Ein Plädoyer für die Leidenschaft

von Hanna Reiner

Christian Leidingers Zirbenbetten sind begehrt. Nun will er bei TV-Show überzeugen.

Dornbirn. Man kann sein Schicksal weder voraussehen noch ihm entgehen, doch man kann es annehmen. Aber wird man aus Krisen heraus automatisch ein besserer Unternehmer? Die Frage lässt sich nicht kategorisch mit Ja oder Nein beantworten. Aber sehr wahrscheinlich entwickelt man dadurch eine besondere Leidenschaft für das, was man tut.

Für Christian Leidinger waren es zwei Ereignisse, die sein Leben massiv geprägt haben. 2004 nahm ihm der Tsunami in Thailand seinen Vater, und er übernahm mit 25 Jahren zusammen mit seinem Bruder die Tischlerei in Bludenz, die damals auf Türen und Fenster spezialisiert war. Eine Tischlerlehre hatte Leidinger zwar, arbeitete danach aber in anderen Bereichen und hatte keine Erfahrung in der Führung eines Unternehmens. „Das ist etwas ganz anderes. Es war also schon eine gewisse Naivität dabei“, erzählt der Firmenchef im VN-Gespräch.

Der Familienbetrieb wurde weitergeführt. Bis die Wirtschaftskrise 2009 einschlug. Große Aufträge bleiben aus und der Stress, den diese Situation mit sich brachte, bekam Leidinger am eigenen Leib zu spüren. Ein Bandscheibenvorfall fesselte ihn wochenlang ans Bett. In der Zeit kam ihm allerdings jene Idee, die heute der Grundpfeiler seines unternehmerischen Erfolgs ist.

Ein Bett aus Zirbe, das astfrei ist, ohne Metallteile auskommt und bei der Produktion kein Gramm Abfall erzeugt, weil alles wiederverwertet wird. „Die Koje“ war geboren. So gut das Möbelstück bei Kunden ankam, so negativ war aber der Tenor einiger Kritiker. „Das geht nie“, hieß es. Und auch, dass die Betten optisch astfrei sind, weil die astreichen Bretter in nicht sichtbaren Möbelteilen zur Verwendung kommen, fanden viele ganz schrecklich.

Großinvestition in Fabrik

Heute produziert der Tischlermeister Hunderte Betten im Jahr und hat Geschäfte in Dornbirn und Wien. München und Zürich wären noch interessant, doch dafür fehlen die Kapazitäten. Noch, denn gerade hat Leidinger in der Bludenzer Kaltenbrunnerstraße ein altes Fabrikareal gekauft.

Dass er mit „Die Koje“ heute, Dienstag, in der Puls4-Show „2 Minuten 2 Millionen“ dabei ist, stand zunächst aber gar nicht auf dem Plan. Beworben hatte er sich nämlich für die erste Staffel der Fernsehshow, in der Investoren in die Geschäftsidee innovativer Unternehmen investieren, vor vier Jahren. „Damals hätten wir es gebraucht, dass ein Investor unsere Idee mitträgt“, erklärt der 38-Jährige, der es dank viel Durchhaltevermögen und Leidenschaft letztlich auch ohne diesen geschafft hat. Als nun die Anfrage des Fernsehsenders kam, musste er überlegen. „Es ist ja nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko. Was ist, wenn sie unsere Idee blöd finden.“ Genauso stelle man sich die Frage, ob man bereit sei, einen Teil des Familienbetriebs abzugeben.

Mut zur Spezialisierung

Die Show hinter den Kulissen zu erleben, war spannend. Und nachdem die Investition nicht mehr im Vordergrund stand, ging es Leidinger darum, zu zeigen, was er mit seinem Team beruflich leiste und was möglich ist, was andere für unmöglich hielten. Die Tischlerei sieht der Unternehmer heute als Manufaktur, in der Nachhaltigkeit nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Dass es auch andere Hersteller von Zirbenbetten gibt, beunruhigt ihn aber nicht. „Die einen haben diesen Alphüttenstyle und die anderen machen alles.“ Kaum jemand habe den Mut, sich nur einem Thema zu widmen und dieses perfekt zu machen. „Wir bleiben im Schlafzimmer und machen nichts anderes“, erklärt Leidinger seine Philosophie. Um davon leben zu können, brauche es aber mehr. Zusammen mit der Markenagentur von Nicole Herb wird den Produkten Leben eingehaucht, werden Geschichten erzählt, um so auch Kunden weit über die Grenzen hinaus zu erreichen. Ohne Internet würde es die Firma in der Form nicht geben, ist Leidinger überzeugt. Und der Erfolg gibt ihm recht. Wobei für ihn Gewinn nicht nur im Finanziellen liegt, sondern auch darin, dass seine 17 Mitarbeiter einen tollen Arbeitsplatz haben und damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Ob einer der Investoren in „Die Koje“ investiert? Das darf an dieser Stelle leider nicht verraten werden. Nur eines vorneweg: Das Design-Zirbenbett made in Vorarlberg mit der Portion Leidenschaft dahinter ließ auch sie nicht unbeeindruckt.

„2 Minuten 2 Millionen“, heute Dienstag, 20.15 Uhr auf Puls4.

<p class="caption">Christian Leidinger und Nicole Herb versuchen, die Investoren von den Zirbenbetten zu überzeugen. Foto: Puls4/Gerry Frank</p>

Christian Leidinger und Nicole Herb versuchen, die Investoren von den Zirbenbetten zu überzeugen. Foto: Puls4/Gerry Frank

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