„Aus ganzem Herzen Forscher“

von Hanna Reiner
Grenzen der 3D-Drucktechnik. Bernd Bickel lehrt und forscht er am Institute of Science and Technology Austria. Highlight seiner Karriere war die Verleihung des ‚Technical Achievement Oscars‘. Am 26. September 2019 um 18.30 Uhr referiert er im Competence Center Rheintal im Rahmen der Innovation Night.  FA

Grenzen der 3D-Drucktechnik. Bernd Bickel lehrt und forscht er am Institute of Science and Technology Austria. Highlight seiner Karriere war die Verleihung des ‚Technical Achievement Oscars‘. Am 26. September 2019 um 18.30 Uhr referiert er im Competence Center Rheintal im Rahmen der Innovation Night.  FA

Oscar für technische Verdienste an Vorarlberger Computerwissenschafter Bernd Bickel.

Klosterneuburg So eine Nachricht bekommt man nicht alle Tage. Dabei hat Bernd Bickel eher indirekt von seiner Auszeichnung erfahren. Die Oscar-Academy of Motion Picture Arts and Sciences verkündete es in einer Pressemeldung, Freunde wiederum informierten dann den Computerwissenschaftler. Die Freude war natürlich groß. Schließlich ist der “Technical Achievement Award” der Oscar für technische Verdienste. Die Verleihung in Los Angeles war dementsprechend glamouriös. „Es fand ein Galadiner statt. Dresscode war Smoking“, erzählt Bickel im VN-Gespräch.

Der gebürtige Vorarlberger, der seit 2015 am Institute of Science and Technology (IST Austria) in Klosterneuburg forscht, erhielt den begehrten Preis zusammen mit seinen Kollegen Thaboo Beeler, Derek Bradley und Markus Gross für das System „Medusa“. Dieses ermöglicht die Übertragung von menschlicher Mimik und Gestik auf animierte Figuren und kam bereits in Filmen wie “Maleficent”, “Star Wars” und “Fluch der Karibik” zum Einsatz. Bis es so weit war, vergingen zehn Jahre.

Mit dem Wow-Effekt

Die Arbeit an „Medusa“ begann Bickel bereits während seines Studiums an der ETH Zürich und setzte sie danach bei Disney Research in Zürich, einem Forschungsinstitut der Disney Company, fort. „Ich war von Anfang an bei der Entwicklung dabei“, sagt Bickel. Als er dann den ersten Film sah, bei dem „Medusa“ zur Anwendung kam, war das ein ganz besonderer Moment. „Ich dachte, wow, es funktioniert. Das ist eine tolle Sache, wenn man bedenkt, wie lange wir daran gearbeitet haben.“ Schließlich wisse man als Forscher im Vorhinein oft nicht, ob eine Entwicklung letztlich auch funktioniert.

Den Oscar-Gewinn macht zwar für Bickels tägliche Arbeit keinen Unterschied, hat aber sehr wohl Auswirkungen. „Es bringt eine gewisse Anerkennung in der Branche und öffnet Türen im Sinne von neuen Kooperationen. „Forscher arbeiten oft mit anderen Teams zusammen. Je bekannter man ist, desto mehr Möglichkeiten hat man“, sagt Bickel.

In seiner Arbeit am IST Austria in Klosterneuburg, das sich der Grundlagenforschung in Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik widmet, liegt sein Fokus vor allem auf dem 3D-Druck. Dabei werden Objekte am Computer modelliert und dann hergestellt. „Es ist ein neues Herstellungsverfahren und ein unglaublich spannendes Gebiet“, merkt man Bickel die Begeisterung an. Bis das Eigenheim aus dem 3D-Drucker kommt, werde es zwar noch dauern, aber es zeige viele Chancen in Bereichen wie Medizin, Fassaden oder Flugzeugbau auf.

Fasziniert von Computern

Der Professor war schon als Kind von Computern fasziniert. „Während der Schule habe ich spielerisch programmieren gelernt.“ Danach führte ihn sein Weg nach Zürich zum Studium der Computerwissenschaften. Die Informatik biete unzählige spannende Bereiche. „Machine learning zum Beispiel hat immense Auswirkungen auf selbstfahrende Autos, auf Banken oder Versicherungen. Dabei trifft ein System Entscheidungen. Das bietet viele Chancen, wirft jedoch auch ethische Fragen auf. Es wird unser Leben sehr stark beeinflussen und man muss einen guten Weg finden, mit diesen neuen Herausforderungen umzugehen“, ist Bickel überzeugt.

Voller Motivation

Seine Projekte starten zunächst mit der Grundlagenforschung. Besonders schnell gebe es in der Informatik dann immer ein Anwendungsfeld. Einige Studenten haben nach dem Doktorat auf Grundlage dieser Anwendungen bereits Start-up-Unternehmen gegründet.“ Selbst Unternehmer zu werden, reizt ihn aber nicht. „Es ist schwer, wirtschaftlich erfolgreich und gleichzeitig Forscher zu sein“, sagt der Vorarlberger. „Meine Leidenschaft liegt mehr auf der technischen Seite. Ich bin aus ganzem Herzen und voller Motivation Forscher“, sagt Bickel, der so oft wie möglich versucht, nach Vorarlberg zu kommen. Hier leben seine Eltern und Freunde und es gibt etwas, was er in Wien besonders vermisst: „Die Berge. Das genieße ich dann hier umso mehr.“

Zur Person

Bernd Bickel, gebürtiger Vorarlberger und Computerwissenschaftler am IST Austria in Klosterneuburg. Er studierte an der ETH Zürich Computerwissenschaften. Danach forschte er bei Disney Research in Zürich sowie an der TU Berlin.

IST Austria Das Institute of Science and Technology ist ein Forschungsinstitut mit eigenem Promotionsrecht. Neben der Grundlagenforschung hält das Institut die Rechte an allen resultierenden Entdeckungen und fördert deren Verwertung.

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