der Affen: Survival“ nicht auch eine Metapher für die moderne Welt.

Serkis: Definitiv und absolut. Der Film ist ein Spiegelbild für unseren Verlust an Mitgefühl für unsere Gesellschaft, für den ganzen Planeten und seine nicht unbedingt strahlenden politischen Führer, für das Verschließen der Augen vor dem Klimawandel.

Sie als Spezialist haben die Motion Capture Technik mittlerweile auch auf der Bühne salonfähig gemacht?

Serkis: Ja, für die Royal Shakespeare Company. Mit der Figur des Ariel in „The Tempest“. Und Videospie-
le habe ich ebenfalls entwickelt.

Für Motion Capture gibt es noch immer keine Oscars?

Serkis: Das giftet mich echt. Ich bin jetzt seit 17 Jahren dabei, und die Academy hat das bis heute verschlafen.

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