Das Wasabi-Trauma

von Hanna Reiner
Ralph Pöttinger (Alpine Equity) setzt beim Finanzinvestor auf digitale Tools.

Ralph Pöttinger (Alpine Equity) setzt beim Finanzinvestor auf digitale Tools.

Wenn eine Business-Idee scheitert, muss das nicht das Ende sein. Oft zieht man daraus wichtige Erkenntnisse, wie die FuckUp Night in Dornbirn zeigt.

Dornbirn Hansjörg Steixner ist das, was man landläufig einen Tausendsassa nennen würde. Ausgestattet mit einem fixen Job, hat er im Laufe der Jahre immer wieder Ideen entwickelt. So verkaufte er T-Shirts mit Andreas-Hofer-Konterfei im Che Guevara Look oder vermietete Promotionsfahrrräder. Bis er eines Tages einen Japaner traf, der unbedingt Tiroler Wasabi in Japan verkaufen wollte. Was Steixner nicht wusste: So einfach ist der Anbau nicht. „Nicht umsonst war ich der einzige Wasabi-Züchter auf dem europäischen Festland“, erzählt er als einer von drei Referenten bei der FuckUp Night im Conrad Sohm.

Das Veranstaltungsformat, das in Vorarlberg von Sasa Filipovic organisiert wird und das es in über 250 Städten weltweit gibt, widmet sich dem Scheitern. So wie bei Hansjörg Steixner mit seinem Wasabi-Projekt, seine „große, verhängnisvolle Liebe“, wie er sagt. Denn aufgegangen ist der Plan am Ende nicht. Vier Jahre lang wurde getüftelt, aber das japanische Gewächs, das am liebsten in flachem Wasser an Bach­ufern wächst, wollte in Tirol nicht gedeihen. Aufwand und Ertrag gingen nicht zusammen. Gelernt hat Steixner dennoch viel. Zu voreilig sei er gewesen, dazu kamen Sprach- und Kulturfallen. Seine letzten Pflanzen hat er übrigens ausgewildert. „Dort wachsen sie wie verrückt. Es ist fast so wie in Beziehungen, der Liebesentzug zeigt Wirkung“, so Steixner, der gerade sein nächstes Projekt plant. Diesmal eine Elektrotankstelle.

Scheitern will gelernt sein

Maggie Herker (28) ist heute erfolgreiche YouTuberin und betreibt den Podcast „Scheitern für Anfänger“, bei dem sie mit Menschen aus den verschiedensten Branchen übers Scheitern spricht. Warum? Weil sie selbst so oft gescheitert ist, wie sie sagt, und das gut kann. Abgebrochenes Studium, Praktika, Nebenjobs, Überziehungskredite, selbstständige Fotografin, Moderatorin, Shirt-Designerin. Herker hat vieles ausprobiert. Nicht alles hat funktioniert. So dass Freunde sagten, das kann eben nur dir passieren. „Nein“, sagt Herker. „Ich mache eben einfach mehr als andere. Und Durststrecken gehören dazu. Wer etwas anderes behauptet, lügt entweder oder hat eine reiche Mutter.“ Der schlechteste Ratschlag, den sie je bekommen hat? „Fokussiere dich auf eine Sache.“

Ralph Pöttinger (27) kommt aus einer anderen Ecke. BWL- und Jus-Studium in Wien, Argentinien, Singapur und Schanghai. Berufliche Stationen in London und Wien. Bis er ins Unternehmen seines Vaters einstieg. Finanzinvestor Alpine Equity investiert seit zwei Jahrzehnten in Firmen, die später wieder verkauft werden. Als Pöttinger einstieg, hatte er seine ganz eigenen Vorstellungen – inspiriert vom Silicon-Valley-Spirit mit Apple-Notebook, legerer Kleidung und lässiger Büroatmosphäre. „Meine Idee war es, ein innovatives Onlinetool für digitale Services zu entwickeln“, erzählt er bei der FuckUp Night. Er engagierte Experten für Programmierung, Prozesse und Marketing. Kostenpunkt: 100.000 Euro.

Viel Wirbel

Doch der Erfolg blieb aus. Kein Kunde wollte das Tool – den Unternehmenswertberechner. Zudem kündigte ein langjähriger Mitarbeiter, weil ihm der Richtungswechsel nicht gefiel. Dann kam es zu einer schicksalshaften Begegnung mit zwei Jugendfreunden, die Pöttinger den Tipp gaben, das Onlinetool über Facebook und Google zu bewerben. „Das kostete noch einmal Geld. Aber mein Vater hat trotz allem gemeint, mach es, wenn du daran glaubst.“ Gesagt, getan und funktioniert hat es letztlich auch. „Es wird vom Team und vom Markt honoriert. Wir haben die Onlineprojekte am Start, heuer kommt ein weiteres dazu“, erzählt er. Und: „Es lohnt sich, einen neuen Pfad einzuschlagen. Nur muss man dann bereit sein, den ganzen Weg zu gehen.“

Die nächste FuckUp Night findet am 27. September im Spielboden Dornbirn statt.

<p class="caption">Maggie Herker ist Fotografin und YouTuberin mit eigenem Podcast.</p>

Maggie Herker ist Fotografin und YouTuberin mit eigenem Podcast.

<p class="caption">Der Tiroler Hansjörg Steixner referierte über die "Zicke" Wasabi.</p>

Der Tiroler Hansjörg Steixner referierte über die "Zicke" Wasabi.

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