Zu den Personen

„Auch zu viele Aufträge können eine Not sein“

Eingespielt: Ralf Bauer, Bernhard Fuchs, Rainer Witzenberger und Werner Simon (v. l.) bilden das Führungsteam von Hoeckle.
Eingespielt: Ralf Bauer, Bernhard Fuchs, Rainer Witzenberger und Werner Simon (v. l.) bilden das Führungsteam von Hoeckle.

Langenegg. Der Standort Langenegg ist der größte der Eberhard Hoeckle GmbH, Produzent von Kurbelwellen und Pleuelstangen für die Automobilindustrie. Das Führungsteam, Ralf Bauer, Werner Simon, Reiner Witzenberger und Bernhard Fuchs, spricht im Interview über steile Wachstumsphasen, über Fehler, die gemacht wurden, und wieso man nun einen Investor sucht.

Hoeckle fing im Jahr 2000 in Langenegg mit fünf Mitarbeitern an. Heute ist es der größte Standort mit 350 Mitarbeitern. Wie bewältigt man solche Wachstumsphasen?

Witzenberger: Indem man viel Geld in die Hand nimmt. In den letzten Jahren sind rund 50 Millionen Euro in den Standort investiert worden. Eine der größten Herausforderungen sind aber die Mitarbeiter. Das große Problem war, dass wir wegen der steilen Wachstumsphase von 2013 bis 2015 viele Mitarbeiter eingestellt haben, die die Qualifikation noch nicht mitgebracht haben. Insofern sind wir bemüht, mit Weiterbildungen und Schulungen entgegenzuwirken. Es ist also nicht ohne Holpersteine über die Bühne gegangen. Auch hinsichtlich der Aufträge: Wir haben zum Beispiel einen Großkunden aus den USA dazugewonnen. Das hat dazu geführt, dass unser Umsatz um 20 Millionen gestiegen ist.

Bauer: Es sind Fehler passiert. Einer war, die notwendige Struktur in der Organisation zu schaffen. Denn zu viele Aufträge können auch eine Not sein. An zu viel kann man sich durchaus verschlucken, und das hat in dieser Wachstumsphase gedroht. Wir sind eineinhalb Jahre in uns gekehrt und sind jetzt auf dem Weg, den nächsten Schritt zu machen und das heißt auch, einen Investor zu suchen. Wir sind ein klassisches Familienunternehmen, sind aber an einem Punkt, an dem wir Kapital brauchen, um die Geschichte erfolgreich weiterzuschreiben.

Welche Eigenschaften soll ein künftiger Investor denn mitbringen?

BAuer: Unsere Gesellschafter sind Ende 70. Das ist der Grund, wieso wir jemanden suchen. Die Kunden sind da, genauso die Fabrik, die Investitionen sind gelaufen. Alle wichtigen Voraussetzungen sind gegeben. Was uns wichtig ist, wir bekennen uns zum Standort Bregenzerwald. Wir sind überzeugt, dass es ein guter Standort ist. Wir machen keine Masse für eine Billigmotorisierung und unsere Produkte sind schwer, die kann man nicht einfach aus Asien herkarren. Wir suchen jemanden, der diese Einschätzung mit uns teilt und der langfristig orientiert ist. Auch Finanzinvestoren können einen langfristigen Horizont haben. Wir sind da also offen. Wir sprechen mit mehreren Interessenten und sind sehr zuversichtlich.

Simon: Wir haben in den Gesprächen festgestellt, dass Hoeckle eine begehrte Marke ist. Wir sind sowohl mit Finanzinvestoren als auch mit strategischen Investoren im Gespräch. Ich denke, eine Entscheidung wird sich im nächsten Quartal abzeichnen.

Letztes Jahr kursierten in Deutschland Gerüchte, wonach es Hoeckle wirtschaftlich schlecht geht. Das hilft auf der Suche wahrscheinlich nicht unbedingt?

BAuer: Die Gerüchte gibt es. Man kommt aber sowieso an den Punkt, an dem man im Zuge der Due-Diligence-Prüfung, also der Risikoprüfung, seine Zahlen offenlegen muss. Die starke Wachstumsphase hat natürlich das Ergebnis am Standort und die Reserven der Firma belastet. Das legen wir offen. Aber es gibt auch Vorzüge. Der Investor bekommt eine starke Marke, eine super Kundenbasis und einen modernen Maschinenpark – also einen Gegenwert. Das Geld ist also nicht zum Fenster hinausgeworfen worden. Die Gerüchte waren aber kein Hemmschuh in den bisherigen Gesprächen. Viele sehen das eher als gute Einstiegsmöglichkeit.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2015 stieg der Umsatz um über 21 Prozent. Soll sich die Konsolidierung künftig auch im Umsatz widerspiegeln?

BAuer: Wir haben Aufträge im Haus und wir akquirieren wieder. Diese werden ihren Hochlauf aber erst 2018/19 haben. Jetzt soll die Zeit bewusst genutzt werden, um zu konsolidieren, um einen Reifegrad in die Firma zu bringen. Diese Chance hatten wir in der Wachstumsphase nicht. Es ist quasi eine Atempause.

Es gibt insgesamt wenige Zuliefer-Unternehmen, die Kurbelwellen UND Pleuelstangen produzieren. Wie groß ist der Kreis der Konkurrenten?

Bauer: Motoren sind in der Regel Kernkompetenz der Hersteller. Ein Mitbewerber ist also der Kunde selbst. Unser Markt ist das, was er nach außen gibt. Wir machen aber kein Massengeschäft. Unser Geschäft sind vor allem kleine und mittlere Serien, die der Kunde nicht selbst macht. Dafür gibt es wenige, die beides machen.

Wohin geht die technische Entwicklung?

Bauer: Die Motoren werden insgesamt kleiner. Wir werden in den nächsten Jahren Motoren sehen, die mit einem Liter Hubraum über 200 PS Leistung bringen. Das wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.

Der Mutterbetrieb sitzt in Baden-Württemberg. Was gab den Ausschlag, in Langenegg ein Werk zu errichten?

BAuer: Es gibt unterschiedliche Versionen der Geschichte. Es gab sicher Standortvorteile hier. Und man sagt den damaligen Entscheidungsträgern auch nach, dass es persönliche Verbindungen zum Bregenzerwald gab.

Ein Standortvorteil sind sicher auch die Fachkräfte.

Fuchs: Wir stellen jedes Jahr vier neue Lehrlinge ein und haben auch einen hauptberuflichen Lehrlingsausbilder. Die Ausbildung hat dadurch sicher ein anderes Niveau bekommen. Auch weil sie ein Kanal ist, um Fachkräfte zu bekommen.

Hoeckle setzt am größten Standort der Gruppe – in Langenegg – auf ein kompromisslos hohes Qualitätsniveau.
Hoeckle setzt am größten Standort der Gruppe – in Langenegg – auf ein kompromisslos hohes Qualitätsniveau.

Die Zukunft des Standorts Langenegg liegt darin, dass wir die Mitarbeiter von unserer Idee begeistern.

Kennzahlen

» Gegründet: 1928

» Gesellschafter: Eberhard Hoeckle GmbH (100 %)

» Mitarbeiter: 600 insgesamt,
350 im Bregenzerwald

» Umsatz 2015: 51 Mill. Euro (+21,4 %)

» Investitionen Langenegg 2015: 2 Mill. Euro

» Produktion Langenegg:
Kurbelwellen und Pleuelstangen

» Export: 90 Prozent

Zur Person

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Premium-Serien für die Premium-Hersteller

Hoeckle produziert in Vorarlberg Motorenteile für die Elite der Automobilbauer.

Langenegg. (VN) Ein Lamborghini kündigt sich schon von Weitem an. Das Motorgeräusch lässt ahnen, was unter der Haube steckt. Ein Hochleistungsmotor, Ingenieurskunst in Vollendung. Dass in diesem Sportwagen ebenso wie z. B. in einem Mercedes AMG, BMW M oder Audi R auch ein Stück Bregenzerwald verbaut ist, wissen aber die wenigsten. Die Firma Hoeckle produziert ­in Langenegg Kurbelwellen und Pleuelstangen als Technologieführer in der Automobilindustrie.

Mit 350 Mitarbeitern zählt Hoeckle zu den größten Arbeitgebern im Bregenzerwald. Das Werk, 2000 gegründet, ist heute das größte in der baden-württembergischen Firmengruppe, die am Stammsitz Mössingen 100 Mitarbeiter und in einem weiteren Werk in der Slowakei nochmals 150 Personen beschäftigt.

Gegründet wurde das Familienunternehmen im Jahr 1928 von Eberhard Hoeckle in Stuttgart als Zylinderschleiferei „Hoeckle und Gschwendt“. Die Instandsetzung von Motoren für Rennsport- und Straßenfahrzeuge bildete das Fundament für die erfolgreiche Unternehmensentwicklung über die Jahrzehnte: In den 60er-Jahren erfolgte die Erweiterung der Unternehmensaktivitäten mit der Serienproduktion von Kurbelwellen.

Heute ist die Gruppe, die aktuell nach neuen Gesellschaftern sucht, Tier-1-Lieferant (die höchste Klasse in der Zulieferindustrie) für Premiummarken, es werden Kurbelwellen für V8-, V10- und V12-Motoren genauso produziert wie für kleinere Motoren – „das können auch Dreizylinder mit großer Leistung sein“ und eben hochwertige Pleuelstangen, die höchstem Anspruch genügen.

Ein abgestimmtes Team

Langenegg. (VN) Hoeckle wird von einem starken Führungsteam geleitet. „Wir sind eng abgestimmt“, sagt Ralf Bauer (43), seit 2009 Geschäftsführer der Hoeckle Gruppe. Er studierte technisch orientierte BWL und arbeitete zuvor als Projektplaner bei Daimler sowie als Leiter der strategischen Unternehmensplanung sowie der Produktkostenoptimierung bei der Behr Gruppe.

Reiner Witzenberger (57) ist kaufmännischer Leiter bei Hoeckle. Er studierte Wirtschaftswissenschaft und arbeitete danach unter anderem als Leiter des Konzern-Controlling bei Knorr-Bremse sowie als CFO und COO bei der paragon AG Delbrück.

Hoeckle-Geschäftsführer und „Cheftechniker“ Werner Simon (64) fungierte nach seinem Maschinenbau-Studium als Interimsmanager bei Unternehmen wie Reifenhäuser (Worms), Sulzer (Lohmar), Wema (Vogtland) oder Faudi (Stadtallendorf).

Bernhard Fuchs, gebürtiger Langenegger, arbeitet seit sechs Jahren für Hoeckle, zuerst als Leiter Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement. Seit November 2015 ist er Betriebsleiter des Standorts Langenegg.

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