Doppelt so viele Privatkonkurse

Die Insolvenzrichter in Vorarlberg und Österreich haben seit Jahresbeginn 2018 mit einem großen Anstieg privater Pleiten zu tun.

Die Insolvenzrichter in Vorarlberg und Österreich haben seit Jahresbeginn 2018 mit einem großen Anstieg privater Pleiten zu tun.

Durchschnittsverschuldung pro eröffnetem Privatkonkurs beträgt 129.700 Euro.

Wien, Schwarzach Am 1. November 2017 ist das Insolvenzrechtsänderungsgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz sorgte zuvor für heftige Diskussionen zwischen Schuldenberatern und Gläubigervertretern. Nach sechs Monaten gibt nun der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) einen ersten Erfahrungsbericht und liefert die statistische Auswertung der Entwicklung seit November.
Die wesentlichen Änderungen der „Privatkonkursnovelle“ betreffen das Abschöpfungsverfahren, welches von 7 auf 5 Jahre verkürzt wurde und in dem die zehnprozentige Mindestquote beseitigt wurde.

Durch den Entfall der Mindestquote haben wie erwartet  vor allem zwei Personengruppen das neue Insolvenzrecht stark in Anspruch genommen: Personen, die kein Einkommen beziehen oder mit nur geringfügig pfändbaren Bezugsteilen, und vormalige Unternehmer mit meist beträchtlichen Verbindlichkeiten. Dass nun die Zahlen quasi explodiert sind, hat damit zu tun, dass viele dieser Personen das Inkrafttreten der neuen Regelung abwarteten.

Run ab Jänner 2018

In den ersten beiden Monaten der neuen Rechtslage – November und Dezember 2017 – war der Anstieg der Privatinsolvenzen noch moderat und hinter den Prognosen geblieben. Der Run setzte mit Jahresbeginn ein, wie die Statistik zeigt – die ersten beiden Monate hatten die Gerichte offensichtlich damit zu tun, die vielen Anträge zu prüfen und sich mit der neuen Rechtslage vertraut zu machen. 

Größter Zuwachs im Burgenland

Die größte Zuwachsrate an Privatinsolvenzen gab es im Burgenland, wo sich die Verfahren in den letzten sechs Monaten mehr als verdreifacht haben. Danach folgen aber bereits die beiden westlichsten Bundesländer. In Tirol (+124,74 %) und Vorarlberg (123,7 %) haben sich die Privatinsolvenzen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Die geringste Zuwachsrate gab es in Salzburg (+31,13%). Kräftig angestiegen – nämlich um rund 40 Prozent – sind die Gesamtpassiva von durchschnittlich 85 Mill. Euro monatlich in den vergangenen Jahren auf 118,45 Mill. Euro monatlich in den ersten vier Monaten des Jahres 2018. Zurückzuführen ist das laut AKV-Experte Franz Blantz darauf, „dass durch den Entfall der 10-prozentigen Mindestquote vor allem Ex-Unternehmer mit Millionenverbindlichkeiten das Instrumentarium zur Erlangung einer Restschuldbefreiung nutzen“. VN-sca

Privatkonkurse seit 11/17

Insovlenzen  Österreich 5211 (November 2017 bis April 2018) Vorarlberg 302 (+123,7 %)

Gesamtpassiva 473,8 Mill. Euro

Größte Privatinsolvenz 14,9 Mill. Euro

Durchschnittsverschuldung 129.700 Euro

Prognose 2018 10.000 Privatkonkurse

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