Brauer proben Aufstand

Mohrenbrauerei-Chef Heinz Huber: „Es geht uns darum, dass man Pflanzen und Tiere nicht patentieren darf.“  Foto: MB

Mohrenbrauerei-Chef Heinz Huber: „Es geht uns darum, dass man Pflanzen und Tiere nicht patentieren darf.“  Foto: MB

Dornbirner Mohrenbrauerei wehrt sich gegen EU-Patente für Braugerste.

Dornbirn. (VN-sca) Es ist ein Kampf David gegen Goliath. Doch die Dornbirner Mohrenbrauerei ist mit ihrem Einspruch nicht allein. Mit den Dornbirnern haben auch die privaten Brauereien Zillertal Bier, Trumer Privatbrauerei, Brauerei Schloss Eggenberg, Brauerei Murau, Privatbrauerei Hirt, Braucommune in Freistadt, Bierbrauerei Schrems und die Privatbrauerei Zwettl, die sich unter dem Namen „CulturBrauer“ organisiert haben, beim Europäischen Patentamt Einspruch erhoben. Es geht um Patente, die von den globalen Braukonzernen Heineken und Carlsberg auf bestimmte Sorten Braugerste und auf die damit verbundenen Brauverfahren beantragt wurden und die das Europäische Patentamt bereits 2016 auch erteilte.

Vielfalt und Regionalität

„Wir müssen alles tun, um zu verhindern, dass internationale Braukonzerne lokale Brauereien im Wettbewerb benachteiligen“, fasst Josef Sigl, Sprecher der Gruppe und Chef der Trumer Privatbrauerei, die Position der CulturBrauer zusammen. „Aus unserer tiefsten Überzeugung engagieren wir uns für Vielfalt, Regionalität und natürliche Rohstoffe“, sagt Heinz Huber im Gespräch mit den VN zum Vorstoß der österreichischen Privatbrauer, deren Unternehmen zu den Leitbetrieben ihrer Region gehören und die Biere erzeugen, die in Charakter und Geschmack die lokale Herkunft widerspiegeln.

„Das Mohrenbier mit seinem typischen Geschmack ist aber nicht in Gefahr“, antwortet Huber auf die Frage, die wohl alle Mohrenbier-Trinker brennend interessiert. Was also treibt die kleinen Brauer, die zusammen etwa eine Million Hektoliter Bier im Jahr (Mohrenbrauerei: 176.000 Hektoliter) erzeugen, gegen die Patente anzukämpfen? Abgesehen davon, dass es ums Prinzip geht, denn natürlich entstandene Pflanzen dürfen nicht patentierbar sein, so Huber, handelt es sich bei der zum Patent angemeldeten Gerste, aus der die Bierzutat Malz erzeugt wird, um eine mit besonderen Eigenschaften. In Kombination mit einem bestimmten Brauverfahren macht sie das Brauen billiger. Außerdem ist eine verlängerte Geschmacksstabilität gegeben, behaupten die Patentwerber.

Wettbewerbsverzerrend

Die neue Gerste würde den Wettbewerb verzerren und kleine Brauer in eine Abhängigkeit von den Patentinhabern bringen, wenn sie die Gerste verwenden wollen. Bei den Gersten handle es sich außerdem nicht um
eine gezielte Züchtung, sondern um eine zufällige Mutation, erläutert Huber, „und das darf nicht patentierbar sein“.

In den Kampf gegen die Patentierung haben sich inzwischen zahlreiche EU-Abgeordnete eingeschaltet. Auch Organisationen wie Arche Noah und Slow Food haben Einspruch erhoben. Ob diesem stattgegeben wird, sei nicht klar, denn das Europäische Patentamt hat schon mehrmals gegen Konsumenteninteressen und kleine Produzenten entschieden, stellt Huber fest. Die Mohrenbrauerei stellt übrigens elf Biersorten her, die großen Brauer meist nicht mehr als ein bis zwei Sorten, die großflächig beworben werden.

Stichwort

EU-Patente. Der Protest richtet sich gegen die zwei Patente EP2384110 und EP2373154, die vom Europäischen Patentamt bereits erteilt wurden, die aber nicht rechtskräftig sind, weil noch Einsprüche behandelt werden müssen. Es handelt sich dabei um eine Gersten-Varietät, die durch natürliche Kreuzung entstanden ist. Zwar hält die EU Patente auf Neuzüchtungen für zulässig, aber nur, wenn sie durch technischen Eingriff – etwa gentechnische Entwicklungen – entstanden sind. Natürliche Kreuzungen oder spontane Mutationen sind nicht patentierbar.

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