Im Gespräch. Frank Obrist (56), geschäftsführender Gesellschafter Obrist Engineering, Lustenau

„Wir wollen ein Auto für jedermann“

von Andreas Scalet, Hanna Reiner
Die 11-kWh-Batterie von Obrist passt in jedes Auto. 

Die 11-kWh-Batterie von Obrist passt in jedes Auto. 

Wie Frank Obrist mit dem HyperHybrid die Autowelt verändern will.

Lustenau Der HyperHybrid von Obrist Engineering aus Lustenau will die Nachteile von Verbrennungs- und Elektromotoren weitgehend beseitigen. Frank Obrist im Gespräch über das mögliche Auto der Zukunft. 

 

Ihr HyperHybrid-Antrieb sorgt in der Branche für Aufsehen. Was unterscheidet ihn von den Hybridautos, die bereits auf dem Markt sind?

Obrist Unser Hybrid ist ein serieller Hybrid, das andere sind parallele Hybride. Das heißt, sie nehmen den bestehenden Vierzylindermotor und machen etwas Elektrifiziertes dazu. Sobald man nur ein bisschen beschleunigen will, jault sofort der Motor. Bei uns schaltet sich der Motor nur dazu, wenn es wirklich notwendig ist. Die Fahrzeuge fahren sich am Schluss auch komplett unterschiedlich. Wir sind wirklich Anhänger der Elektrifizierung und wollen sie dem Durchschnittsbürger weltweit bereitstellen.

 

Ein Auto für jedermann, das ist Ihre Vision, die Sie verfolgen?

Obrist Wir haben sehr früh unter anderem mit Tesla Luxusfahrzeuge machen dürfen. Dieses Auto ist aber nur für die oberen drei Prozent, und was macht der Rest? Wir wollten daher ein Auto für jedermann. Am Schluss muss ich Autos verkaufen, die ein Kunde begeistert kauft, und mit denen der Unternehmer längerfristig auch Geld verdient. Im Zusammenhang mit dem Pariser Klimaabkommen sind wir als Techniker gefordert, entsprechende Lösungen zu bringen. Alle, die einen Beitrag leisten können, vom Häuslebauer bis zu uns, sollen es tun. Am Schluss wird der Beste gewinnen. Für uns muss es eine enkeltaugliche Technologie sein. Wenn man bedenkt, dass jedes Jahr 100 Millionen neue Autos dazukommen, ist es schon entscheidend, welche das sind.

 

Welche Marktchancen sehen Sie für den HyperHybrid? Kann man das schon abschätzen?

Obrist Wir sind mit den etablierten Automobilherstellern sehr eng im Kontakt und kurz vor dem Durchbruch. Eine 35-Mann-Firma kann ja nicht allein die Welt revolutionieren. Wir haben die Ideen, die Umsetzungsmöglichkeiten muss dann der Automobilhersteller haben. Wir haben die Patente und verstehen uns als Technologiebereitsteller.

 

Wird die reine Elektromobilität Ihrer Meinung nach irgendwann den Durchbruch erleben, den ihr viele prophezeien?

Obrist Wir wollen Elektrifizierung mehr unterstützen als alle anderen. Aber nur dort, wo es auch Sinn macht. Der Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur für nur wenige Autos, die sich nur ganz wenige leisten können, aber den größten Anteil der Ressourcen weltweit verbrauchen, geht sich nicht aus. Deshalb haben wir gesagt, wir reduzieren die Kosten, reduzieren den Aufwand und nutzen Bestehendes. Unsere Batterie wird an jeder 240-Volt-Steckdose innerhalb von drei Stunden voll geladen. Damit sind rund 60 Kilometer rein elektrisch möglich.

 

Die größte deutsche Automobilzeitung hat kürzlich verschiedene Hybridautos getestet. Dabei hat der Obrist-Hybrid beim Verbrauch am besten abgeschnitten.

Obrist Unser Hybridantrieb verbraucht nur 2,93 Liter auf 100 Kilometer. Das war ein Spitzenwert im Vergleich zu den anderen. Es war eine neutrale Messung und ein Vergleich mit den besten Hybridautos, die aktuell herumfahren.

 

Wie wichtig ist die Partnerschaft mit dem chinesischen Automobil- und Motorradhersteller Geely?

Obrist Die Chinesen sind sehr stark auf der Elektroschiene, und dort sitzen auch unsere offensten Kunden. Aber auch die etablierten Hersteller merken aufgrund von Dieselkrise oder Fahrverboten, dass es schwieriger wird. Wenn sie ihre Partikelprobleme nicht lösen können, verkaufen sie keine Autos. Darum denke ich, dass wir bis Ende des Jahres einige von unser Lösung überzeugt haben werden.

 

Ein Vorhaben, das ebenso visionär ist, ist Ihr C-Transformer. Er soll den Klimawandel aufhalten. Was steckt dahinter?

Obrist Das Patent haben wir mit einem der weltweit führenden Wissenschaftler entwickelt. Mithilfe der Maschine können derzeitige CO2-Emissionen ausgeglichen und auch frühere Emissionen wiedergutgemacht werden. Aber aktuell verfolgen wir die Lösung nicht. Wir als Kleinste können das Problem der Menschheit nicht allein lösen. Aber ich denke, wenn wir Erfolge mit dem HyperHybrid haben, ändert sich das vielleicht.

 

Sie haben Ihr Unternehmen 1996 in Lustenau gegründet. Ist Vorarlberg ein guter Standort für ein Engineering-Unternehmen?

Obrist Bisher haben wir Mitarbeiter unter anderem an der Fachhochschule gefunden. Wir haben ein super Team. Wenn es aber in Zukunft um große Nummern wie den Hybridantrieb geht, müssen wir schon schauen, dass der eine oder andere Experte freiwillig nach Vorarlberg kommt. Der Technikbereich ist natürlich stark umkämpft. Als kleine Firma bietet sich aber die Chance zu zeigen, dass man trotz Kleinheit weltweit Nummer eins werden kann. Was dazukommt, ist, dass die Hälfte am Motor mechanisch ist, die andere Hälfte ist Elektrotechnik, und beide müssen zusammenarbeiten. Dazu kommen die Chemiker wegen der Zellen. Darum tut sich die ganze Welt schwer, diese unglaublich unterschiedlichen Fraktionen an einen Tisch zu bekommen. Das schaffen wir besser als andere.

 

Woher nehmen Sie Ihre persönliche Innovationskraft?

Obrist Ich habe vor der Firmengründung mit Felix Wankel, dem Erfinder des nach ihm benannten Wankelmotors, arbeiten dürfen. Da habe ich viel innovative Kraft mitbekommen. Ich durfte dort viel lernen. Zum Beispiel, dass es sich lohnt, aus der Vogelperspektive auf Dinge zu sehen.

<p class="caption">Frank Obrist mit dem Motor, der keine Vibrationen erzeugt. Der HyperHybrid soll weltweit für die Elektrifizierung des Durchschnittsbürgers sorgen.   VN/Steurer</p>

Frank Obrist mit dem Motor, der keine Vibrationen erzeugt. Der HyperHybrid soll weltweit für die Elektrifizierung des Durchschnittsbürgers sorgen.   VN/Steurer

„Wir wollen die Elektrifizierung dem Durchschnittsbürger weltweit bereitstellen.“

Kennzahlen

Gegründet 1996

Gesellschafter Obrist Engineering Frank Obrist (Anteil: 67,5 Prozent), WISS-Beratungen AG, Schweiz (10 Prozent) Frank Wolf  (22,5 Prozent)

Mitarbeiter 35

Bereiche Automotive Powertrain Systeme, Wärmerückgewinnungs- und Wärmemanagementsysteme

Export 99 Prozent

Privat

Frank Obrist

CEO Obrist Engineering GmbH, OET GmbH, Obrist Powertrain GmbH, Obrist Technologies GmbH

Geboren 7. November 1961

Ausbildung HTL Bregenz, Innovations- und technisches Management an der Technischen Universität Graz, Managementschool St. Gallen

Laufbahn Institut Felix Wankel (Erfinder des gleichnamigen Motors, Lindau), Obrist Engineering

Familie Partnerschaft, sieben Kinder

 

Die Freizeit des weltweit gefragten Technikers und Entwicklers hält sich naturgemäß in Grenzen, zumal er für seine Arbeit brennt. In den freien Stunden ist der Unternehmer sommers „ein bißchen auf dem Bodensee unterwegs“ und im Winter trifft man ihn auf den Skipisten in Damüls, zählt er seine sportlichen Aktivitäten auf. Außerdem habe er eine große Familie, erzählt er über den wichtigsten Anker in seinem Privatleben. Was ihn besonders freut: Drei der Kinder haben die Begeisterung für Technik vom Vater geerbt und arbeiten bereits im Unternehmen mit.

Umweltschonende Mobilität als Auftrag

Lustenau Nichts deutet darauf hin, dass im Lustenauer Unternehmerpark „Alte Fabrik“ am Auto der Zukunft gearbeitet wird. Auch nicht das Aushängeschild dieser Entwicklung, ein Geely EC7, deutet darauf hin. Das chinesische Auto ist nämlich absoluter Durchschnitt, von außen betrachtet. Unter der Karosserie ist aber ein serielles Plug-in-Hybridsystem verborgen, das die Nachteile von Verbrennungs- und Elektromotoren weitgehend beseitigt. Den Geely als Prototypenträger wollte Frank Obrist, denn ihm geht es darum, ein umweltfreundliches Antriebssystem marktfähig zu machen, das auch leistbar ist. Frank Obrist hat sein Engineering-Unternehmen 1996 gegründet.

Die Firma erledigt Auftragsentwicklungen etwa für Marken wie Daimler Benz oder im Elektrobereich für Tesla und Fisker, entwickelt andererseits eigene Ideen und vergibt Lizenzen für die Nutzung von eigenen Patenten. Obrist hat die erste umweltfreundliche Klimaanlage mit R744-Kältemittel, die nun in der Mercedes S-Klasse verbaut wird, entwickelt und ist in dem Bereich Technologieführer. Ein Zukunftsprojekt ist der C-Transformer, mit dessen Hilfe CO2-Emission ausgeglichen werden kann.

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