Dieselmotor stottert bis zum Österreich-Gipfel

In Deutschland bieten Autohersteller hohe Prämien für Dieselumsteiger. Und in Österreich?

Schwarzach, Wien. (VN-sca) Von Tag zu Tag werden Besitzer von Dieselfahrzeugen auch in Vorarlberg nervöser. Die tägliche Nachrichtenflut ist nach dem deutschen Dieselgipfel nicht geringer geworden. Im Gegenteil: Die Fronten zwischen Diesel-bekämpfern und den Autoherstellern verhärten sich zusehends. In Österreich gibt es zwar noch keine Dieselfahrverbote wie sie nach dem Stuttgarter Feinstauburteil in immer mehr Großstädten angedacht werden, doch nach den Überlegungen in Innsbruck gibt es auch in anderen Städten Diskussionen. Ergebnis ist nicht nur eine Verunsicherung der Besitzer von 113.000 in Vorarlberg zugelassenen Dieselfahrzeugen, auch der Wert der Autos ist im Sinkflug begriffen.

Darauf macht gebetsmühlenhaftig der Sprecher des Vorarlberger Autohandels, Manfred Ellensohn, aufmerksam. Im ersten Halbjahr sind ob der Verunsicherung die Zulassungen von Dieslern im Land von 58 Prozent im Vergleichszeitraum 2016 auf 52 Prozent gefallen. Und der freie Fall geht weiter, wie ein Rundruf bei den Vorarlberger Autohändlern zeigt. Autofahrerclubs wie der ÖAMTC drängen vor dem österreichischen Automobilgipfel zu einer Umsteigerprämie, wie sie die Autohersteller inzwischen in Deutschland ausloben, die, so berichten Brancheninsider, mit hoher Sicherheit auch in Österreich angeboten wird.

Grüner Dieselbus

Der Chef des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ), Christian Gratzer, bezweifelt indes, dass die Fahrzeuge dadurch billiger werden. Auch der Umweltbilanz nütze die Aktion nichts, unkt er im Vorfeld des Gipfels, der von den Autoimporteuren und den Grünen seit Wochen gefordert wird. Apropos Grüne: Weil der E-Wahlkampfbus nur 170 Kilometer weit fahren kann, ist Ulrike Lunacek nun mit einem dieselbetriebenen Bus auf Wahlkampf-Tour.

<p class="caption">Was kommt raus? Darum geht es beim Gipfel in Wien und in der Diskussion um die Umweltverträglichkeit des Diesels.  Fotos: Apa/VN</p>

Was kommt raus? Darum geht es beim Gipfel in Wien und in der Diskussion um die Umweltverträglichkeit des Diesels.  Fotos: Apa/VN

Diskussion um Diesel. Was ansteht, was passiert, worum es geht

Dieselverbrauch. Dieselskandal hin oder her - an der Zapfsäule ist die Krise noch nicht angekommen. Der Verbrauch an Diesel ist im Gegenteil gestiegen, während etwas weniger Benzin an den Tankstellen nachgefragt wurde. Im ersten Halbjahr wurden rund vier Milliarden Liter Diesel getankt. Der Dieselverbrauch legte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 sogar um vier Prozent zu, während der Benzinverbrauch um etwa ein Prozent fiel. Der Großteil des Diesels (57 Prozent) wurde über die 2670 öffentlich zugänglichen Tankstellen verkauft.

Dieselgipfel. Der von Verkehrsminister Jörg Leichtfried  avisierte Dieselgipfel findet am 22. August in Wien statt. Es treffen sich der Arbeitskreis der Automobilimporteure, der den Gipfel
forderte, und der Minister, um konkrete Maßnahmen zu besprechen. Demnach geht es u. a. um eine Umstiegsprämie beim Kauf von emissionsarmen Dieselfahrzeugen und
den Rückruf von Autos in die Werkstatt, um Software-Updates durchzuführen.

Umtauschprämie. Der größte österreichische Mobilitätsclub, der ÖAMTC, fordert, dass auch österreichische Autofahrer in den Genuss einer Umtauschprämie kommen. Fast alle deutschen Autohersteller haben inzwischen eine Umstiegsprämie für Besitzer älterer Diesel-Pkw im Angebot. „Derzeit gilt das Angebot leider nur für Deutschland und ist teilweise mit Ende des Jahres befristet“, so Bernhard Wiesinger. Brancheninsider rechnen mit einem Angebot der Autoimporteure. Der VCÖ hält nichts von der Umtauschprämie.

Wirtschaftsfaktor Diesel. Österreich ist ein Autoland. 450.000 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt an der Automotive-Industrie, rund die Hälfte dieser Arbeitsplätze können mit der Dieselproduktion in Zusammenhang gebracht werden. So betreibt BMW sein Dieselkompetenzzentrum in Steyr. Dort produzieren 4500 Mitarbeiter über eine Million Motoren pro Jahr für sämtliche BMW- und Mini-Modelle sowie für andere Automobilproduzenten.

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