43. Innovationnight. Verschmelzung der physischen mit der digitalen Welt

Kommt nun die digitale Pille?

von Josef Hagen
Direktor Gerald Fleisch, LKH (l.) und Dr. Walter Wintersteiger.

Direktor Gerald Fleisch, LKH (l.) und Dr. Walter Wintersteiger.

Die Chancen, chronische Krankheiten durch neue Informationstechnologien zu lindern, stehen gut.

Lustenau. (ha) Pillen gegen Krankheiten kennt jeder. Es gibt aber auch die digitale Pille, die vor allem bei chronischen Erkrankungen helfen kann. Was sie kann, welche Vorteile neue Informationstechnologien bieten und wie die Anwendung erfolgt, ist ein Schwerpunkt der Forschungsarbeit von Elgar Fleisch, Professor für Informations- und Technologiemanagement an der ETH Zürich und der Universität St. Gallen.

Digitale Therapien

Bereits zum zweiten Mal war der aus Lustenau stammende Wissenschaftler am Donnerstagabend Referent der Innovationnight, die zum 43. Mal im Competence Center Rheintal vor vollem Haus über die Bühne ging. Diesmal befasste er sich mit dem Thema „Die digitale Pille – Wie Informationstechnologie das Gesundheitswesen verändert“.

Fleisch und sein Forschungsteam sind überzeugt, dass der Einsatz digitaler Technik zu Verhaltensänderungen in der Lebensweise, die der Gesundheit dienen, führen kann. Vor allem chronischen Krankheiten, angefangen von Diabetes über Asthma bis zu Kreislaufbeschwerden, kann man zu Leibe rücken, wenn etwa durch Messungen genau definiert werden kann, welches Stadium sie erreicht haben. „Dadurch können digitale Therapien entwickelt werden, die wie eine herkömmliche Tablette wirken“, sagt der Forscher. So kann etwa die Zahl von nächtlichen Hustenanfällen Asthmakranker digital aufgezeichnet und damit der Grad der Erkrankung festgestellt werden.

Mithilfe von digitalen Spielen können sogar Prognosen über gefürchtete Krankheiten erstellt werden. „Allerdings will niemand wissen, dass er in fünf Jahren Alzheimer bekommt“, glaubt Fleisch in diesem Fall nicht, dass solche Spiele reißenden Absatz finden.

Als vielversprechend hat sich ein Programm erwiesen, das vor allem adipösen Kindern helfen kann, das Gewicht zu reduzieren. Sie erhalten zum Beispiel auf ihrem Smartphone Anweisungen, wie viele Schritte sie täglich machen sollten. Erste Ergebnisse zeigen, dass die jungen Patienten voll auf den Roboter vertrauen und lieber mit ihm als mit dem Arzt über ihr Problem reden.

Neue Möglichkeiten

Noch klingt vieles nach Zukunftsmusik. Das weiß auch Fleisch: „Wir müssen zuerst beweisen, dass es funktioniert.“ Weil er davon überzeugt ist, kann er sich gut vorstellen, dass die „digitale Pille“ in spätestens fünf Jahren vorerst zumindest im Bereich der Prävention zur Anwendung kommen wird.

Dass die von Fleisch aufgezeigten neuen Möglichkeiten im Gesundheitswesen nicht als Utopie abgetan werden, zeigte sich in der anschließenden Diskussion. Ein Arzt zeigte sich überzeugt, dass die „digitale Pille“ durchaus ein Hilfsmittel sein kann, mit dem er gerne arbeiten würde. Erwin Mohr, Altbürgermeister der Marktgemeinde Wolfurt, befürchtet allerdings, dass vor allem ältere Menschen, die weit öfter von chronischen Erkrankungen betroffen sind als die Jungen, die Dienste kaum in Anspruch nehmen werden, weil sie mit Digitalisierung wenig am Hut haben. Wenn sich herumspricht, dass es etwas hilft, wird sich diese Einstellung schnell ändern, ist Fleisch überzeugt, auch die ältere Generation ins Boot holen zu können.

<p class="caption">Michaela Wagner-Braito (Lebenshilfe) und Gatte Reinhard Braito.</p>

Michaela Wagner-Braito (Lebenshilfe) und Gatte Reinhard Braito.

<p class="caption">Stefan Schoch (l.) und Amtsarzt Dr. Andreas Mischak.</p>

Stefan Schoch (l.) und Amtsarzt Dr. Andreas Mischak.

<p class="caption">Dr. Ines Hütter und Reinhard Mäser.</p>

Dr. Ines Hütter und Reinhard Mäser.

<p class="caption">Richard Dür, Theresia Fröwis, Harald Tomio (v.l.).</p>

Richard Dür, Theresia Fröwis, Harald Tomio (v.l.).

<p class="caption">Mathias Burtscher, IV, Bernhard Ölz, Prisma-Vorstand, Nadja Mauser, VN, Referent Elgar Fleisch, Manuela de Pretis, WISTO, Stefan Fitz-Rankl, FHV (v.l.).</p>

Mathias Burtscher, IV, Bernhard Ölz, Prisma-Vorstand, Nadja Mauser, VN, Referent Elgar Fleisch, Manuela de Pretis, WISTO, Stefan Fitz-Rankl, FHV (v.l.).

<p class="caption">Die Veranstaltungsreihe „Innovationnight“ ging bereits zum 43. Mal vor vollem Haus über die Bühne. Fotos: Stiplovsek </p>

Die Veranstaltungsreihe „Innovationnight“ ging bereits zum 43. Mal vor vollem Haus über die Bühne. Fotos: Stiplovsek 

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