Von Vorarlberg in die Welt. Brentanos Buchhandlung, New York, und mehr

Neue Welt als letzter Ausweg

August Brentano aus Hohenems wurde Buchhändler in New York.

August Brentano aus Hohenems wurde Buchhändler in New York.

Vorarlberger, die in alle Welt emigrierten, haben in ihren neuen Heimatländern Spuren hinterlassen.

Schwarzach. (VN-sca) Für viele Vorarlberger, die auswanderten, war die neue Heimat die einzige Chance, der letzte Ausweg, sich aus der Armut zu befreien. Tausende Menschen konnten in Vorarlberg keine Existenz aufbauen. Einige schafften es, aus dem buchstäblichen Nichts Weltkonzerne aufzubauen, viele verbesserten ihre Lebenssituation und für mindestens ebenso viele bot das Leben in der Ferne nicht mehr als jenes zu Hause: Sie malochten, ohne auf die Beine zu kommen. Mit einem Unterschied: Sie konnten nicht wieder zurück, ihnen fehlte das Geld dafür.

Wanderbewegungen

Neben der Möglichkeit, als Wanderarbeiter in den alemannischen Nachbarländern als Krauthobler, als Maurer oder als Viehhüter wenigstens ein Zubrot zu verdienen, versprach vor allem die neue Welt einen Neuanfang. Zuerst die Vereinigten Staaten, später aber auch Chile, Argentinien und Brasilien. Erst in der zweiten Republik verebbte die Auswanderung endgültig. Die Migrationsbewegung verkehrte sich: die Vorarlberger Wirtschaft brauchte Arbeitskräfte; diese kamen zuerst aus der Steiermark und Kärnten und später aus Jugoslawien und der Türkei.

Die Geschichte der Vorarlberger in der Fremde hat viele Seiten. Zum Beispiel jene, die der Hohenemser August Brentano aufschlug. Brentano wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts nach Boston aus und bekam seinen ersten Job als Zeitungsausträger. Bald besaß er einen größeren Zeitungsstand. Vom Erfolg beflügelt, zog er weiter nach New York, eröffnete wieder einen Zeitungskiosk, in dem es neben der lokalen Presse auch ausländische Zeitungen zu kaufen gab, und der deshalb zum Magnet der aufstrebenden Intellektuellen wurde. Der nächste Schritt war der Buchladen Brentanos Literary Emporium, der zum größten in der Weltmetropole wurde. Zu den prominenten Kunden, die zu Freunden des Hohenemsers wurden, zählten die Schriftsteller Charles Dickens und Ralph Waldo Emerson.

Buchhandelskette

Brentanos entwickelte sich zum größten Buchhändler der USA, hatte Filialen in allen großen Städten des Vereinigten Staaten, in Paris und London. Und musste 1933 dennoch Konkurs anmelden. Brentanos wurde weiterverkauft und blieb bis zur endgültigen Schließung 2011 Zentrum der New Yorker Leser.

Die Nachkommen des Feldkirchers Edouard Frei wiederum machten politisch Karriere, und zwar am anderen Ende der Welt, in Chile. Freis Sohn Eduardo Frei Montalva, 1911 in Santiago geboren, studierte an der dortigen Universität Jura, wandte sich schon als Student der Politik zu, trat der Konservativen Partei bei, gründete aber in der Folge zuerst die Partei Falange Nacional (1938) und 1957 die Christdemokratische Partei. 1964 wurde er zum Präsidenten des Andenstaats gewählt. 1970 unterlag er den vereinigten Linken mit Salvador Allende an der Spitze. Nachdem dieser von der Militärjunta gestürzt wurde, unterstützte er zuerst den Kurs von General Pinochet, um später zum entschiedenen Gegner zu werden. 1982 starb er unter mysteriösen Umständen. Sein Sohn Eduardo Frei Ruiz-Tagle wirkte trotz heftigster Repressalien aktiv am Ende der Diktatur mit. Er zählte zu den Gründern des Oppositionsbündnisses, das die Volksabstimmung von 1988 betrieb, dessen Sieg zum Übergang Chiles zu demokratischen Verhältnissen führte. Als Kandidat eines Mitte-Links-Bündnisses wurde auch er zum Präsidenten gewählt, Bei den Wahlen 1993 erhielt Frei 57,9 Prozent der Stimmen und führte das Land bis ins Jahr 2000, neun Jahre später trat er nochmals zur Präsidentenwahl an, unterlag aber in der Stichwahl knapp dem konservativen Gegenkandidaten.

Weltweite Beachtung finden heute z. B. die Grafiker Hans Donner in Rio de Janeiro und Stefan Sagmeister in New York. Sie sind aber längst nicht die einzigen. Die Vorarlberger Erfolgsstorys werden fortgeschrieben.

Ende der Serie. Über erfolgreiche Vorarlberger im Ausland werden die VN weiterhin ausführlich berichten.

<p class="caption">Die Fassade gibt es noch: In der Buchhandlung Brentanos in New York hat sich jetzt eine Kosmetikkette eingemietet.  Foto: BNY</p>

Die Fassade gibt es noch: In der Buchhandlung Brentanos in New York hat sich jetzt eine Kosmetikkette eingemietet.  Foto: BNY

<p class="caption">Eduardo Frei Ruiz-Tagle war wie sein Vater Präsident von Chile.  FFC</p>

Eduardo Frei Ruiz-Tagle war wie sein Vater Präsident von Chile.  FFC

Stichwort

Auswanderer. Die Geschichte der Auswanderung aus Vorarlberg ist mehr oder minder (je nach Zeit und nach Ländern) gut dokumentiert. Besonders aufschlussreich und faktenstark ist das Werk "Auswanderer" des Bregenzer Historikers und VN-Kommentators Meinrad Pichler, der die Geschichten zahlreicher US-Vorarlberger dokumentiert hat und ein differenziertes Bild der Auswanderung zeichnet.

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