Rechnung ist noch offen

"Der Stolz Venezuelas", die von Doppelmayr-Garaventa produzierte Mérida-Seilbahn, findet wegen der politischen Lage keine Passagiere.

"Der Stolz Venezuelas", die von Doppelmayr-Garaventa produzierte Mérida-Seilbahn, findet wegen der politischen Lage keine Passagiere.

Politische Situation in Venezuela kann Doppelmayr-Garaventa Millionen kosten.

Wolfurt, Caracas. (VN-sca) Die Bilder, die derzeit aus Venezuela über die Bildschirme flimmern, zeigen einen Staat in Auflösung. Das einst reichste Land Südamerikas steht vor einem Bürgerkrieg, die Staatskassen sind leer, die Menschen hungern und flüchten in die Nachbarländer. Von den Unruhen sind auch Vorarlberger Unternehmen betroffen.

Der Wolfurter Seilbahnhersteller Doppelmayr stellte deshalb bereits im Jänner dieses Jahres die Arbeiten an einem Großprojekt in der Hauptstadt Caracas ein (die VN berichteten). Bei dem Projekt handelt es sich um eine rund einen Kilometer lange Stadtseilbahn in Caracas mit zwei Stationen. „Es sind auch noch Forderungen offen“, hieß es im Jänner seitens des Unternehmens. Angaben zur Höhe der Außenstände wurden im Jänner nicht gemacht. Die Forderungen beziehen sich auf ein Prestigeprojekt der venezolanischen Regierung, die längste Pendelbahn der Welt.

Die Bahn, die Teleférico de Mérida, führt von der Stadt Mérida in vier Sektionen auf den 4765 Meter hohen Pico Espejo. Sie überwindet einen Höhenunterschied von 3200 Metern und ist 12,5 Kilometer lang. Das Auftragsvolumen der im Oktober eröffneten Bahn, die auf die zweithöchste Bergstation der Welt führt, betrug 53 Millionen Euro, schlussendlich seien die Kosten wegen immer neuer Vorgaben auf insgesamt über 100 Millionen Dollar explodiert.

Davon sind, so der Schweizer „Tagesanzeiger“, bei Garaventa noch 13 Millionen Euro offen. Und die seien höchstwahrscheinlich nicht mehr einzutreiben, vermutet ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter von Doppelmayr/Garaventa in Venezuela. Nichtsdestotrotz hat Doppelmayr erst kürzlich eine neue Firma in Venezuela gegründet, um zumindest die Versorgung bereits bestehender Stadtseilbahnen in Caracas und der Merida mit Ersatzteilen sicherzustellen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Das Geld kommt im Fahrbetrieb nicht herein. Die Bahn könnte täglich 2000 Passagiere auf den Pico Espejo transportieren. Könnte. Denn der Tourismus in Venezuela ist völlig zusammengebrochen. Seit Eröffnung der Bahn im Oktober wurden 480 Touristen transportiert. Die sollten pro Fahrt auf den Gipfel 50 Dollar bezahlen, für Einheimische beträgt der Preis weniger als einen Dollar.

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