„Es muss klar sein, über was entschieden wird“

Baustelle mitten in Stuttgart: Das gigantische Bahnprojekt „Stuttgart 21“ sorgte für erbitterte Auseinandersetzungen. Foto: DPA

Baustelle mitten in Stuttgart: Das gigantische Bahnprojekt „Stuttgart 21“ sorgte für erbitterte Auseinandersetzungen. Foto: DPA

Die richtige Kommunikation kann über Wohl und Weh bei Großprojekten entscheiden. 

Schwarzach. (VN-sca) „Wie bringen wir den Wirtschaftsstandort und den Lebensraum Vorarlberg unter einen Hut“ ist am Donnerstag Thema der ibet-Tagung im Festspielhaus Bregenz, die damit am Puls der Zeit ist.  In den vergangenen Monaten war Vorarlberg geprägt von der Diskussion um die Raumplanung, um die Landesgrünzone und neben Wirtschaftsbauten auch um Wohnbauprojekte. Allerdings: Nicht nur in Vorarlberg ist der Umgang mit Grund und Boden ein Thema, deshalb kommen auf der Veranstaltung auch Referenten aus anderen Regionen zu Wort.

Mehr Partikularinteressen

Frank Brettschneider, Leiter des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der deutschen Universität Hohenheim, wird bei der Veranstaltung darüber referieren, welche Rolle die Kommunikation und die Beteiligung der Öffentlichkeit bei Bauprojekten, Umwidmungen und Infrastrukturprojekten spielt. Eine immer größere nämlich, wie er im Gespräch mit den VN feststellt. Damit aber trotz oft völlig gegensätzlicher Interessen Ergebnisse erzielt werden können, plädiert er bei jeglichen Projekten für völlige Transparenz der öffentlichen Stellen und der Projektbetreiber. Und mahnt entsprechende Spielregeln ein.

Das Gespräch suchen

„Man muss auf jeden Fall den Dialog suchen“, sagt der Autor des Buches „Stuttgart 21: Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz“. Wenn die Vertreter verschiedener Positionen miteinander reden, ist schon ein erster Schritt getan.“ Und es muss von Anfang an klar sein, wie ein solcher Prozess funktioniert: Zuerst müsse die Information erfolgen, dann geht es darum, alle Fakten zusammenzutragen. Nach der Bürgerbeteiligung stehe dann die politische Entscheidung. „Und ein solches Verfahren darf nicht länger als ein Jahr dauern.“ Wichtig sei dann aber auch, dass Projekte zeitnah umgesetzt werden. „Wenn ein Vakuum entsteht, weil – aus welchen Gründen auch immer – ein Projekt verschoben wird, kann wieder alles infrage gestellt werden“, sagt er mit Blick auf den Bahnhofsneubau „Stuttgart 21“, der nach über zehn Jahren Planungszeit und nach der Genehmigung wieder zu massiven Protesten führte. Es gehe nicht um die Durchsetzung solcher Projekte, sondern um die Entscheidung – „egal ob dafür oder dagegen“.

In Vorarlberg sei mit den Bürgerforen, die vom Büro für Zukunftsfragen durchgeführt werden, bereits ein wichtiges Instrument geschaffen, so Brettschneider. In solchen Gruppen könne schon frühzeitig diskutiert werden, welche Vorstellungen die verschiedenen Interessengruppen haben.

ibet 2017, 1. Juni 2017 im
Festspielhaus Bregenz, Mehr Informationen: ibet.co.at

Es muss allen Beteiligten bei solchen Prozessen immer klar sein, was entschieden wird und was nicht.

Prof. Frank Brettschneider
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