Gastgeber ohne Gäste

Die Hoteliers Markus Kegele und René Madlener und die Gastronomen Mike Pansi und Stefan Köb sprechen von harten Zeiten für die Branche.  screenshot/zoom

Die Hoteliers Markus Kegele und René Madlener und die Gastronomen Mike Pansi und Stefan Köb sprechen von harten Zeiten für die Branche.  screenshot/zoom

Tourismusbranche sieht Umsatzersatz als Hilfe, hofft aber, bald arbeiten zu können.

Feldkirch Normalerweise hätte Markus Kegele sein Hotel Mondschein in Stuben heute aufgesperrt. Nun bleibt es wie alle anderen Hotels im Land wie auch die Gastronomiebetriebe bis zum 7. Jänner geschlossen. So will es die Regierung.

„Wir wollen arbeiten“, sagt der Tourismus-Spartenobmann. Nur lassen es die Rahmenbedingungen nicht zu. Wie die Saison ab Jänner wird, scheint ungewiss. Die Quarantänepflicht von deutscher Seite schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Wintertourismus. Wenn diese nicht fällt, scheint ein Öffnen unmöglich. „Über 90 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Ausland. Ohne sie wird es für den größten Teil der Hotels nicht funktionieren. Vielleicht für eine kleine Pension oder einen Privatzimmervermieter, nicht aber für ein Hotel mit 30 Mitarbeitern“, so Kegele.

Die Buchungslage war aufgrund der äußeren Umstände und der politischen Ankündigungen aus dem Ausland bereits vor Verkündung der Lockdownmaßnahmen sehr schlecht. Das zeigt eine Umfrage unter den Vorarlberger Betrieben, die kürzlich durchgeführt wurde. Die Buchungsvorschau bis April verheißt nichts Gutes. Mit 14,1 Prozent ist über die gesamte Saison nur jedes siebte Bett gebucht. In einem normalen Jahr wären es knapp 53 Prozent.

Umsatzersatz hilft

Den Umsatzersatz für Dezember sei hilfreich. Schließlich gehe es um die Substanz und darum, die Betriebe über den Berg zu bringen. Die Branchenvertreter hoffen nun, dass für die Zeit nach dem Lockdown eine Abstimmung der politisch Verantwortlichen über Reisewarnungen, Grenzbarrieren und Quarantänepflichten gibt. „Wir brauchen diese Planungssicherheit. Nicht nur für die Gäste, sondern auch in der Frage, ob ausländische Mitarbeiter überhaupt einreisen dürfen“, sagt Hotelier René Madlener (Hotel Hohes Licht, Damüls). Der Umsatzersatz bringe ein Hotel zwar halbwegs über die Runden, aber eben nicht für die ganze Saison, die bis April dauert.

Mitarbeiter wandern ab

Auch die Gastronomen, Fachgruppenobmann Mike Pansi und sein Stellvertreter Stefan Köb, sehen den Umsatzersatz als wichtige Hilfe. Damit könne man wenigstens den Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern und Lieferanten nachkommen. Nichtsdestotrotz sei der erneute Lockdown ein schmerzhafter Eingriff für die Branche. Gastgeber ohne Gäste zu sein, mache keinen Spaß. Sorgen bereitet ihnen auch, dass das AMS derzeit Umschulungen für Tourismusmitarbeiter anbietet und viele nun in andere Branchen abwandern. „Das Fachkräfteproblem bleibt ja“, sagt Pansi. Umso wichtiger sei es auch, dass es einen Plan für Tourismusschüler gebe, wann sie ihre Praktika antreten können.

Dass es Betriebe gibt, die auch nach dem Lockdown ganz zugesperrt lassen, dafür gebe es derzeit keine Anzeichen, sagt Markus Kegele. Die Frage sei eher, wie sicher das Öffnungsdatum 7. Jänner letztlich ist. Vn-reh

An Mitarbeiter denken

Feldkirch Die ÖGB-Gewerkschaftsvorsitzenden in Vorarlberg, Tirol und Salzburg appellieren an die Regierung und die Landeshauptmänner. Bislang seien für die Mitarbeiter – mit Ausnahme der Kurzarbeit – keine Maßnahmen gesetzt worden. „Zum Teil müssen Arbeitnehmer in der Gastronomie und Hotellerie seit Monaten mit enormen Einkommenseinbußen klarkommen. Das bringt sie ans finanzielle Limit“, warnt der Vorarlberger Landesvorsitzende Reinhard Stemmer.

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