Im Gespräch. Astrid Bischof, Geschäftsführerin Bischof Transporte

„Es ist mir in die Wiege gelegt worden“

von Andreas Scalet, Hanna Reiner
Bei Bischof Transporte stehen 200 Fahrzeuge im eigenen Fuhrpark.

Bei Bischof Transporte stehen 200 Fahrzeuge im eigenen Fuhrpark.

Unternehmerin Astrid Bischof über ihre große Begeisterung fürs Transportgewerbe.

Feldkirch Astrid Bischof managt die Geschäfte bei Bischof Lebensmitteltransporte. Im Interview spricht sie über Fachkräfte, den Ruf der Branche und wie sie schon mit sechs Jahren den ersten Ölwechsel durchgeführt hat.

 

In der Transportbranche herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb. Ist die Spezialisierung, in Ihrem Fall auf Lebensmitteltransporte, eine geeignete Möglichkeit, um Erfolg zu haben?

Bischof Die Spezialisierung haben wir im Jahr 1974 gesetzt. Gerade in der Wirtschaftskrise haben viele gesagt, ihr tut euch leichter. Aber der Mitbewerb ist trotzdem sehr groß. Das Einzige, mit dem wir uns abheben können, ist, dass wir einen Mehrwert für die Kunden schaffen, also neben dem reinen Transport auch Bereiche wie Lagerhaltung oder Kommissionierung anbieten. Wir haben eine Zollabteilung und machen sämtliche Abfertigungen auch für Übersee. Bei uns bekommt man alles aus einer Hand. Das führt dazu, dass wir auf dem Markt überhaupt noch eine Berechtigung haben. Ansonsten wäre es sehr schwierig.

 

Lebensmittellogistik ist besonders sensibel. Fehler können fatale Auswirkungen haben. Auf welche Logistikdienstleistungen legen die Kunden besonderen Wert?

Bischof Die Ware muss natürlich pünktlich und komplett angeliefert werden, und dies mit der richtigen Temperatur. Wo wir uns abheben, ist, dass wir in einem Lkw alle drei Temperaturbereiche anbieten. Das heißt, Kunden bekommen Trockenware wie Brot, Frischware wie Salat und Obst sowie Tiefkühlware in nur einer Anlieferung. In der Schweiz und in Österreich macht das sonst niemand.

 

Das Image der Transportbranche ist bei der Bevölkerung nicht gerade gut. Würden Sie sich mehr Verständnis für Lkw wünschen?

Bischof Auf jeden Fall. Man muss ja nur bei den Banken schauen, wie das Güterbeförderungsgewerbe bewertet wird. Da hat man von Vornherein ein negativeres Image. Es gibt auch viele Missverständnisse. Der Pkw-Fahrer findet den Lkw-Fahrer rücksichtslos. Der Pkw-Fahrer wiederum weiß aber nicht, wann er sich im toten Winkel des Lkw befindet. Es muss einfach in die Köpfe der Menschen, dass man den Lkw braucht. Ansonsten wären die Regale in den Geschäften leer, der Müll würde nicht mehr abgeholt und die Produktion würde stillstehen. Noch schwieriger ist es allerdings, Mitarbeiter zu bekommen, die Lkw fahren wollen.

 

Bischof Transporte bietet als erstes Logistikunternehmen in Vorarlberg die Lehre des Berufskraftfahrers an. Was erwartet potenzielle Auszubildende bei Ihnen im Betrieb?

Bischof Die Lehre kann man normal nach dem 9. Schuljahr starten und hat ein ganz tolles Berufsbild. Im ersten Lehrjahr lernt man die ganze Organisation und die betrieblichen Abläufe kennen. Im zweiten Lehrjahr geht es in die Werkstatt, im dritten Lehrjahr fängt der Jugendliche als Beifahrer an, lernt, mit Dokumenten umzugehen und kleinere Reparaturen zu machen. Zudem umfasst die Ausbildung auch kaufmännische Bereiche, und der Pkw- wie der Lkw-Führerschein sind kostenlos. Die Lehre bietet also ein sehr breites Wissen und danach kann man im Büro, in der Werkstatt oder als Fahrer arbeiten. Ab September wollen wir Lehrlinge aufnehmen. Es ist auch eine sehr gute Maßnahme gegen den Fachkräftemangel.

 

Der Preiskampf im Transportgewerbe führt dazu, dass viele Firmen ausflaggen und/oder günstiges Personal aus anderen Staaten beschäftigen. Sind solche Maßnahmen notwendig?

Bischof Das ist leider notwendig. Wir würden uns natürlich auch Vorarlberger Fahrer wünschen, aber durch den ausgetrockneten Markt sind wir gezwungen, auch Fahrer aus Polen oder der Slowakei zu beschäftigen. In der Schweiz ist es wesentlich leichter, Personal zu finden. Nicht nur wegen der Entlohnung, sondern auch, weil es eine andere Arbeit ist. In der Schweiz sind wir national tätig und unsere Fahrer daher am Abend zu Hause. Hier ab Feldkirch sind wir hauptsächlich im internationalen Verkehr tätig. Die Fahrer fahren am Sonntag los und sind am Freitag zurück.

 

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Branche und Ihres Unternehmens? Die Digitalisierung hat in der Transportwirtschaft Einzug gehalten, autonomes Fahren ist bereits in der Versuchsphase und ein Umstieg auf E-Lkw ist keine Utopie mehr . . .

Bischof Das autonome Fahren kommt sicher irgendwann, aber das kann man nur mit Werksverkehren machen. In der Lebensmittelbranche laden wir nicht nach der Geografie, sondern nach den Zeitfenstern der Kunden ab. Jede Ladung hat einen Termin und man muss Staus oder Unfälle berücksichtigen. Da braucht es einen Menschen, der mitdenkt. Daher wird uns das Thema in unserer Branche nicht wirklich betreffen. Wir haben aber zwei Erdgas-Lkw im Einsatz und sind CO2-neutral. Erdgas hat seine Berechtigung, aber wir müssen schon aufpassen, wo wir die Lkw einsetzen, denn sie haben eine geringere Reichweite und der Fahrer muss öfter tanken. Es fehlt ihm somit an Einsatzzeit. München hin und retour beispielsweise ist damit kein Problem.

 

War es für Sie klar, dass Sie als Nachfolgerin Ihres Vaters die Führung im Unternehmen übernehmen?

Bischof Ja, bereits als Kind. Ich habe das von klein auf gelernt. Mit sechs Jahren habe ich mit den Fahrern schon Ölwechsel gemacht, mit 16 habe ich Lkw abgeladen. Es ist mir quasi in die Wiege gelegt worden. Ich habe einfach eine große Begeisterung fürs Transportgewerbe. Das kann mir niemand nehmen. Ich habe auch den Lkw-Führerschein gemacht und bin bis nach Norwegen gefahren. Insgesamt würde ich es heute wieder genauso machen.

<p class="caption">Astrid Bischof hat alles von klein auf gelernt. „Mit sechs Jahren habe ich mit den Fahrern schon Ölwechsel gemacht.“ Sie hat auch den Lkw-Führerschein gemacht und ist bis nach Norwegen gefahren.  VN/Paulitsch</p>

Astrid Bischof hat alles von klein auf gelernt. „Mit sechs Jahren habe ich mit den Fahrern schon Ölwechsel gemacht.“ Sie hat auch den Lkw-Führerschein gemacht und ist bis nach Norwegen gefahren.  VN/Paulitsch

„Ich habe den Lkw-Führerschein gemacht und bin bis nach Norwegen gefahren.“

Kennzahlen

Gegründet 1974

Geschäftsführung Astrid Bischof, Michael Zimmermann

Gesellschafter Bischof Holding GmbH

Umsatz 2017 43 Mill. Euro

Investitionen 5 Mill. Euro

Mitarbeiter 260, Lehrlinge (ab Sept. 2018) 5

Eigenfuhrpark 200

Standorte A, CH, FL

Privat

Astrid Bischof

Geschäftsführerin Otto Bischof Transport-Gesellschaft m.b.H., Bischof Holding GmbH

Geboren 8. Juni 1968

Ausbildung Lehre als Büro- und Speditionskauffrau, Lkw-Führerschein, Learning by doing, Weiterbildungen

Laufbahn Eintritt ins Familienunternehmen, seit dem Jahr 2000 Geschäftsführerin, Aufsichtsrat Hypo Vorarlberg

Familie 2 Söhne, 20 und 15 Jahre alt

 

Logistik-Expertin Astrid Bischof hat nicht wirklich viel Freizeit, aber sie arbeitet gern und deshalb viel im Familienunternehmen. Familie ist ihr auch wichtig, wenn sie doch freie Zeit hat. „Das Wichtigste sind mir meine Buben“, so Bischof im Gespräch mit den VN. Ihr sei wichtig, diese zu umsorgen. Wenn ihr neben der Zeit mit ihnen noch einige Stunden bleiben, was meist samstags der Fall ist, dann ist sie am Golfplatz anzutreffen. „Das Golfspielen habe ich gelernt, um ein bißchen ruhiger zu werden und etwas abzuschalten“, so die Managerin.

Die richtige Temperatur zur richtigen Zeit

Feldkirch Als der Feldkircher Otto Bischof im Jahr 1974 beschloss, nicht einfach Frächter zu sein, sondern auf den Transport von Lebensmitteln zu setzen, hat er auf die richtige Nische gesetzt. Das Unternehmen, dessen markant lackierte Fahrzeuge heute in ganz Europa auf den Straßen präsent sind, hat sich zu einem führenden Anbieter in der Branche entwickelt und fährt für die wichtigsten Produzenten in der Region. Neben dem Hauptsitz in Feldkirch wurde der geografische Vorteil im Dreiländereck genutzt und Niederlassungen in Schaan (FL) und in Sennwald (CH) aufgebaut, die nur wenige Kilometer von der Firmenzentrale entfernt sind. Ein eindeutiges Plus im Wettbewerb auf der Straße ist die Rundum-Betreuung der Kunden, von 15.000 Palettenplätzen bis zum Drei-Temperaturzonen-Lkw, mit dem alle Lebensmittel mit nur einer Fahrt beim Empfänger angeliefert werden. Gesamtlogistik heißt das Zauberwort, das Bischof konsequent anwendet. Außerdem legt Bischof Wert auf Nachhaltigkeit. Die Auszeichnung „Klimaneutrales Unternehmen“ zeugt vom großen Engagement, das von den Kunden honoriert, aber immer öfter auch gefordert wird.

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